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Mit diesem ausgeklügelten Plan können Flüchtlinge bei McDonald's arbeiten - auch wenn sie kein Deutsch sprechen

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Burger-Verständigung: Mit dieser ausgeklügelten Idee verhilft McDonald's hunderten Flüchtlinge zu einem Neustart (Archivbild) | ASSOCIATED PRESS
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  • McDonald's stellt vermehrt Flüchtlinge ein
  • Schlechte Sprachkenntnisse sind dabei kein Hindernis
  • Ein Smartphone-Sprachkurs soll zudem helfen, die Flüchtlinge in den Job zu integrieren

Für viele Unternehmen sind gute Deutschkenntnisse das A und O, um Flüchtlingen einen Job zu geben. Nicht so bei McDonald's: Die Fast-Food-Kette stellt in Deutschland auch Flüchtlinge ein, bei denen es mit der deutschen Sprache noch hapert.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Bei McDonald's arbeiten hierzulande inzwischen mehr als 900 Flüchtlinge in den rund 1500 Filialen. Insgesamt hat der Fast-Food-Riese in Deutschland rund 54.000 Mitarbeiter.

Die Flüchtlinge sind zum Teil bei McDonald's fest angestellt. Sie sind aber auch als Auszubildende oder Praktikanten beschäftigt.

Zum Vergleich: Bei den 30 deutschen Dax-Unternehmen sind derzeit gerade einmal 54 Flüchtlinge beschäftigt.

McDonald's schafft, woran andere scheitern

Aber wie schafft McDonald's etwas, woran viele andere Großunternehmen in Deutschland scheitern?

Traditionell beschäftigt die Fast-Food-Kette viele Migranten. Die daraus entstandenen Erfahrungen nutzt man jetzt auch bei der Integration der Flüchtlinge.

"Sprachkenntnisse erleichtern die Integration, sie sind aber keine zwingende Voraussetzung“, sagt Gabriele Fanta, Personalvorstand bei McDonald's Deutschland der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Es käme viel mehr auf das Teamwork an, letztlich sei das der beste Sprachtrainer, meint sie.

Sprachtraining per Smartphone oder Tablet

Wer zusätzlich seine Sprachfähigkeiten trainieren möchte, bekommt bei McDonald's auch ungewöhnliche Unterstützung: Damit sich die Sprachkenntnisse der neuen Mitarbeiter weiterentwickeln, hat das Fast-Food-Unternehmen Sprachkurse für das Smartphone entwickeln lassen.

"Die Mitarbeiter können über das Intranet per Videos und Webinars die Sprache lernen", sagt der stellvertretende Unternehmenssprecher Peter Lemm der Huffington Post. Das Angebot sei vollkommen freiwillig, werde aber von vielen Mitarbeitern genutzt, die ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen.

Als im Herbst vergangenen Jahres der Flüchtlingszustrom seinen Höhepunkt erreichte, stellte McDonald's zudem den Arbeitsagenturen 20.000 solcher online-basierten Sprachkurse zur Verfügung.

Wie viele Flüchtlinge bereits eine Festanstellung bei McDonald's haben, kann der Konzern allerdings nicht sagen. Dies obliege den rund 240 Franchisenehmern. "Diese sind nicht verpflichtet, uns darüber zu informieren", sagt Lemm.

Deutsche Jugendliche meiden Ausbildung zunehmend

Um auch Flüchtlinge mit wenig Sprachkenntnissen bestmöglich an ihre Arbeit heranzuführen, hat McDonald's ein ausgeklügeltes System geschaffen. Wer kaum Deutsch beherrscht, fängt erstmal in der Küche an.

Dort werden die neuen Mitarbeiter durch Symbole und Darstellungen angeleitet und lernen so die Standards bei der Zubereitung der Burger und die Hygienevorschriften kennen. Reichen die Sprachkenntnisse aus, können die Flüchtlinge auch im Service arbeiten.

Dass McDonald's nun vermehrt Flüchtlinge einstellt, liegt auch daran, dass der Konzern es in Deutschland zunehmend schwer hat, Mitarbeiter zu finden.

Immer mehr deutsche Jugendliche meiden die Berufsausbildung in Unternehmen. Während die Hörsäle der Unis voll sind, sucht McDonald's für die Grills der Burgerkette händeringend nach Nachwuchs.

Deshalb hat McDonald's auch die Einstiegshürden in Bezug auf die Deutschkenntnisse für Bewerber gesenkt. "Wir sehen das als Chance für beide Seiten“, sagt Personalvorstand Fanta der "FAZ". Bezahlt wird bei der Burgerkette knapp über Mindestlohn: Eine ungelernte Kraft verdient derzeit 8,60 Euro pro Stunde.

Flüchtlinge vor allem im Niedriglohnsektor angestellt

Insgesamt verläuft die Integration von Flüchtlingen - nicht nur bei den DAX-Unternehmen - in den deutschen Arbeitsmarkt schleppend. "Ich bin nicht zufrieden, weil wir noch keine großen Erfolge erzielen konnten“, sagt etwa Frank-Jürgen Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit gegenüber der "FAZ".

Den 130.000 anerkannten arbeitslos gemeldeten Flüchtlingen stehen nur 30.000 beschäftigte Flüchtlinge gegenüber. Die Einstellungshürden sind in vielen Fällen unerreichbar hoch.

Zumindest für einige Branchen könnte McDonald's aber jetzt als Vorbild dienen, wie dieses Problem zu lösen ist.

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(ben)