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Geheime Treffen: Auf einmal sucht Erdogan die Nähe zu Syrien

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ERDOGAN
Murad Sezer / Reuters
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  • Die Türkei startet überraschend eine Annäherung an Syrien
  • In den letzten Jahren hatte Erdogan stets versucht, das Assad-Regime zu destabilisieren
  • Der Kurswechsel kommt also mehr als unerwartet

Am Mittwoch leitete der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim einen außenpolitischen Kurswechsel ein: Er verkündete live im Fernsehen, man wolle "die Beziehungen mit Syrien“ normalisieren.

Dies überrascht umso mehr, da Ankara in den letzten fünf Jahren immer wieder versuchte, das Assad-Regime in Syrien zu destabilisieren; unter anderem durch die Unterstützung der syrischen Rebellen. Nun sollen sich sogar Vertreter beider Regierungen in Algerien zu geheimen Gesprächen getroffen haben.

Drastischer Kurswechsel in der Türkei

Seit seinem Amtsantritt im Mai vollzieht der neue Ministerpräsident Yildirim einen Politikwechsel. Mit Annäherungen an Russland und Israel versucht er, die zuletzt außenpolitisch isolierte Lage der Türkei zu verbessern.

Für den Abschuss eines russischen Kampfjets im November 2015 bot Präsident Recep Tayyip Erdogan Vladimir Putin vor zwei Wochen nach langem Ringen eine Entschuldigung an.

Und auch die Abwendung von den syrischen Rebellen führte zu einer weiteren Annäherung, hatte Russland doch immer Assad unterstützt.

Auch zum Irak und zu Ägypten will Erdogan bessere Beziehungen aufbauen

Im Streit mit dem jahrelangen Rivalen Israel zeigte sich die Türkei ebenfalls kompromissbereit; man einigte sich gütig nach der Kaperung einer türkischen Gaza-Hilfsflotte.

Auch das problematische Verhältnis zu Ägypten, dessen Regierung unter Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi Erdogan nicht anerkennt, will die Türkei verbessern, ebenso wie die Beziehungen zum Irak.

Die Annäherung an Syrien soll laut Yildirim beiden Ländern die Stabilität gewährleisten, die besonders im Kampf gegen den Terrorismus nötig sei. Neben dem Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat (IS) scheint der außenpolitische Kurswechsel jedoch auch die internen Konflikte mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu betreffen.

Türkei gewährt Assad wohl noch einige Monate an der Nacht

"Die Regierung versucht sich von außenpolitischen Zerwürfnissen zu entlasten, um sich auf die kurdische Frage zu Hause zu konzentrieren“, vermutet Akin Ünver von der Kadir-Has-Universität in Istanbul.

Mit dem politischen Wechsel und der Annäherung an den ehemaligen Verbündeten Russland scheint die Türkei Assad noch einige weitere Monate an der Macht zu gewährleisten.

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(lk)