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Ihr wurde immer gesagt, sie hätte einfach Stress - dabei war sie richtig krank

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Es ist etwas, was wir vermutlich alle kennen. Wir fühlen uns schlapp, sind ständig müde, haben kaum mehr oder zu viel Appetit.

Meistens, wenn es uns so geht, führen wir diese Symptome auf Stress zurück. Den Stress, den wir gerade auf der Arbeit haben, der nahende Umzug, der Liebeskummer. Irgendwas ist immer. Und Stress ist oft die einfachste Erklärung, wenn es uns gerade einfach nicht gut geht.

Stress als Krankheit

So erging es auch der britischen Studentin Anna Flood. Auch sie fühlte sich ständig müde und überreizt, hatte Verdauungsbeschwerden. Die Ärzte, zu denen sie ging, sahen Stress als Ursache für ihre Beschwerden. Und führten keine weitergehenden Untersuchungen durch.

"Ich habe dann einfach Eisentabletten gekauft und weitergemacht", erzählte Anna der britischen "Daily Mail". Doch nach drei Jahren kam es dann zum Zusammenbruch. Sie wurde in die Notaufnahme gebracht und nach einer Computertomographie stellten die Ärzte eine schockierende Diagnose: Sie hatte einen Tumor im Darm. Der Tumor musste entfernt werden, Anna erholte sich langsam.

Heute sagt sie: "Es hat mich körperlich sehr geschwächt. Wenn die Ärzte aber früher Bluttests durchgeführt hätten, hätten sie die Diagnose viel früher stellen können."

Frauen haben mehr Stress

Dass hier fälschlicherweise Stress diagnostiziert wurde, ist kein Einzelfall. Und kein Wunder. Denn Stress wird langsam, aber sicher zur Volkskrankheit. Immer mehr Menschen leiden unter den Symptomen - insbesondere Frauen sind davon betroffen.

Die Weltgesundheitsorganisation wertet Stress mittlerweile als eine der Hauptgesundheitsrisiken. Und der Stress nimmt für viele Menschen zu.

Im Rahmen einer Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse gaben fast 70 Prozent der Berufstätigen an, bei ihnen habe sich das Stress-Level in den vergangenen Jahren erhöht. Bei den 30- bis 40-Jährigen ist es sogar besonders gravierend. Acht von zehn Befragten in diesem Alter gaben an, unter Stress zu stehen. Jeder Dritte sogar permanent.

Frauen und Männer

Vermehrt sind es allerdings Frauen, die angeben, gestresst zu sein. Forscher an der Universität Trier fanden heraus, dass dies auf die bei Frauen stärker ausgeprägte Neigung zur Besorgnis zurückzuführen ist.

Frauen empfinden unter ähnlichen Bedingungen mehr Stress als Männer. Aber nicht nur das. Die Körper von Frauen reagieren auch anders auf Stress. Das Stresssystem wird im Gehirn gesteuert, die sogenannte Stress-Hormonachse, die den Stress steuert, läuft vom Hypothalamus über die Nebennieren. Eine Region, die bei Frauen deutlich empfindlicher ist als bei Männern.

Frauen empfinden und fühlen also mehr Stress, das führt allerdings auch dazu, dass sie öfter als Männer falsch diagnostiziert werden. So wie es Anna ergangen ist.

In einer Umfrage der US-amerikanischen Gesellschaft für Herzkrankheiten, gaben Frauen an, in Bezug auf Herzerkrankungen oftmals falsch diagnostiziert worden zu sein. Ärzte hätten die Symptome für Stress oder Angstzustände gehalten.

Das liegt auch daran, dass die bei Männern typischen Symptome für Herzerkrankungen, wie Arm- und Brustschmerzen, oft bei Frauen fehlen. Frauen leiden häufiger unter Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Erschöpfung. Symptome, die Ärzte häufig als Stress diagnostizieren.

Nicht geschlechtsspezifische Medizin kann also eine große Gefahr für die Gesundheit darstellen. Wie der Fall von Anna dokumentiert.

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