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"Krieg gegen die Ungleichheit": Banken und Thinktanks warnen vor sozialen Unruhen

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UNRUHEN
Geldhäuser und Thinktanks fordern einen "Krieg gegen die Ungleichheit" | dpa
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  • Nach dem Brexit warnen Banken und Denkfabriken vor einer wachsenden sozialen Ungleichheit
  • Die Bank of America fordert gar eine "Kriegserklärung an die Ungleichheit"

Nach dem Brexit-Votum ist ausgerechnet unter Geldhäusern und Denkfabriken eine Debatte über die Kluft zwischen Arm und Reich ausgebrochen.

Jahrelang haben viele Manager, Banker und Spitzenpolitiker über dieses Thema lieber geschwiegen. Jetzt stimmen immer mehr von ihnen darin überein, dass die wachsende Ungleichheit einer der zentralen Gründe für den Austritt Großbritanniens aus der EU gewesen sein könnte.

Für elf Millionen Haushalte in Großbritannien haben sich die Lebensverhältnisse seit 2002 nicht mehr verbessert, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie des britischen Thinktanks Resolution Foundation.

Auch in Deutschland geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf, wie der Armutsbericht der Bundesregierung zuletzt warnte.

Ungleichheit führt zum Erstarken der Populisten

Die Leute seien frustriert - und hätten sich deswegen zu einer so radikalen Entscheidung wie dem Brexit-Votum hinreißen lassen, heißt es in der Studie der Resolution Foundation.

Noch weiter geht eine Analyse der Bank of America. Die Autoren fordern mit Blick auf die USA einen "War on Inequality", also einen "Krieg gegen Ungleichheit". Denn die Ungleichheit führe zu einem wachsenden Einfluss von Populisten in der Politik.

Die Banker zeigen sich schockiert darüber, dass sich ausgerechnet in einem prosperierenden Land wie Großbritannien Menschen für solch einen radikalen Schritt wie den Brexit entscheiden - obwohl er wirtschaftliche Nachteile mit sich bringe. Was die Banker aber eingestehen: Von dem wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahre hätten offenbar nur wenige profitiert.

Die Fondsgesellschaft Pimco schlägt ähnliche alarmistische Töne an. Der Druck auf Regierungen, Vermögen stärker umzuverteilen, sei durch das Brexit-Votum massiv gestiegen. Sie spricht von einem "Protest-Votum" gegen das Establishment, wachsende Ungleichheit und die Globalisierung.

Programm gegen Jugendarbeitslosigkeit

Die Politiker scheinen diesen Weckruf auch schon gehört zu haben. Zuletzt forderten unter anderem Sigmar Gabriel und Wolfgang Schäuble ein großes Programm gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa.

Denn bei den Jungen auf dem Kontinent ist nicht nur die Arbeitslosigkeit hoch, sondern auch der Frust. So sind überraschend viele Wähler der AfD unter 25 Jahre alt. Bei den Landtagswahlen im März wählte jeder Vierte in dieser Altersgruppe die Rechtspopulisten.

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(ben, lk)