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Boris Johnson: Großbritanniens neuer Außenminister hat die wichtigsten Politiker der Welt beleidigt

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BORIS JOHNSON
Der neue britische Außenminister Boris Johnson | JUSTIN TALLIS via Getty Images
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  • Großbritannien hat einen neuen Außenminister
  • Seine Vergangenheit als Journalist könnte für Johnson zum Problem werden
  • Er hat bereits eine Reihe von bedeutenden Diplomaten beleidigt

Nachdem Großbritanniens neue Premierministerin Theresa May bekannt gab, dass der Brexit-Befürworter Boris Johnson das Amt des Außenministers übernehmen würde, glaubte man ein kollektives Aufstöhnen von Diplomaten auf der ganzen Welt zu hören.

May will offenbar das Brexit-Lager versöhnen, indem sie dem Wortführer der "Leave"-Kampagne einen hohen Posten gibt. Ein verständlicher Schritt. Doch warum musste es ausgerechnet das Außenministerium sein?

Johnson ist ein begnadeter und witziger Redner. Indem er aussprach, was viele Briten fühlten, gewann er sie für den Brexit. Leider hat er ein bisschen zu oft ausgesprochen, was er dachte. In der Diplomatie sind Diskretion und Deeskalation gefragt. Und da hat Johnson kein Talent.

Da ist erstmal das Verhältnis zum US-Präsidenten Barack Obama. Der hatte während des Wahlkampfs vor dem Brexit-Referendum vor einem Ausstieg aus der EU gewarnt.

Nicht besser machte das Verhältnis Johnson das Verhältnis in einer Kolumne für die "Sun". Darin sagte er, dass Obamas "teil-kenianische Abstammung" ihn empfänglich für eine anti-britische Haltung mache. Er beschuldigte den Präsidenten deshalb, eine Büste von Winston Churchill aus dem Oval Office entfernt zu haben.

Eklat um Churchills Büste im Oval Office

"Manche sagen, es war ein Symbol der vererbten Ablehnung des teil-kenianischen Präsidenten gegenüber dem britischen Imperium - dessen wütender Verteidiger Churchill gewesen war."

Barack Obama reagierte gelassen auf diese Äußerungen. Immerhin erklärte er in einer Pressekonferenz, dass es im Weißen Haus leider eine begrenzte Anzahl an Tischen gebe, auf die man Büsten stellen könne - aber dass Churchill einen Platz habe, an dem er ihn jeden Tag sehe.

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Kein Wunder, dass die Reaktionen aus dem US-amerikanischen State Department auf Johnsons Ernennung zum Außenminister nicht gerade euphorisch klangen. Sprecher Mark Toner sagte der Nachrichtenagentur AP, die USA würden sich darauf freuen, mit Johnson zusammenzuarbeiten.

Was man als Pressesprecher so sagt. Dann kam aber ein Zusatz. "Wir werden immer in der Lage sein mit den Briten zusammenzuarbeiten unabhängig davon, wer die Rolle des Außenministers einnimmt, wegen unseres tiefen, beständigen und besonderen Verhältnisses zum Vereinigten Königreich."

Das ist wohl diplomatisch ausgedrückt für: "Unsere Beziehungen werden auch Johnson überstehen."

Hillary Clinton ist eine "sadistische Krankenschwester in einer Irrenanstalt"

Leider hat Johnson bereits jedem möglichen Nachfolger Obamas ans Bein getreten. Die Chancen stehen gut, dass Hillary Clinton im November die erste Präsidentin der USA wird. Johnson hatte offenbar nicht vorhergesehen, dass er einmal als Außenminister auf eine Präsidentin Hillary treffen könnte, als er sie sich 2007 in einer Kolumne für den "Telegraph" vorknöpfte.

"Sie hat blondierte Haare und mürrische Lippen und einen starren, stahlblauen Blick wie eine sadistische Krankenschwester in einer Irrenanstalt", schrieb er. Clinton würde für alles stehen, was er politisch ablehne.

Auch zu ihrer Ehe zu Ex-Präsident Bill Clinton hatte er was zu sagen: Er bezeichnete sie "als mit Granateinschlägen übersätes Monument des Triumphs der Hoffnung über die Erfahrung".

Er sei bereit, Clinton als Präsidentschaftskandidatin zu unterstützen, wenn auch nur, "damit Bill Clinton wieder über den Teppichboden des Oval Office schlurft - wenn auch nur, um seine Frau den Tee zu bringen".

Aber auch, wenn im November Donald Trump gewinnen würde, könnte es schwierig werden für Johnson. "Der einzige Grund, warum ich nicht in manche Gegenden New Yorks gehen würde, ist die reale Gefahr, Donald Trump zu treffen", sagte er im Dezember über den Präsidentschaftkandidaten der Republikaner.

Erdogan ist ein "grandioser Wichser"

Unrettbar dürfte allerdings das Verhältnis zur Türkei sein. Johnson hatte nicht nur regelmäßig vor einem EU-Beitritt der Türkei gewarnt, sondern darüber hinaus auch noch Präsident Recep Tayyip Erdogan in einem selbstverfassten Limmerick als "grandiosen Wixer" bezeichnet und die unterstellt, Sex mit Ziegen zu haben.

Dafür gewann er sogar ein Preisgeld von 1000 britischen Pfund, das der "Telegraph" nach dem Skandal um das Schmähgedicht von Jan Böhmermann ausgelobt hatte.

Seien wir ehrlich: Er sprach damit vielen aus dem Herzen. Allerdings ist die Royal Air Force am Kampf gegen den Islamischen Staat beteiligt. Zwar starten ihre Tornados und Typhoons von Zypern aus, doch Großbritannien nutzt auch die türkische Basis Incirlik.

Die Ernennung Johnsons zum Außenminister scheint Mays erster bedeutender Fehler zu sein.

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(lp)