Huffpost Germany

Audi Q2: Nicht wirklich ein SUV, aber cool

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Möchte im Premium-Segment kleiner Crossover wildern: Audi Q2

Er ist nicht klein, sondern hat das Format wahrer Größe. Der Audi Q2 ist alles, nur nicht langweilig. Und er ist nicht wirklich ein SUV, obwohl man in ihm acht Zentimeter höher sitzt und seine Proportionen als eine Art optische Täuschung SUV-Ausstrahlung suggerieren. Der Neue im Audi-Modellangebot weigert sich, in Schubladen gängiger Marketing-Termini gesteckt zu werden. Wahrscheinlich ist er nur ein neues Automobil, das ungemein sympathisch und formal ein wenig frecher daher kommt, als die anderen Audi-Modelle. Also das richtige Auto für alle, die Wendigkeit im Stadtverkehr und innere Größe und Werte mehr schätzen als Geländetauglichkeit, die auf den Flaniermeilen der Großstädte eh ohne Belang ist, wo aber die SUVs dieser Welt zu 99 Prozent gefahren werden.

Der Q2 spricht mit Sicherheit nicht nur junge Leute an, wie man meinen könnte. In seinem Segment ist er dann vielleicht doch das Gelbe vom Ei. Gemacht für eine Zielgruppe, die sich einer eindeutigen Definition entzieht. Die gewollt jugendliche Ausstrahlung des Q2, seine formale Eleganz, sein urbaner Bonsai-Schick trifft den Geschmack von Jung und Alt.

Sehen Sie in diesem Clipfish-Video mehr zum neuen Coupé von Audi

Im Premium-Segment kleiner Crossover wildern

Audi ist mächtig stolz auf den Kleinen. Design, Connectivity, Materialien, elektronische Assistenten, (zunächst) sechs Motoren und auf Wunsch Quattro-Allradantrieb bieten, was das Herz begehrt. Klar, dass Audi damit auch bei den Wettbewerbern auf Ab-Werbetour im anspruchsvollen Premium-Segment kleiner Crossover gehen möchte. Tatsächlich ist der Q2, der ab November beim Händler steht und in der naturgemäß nicht gerade üppig ausgestatteten Basisversion ab 23.000 Euro zu haben ist, ein spannendes Ad-on im variantenreichen Portfolio aus Ingolstadt.

Mit dem Q2 will Audi einmal mehr Design-Kompetenz vermitteln. Dem neuen Kleinen fällt gar die Aufgabe zu, ein neues Design-Kapitel bei Audi aufzuschlagen. Das neue Gesicht soll den Q2 von den größeren Brüdern differenzieren, der Singleframe-Grill mit dem Rahmen aus Aluminium den hohen Qualitätsanspruch signalisieren und mehr sein, als es die Dimensionen (Länge 4,19 Meter) hergeben. Das ist bestes Audi-Design, das nicht erklärt werden muss, sondern intuitiv als eigenständige Ästhetik wahrgenommen wird.

Charakteristisch sind die kurzen Überhänge und die überraschend wirkende Einbuchtung, die sich in Schulterhöhe über die beiden Türen erstreckt, dem Fahrzeug seinen besonderen Charakter gibt. Breite Schultern und die Form über den Radhäusern erinnern bewusst an den Ur-Quattro. "Wir haben den Audi Q2 gezielt für junge Kunden entwickelt", sagt Audi-Chef Rupert Stadler. "Schon rein optisch ist er ein Typ mit Ecken und Kanten. Der kompakte SUV vereint das technische Know-how unserer Marke mit hohem Alltagsnutzen und emotionalem Charakter."

Lifestyle-Sportler mit virtuellem Cockpit auf Wunsch

Wir haben uns auf einer ersten Testfahrt intensiver mit dem von Audi als "Lifestyle-Sportler" bezeichneten Q2 in der Version 1.4 TFSI mit 150 PS beschäftigt. Auffällig ist im Q2 der Innenraum, der größer ist, als man von außen vermutet. Fünf Personen finden hier Platz, vier können bequem längere Strecken zurücklegen. Aber es ist wohl bei jedem Fünfsitzer so, dass der hintere Mittelplatz wie in jeder Airline dem Passagier Komfort-Einschränkungen zumutet. Dafür ist der Knieraum hinten in dieser Klasse von nachgerade großzügiger Dimension. Bei vorgeklappten Rücksitzlehnen fasst der Gepäckraum 1.050 Liter, genug für den kleinen Möbeltransport. Als Extra gibt es eine elektrische Heckklappe und die dreigeteilte Rückbank mit Durchlademöglichkeit für die Ski im Winterurlaub.

Das Cockpit wirkt aufgeräumt, ergonomisch optimiert, wenngleich die vielen angebotenen Funktionen entsprechende Hebel, Schalter, Knöpfe und Menüs erfordern, die schon mal überfordern können. Der MMI-Monitor steht fest in der Mitte der Instrumententafel und ist in der Größe vom gewählten Infotainment-System abhängig. Immer wieder begeistert uns in nunmehr allen Audi-Modellen das optionale virtuelle Cockpit. Ein Extra, das einfach dazu gehört. Jetzt gibt es sogar ein Head-up-Display, dessen Informationen allerdings nicht in die Frontscheibe, sondern in eine kleine extra Scheibe im Blickfeld des Fahrers projiziert werden. Seine Ablesbarkeit und Funktionalität steht einem "großen" Head-up-System in nichts nach. Die Qualität der Verarbeitung und die hochwertigen Materialien zu loben, hieße Audis nach Ingolstadt fahren. Innenraum-Qualität ist Audi pur.

Leistungsmäßig im Mittelfeld der aktuellen Varianten angesiedelt, hat uns das Temperament des Q2 in den Schweizer Bergen nicht nur überrascht, sondern begeistert. Dass der Motor Zylinderabschaltung hat, ist uns gar nicht aufgefallen, so unauffällig geht sie vonstatten. Was sie genau an Ersparnis bringt, wissen wir allerdings nicht. Mit dem Doppelkupplungs-Getriebe, das unbedingt zu empfehlen ist, gibt Audi einen Verbrauch von 5,2 Liter an. Bei recht zügiger Berg- und Talfahrt meldete der Bordcomputer schließlich einen Durchschnittsverbrauch von 6,7 Liter. Für einen Benziner mit dieser Leistungsfähigkeit ist das hoch effizient. Das liegt sicher auch am sportlich-schlanken Gewicht des Q2 von 1280 Kilogramm.

Kostenloses Roaming für Europa

Die Agilität des kleinen Audi ist großartig und neben dem verstellbaren Fahrwerk der serienmäßigen Progressivlenkung zu verdanken, die abhängig vom Lenkeinschlag variiert. Bei großen Lenkbewegungen wird sie direkter und sorgt für spürbare Dynamik und präzise Rückmeldung, wohin die Reise geht. Besonders auffallend sind die Vorteile dieser Lenkung im Stadtverkehr, aber auch auf kurvigen Landstraßen. Der Q2 bewegt sich um die Hochachse wieselflink, vermittelt ein zielgenaues Lenkgefühl, ist zudem jederzeit gut kontrollierbar.

Wer die Ausstattung "Audi connect" bestellt, bekommt eine fest eingebaute SIM-Karte, die Google Earth und Google Street View in die Navigation integriert sowie den Zugang zu Twitter und das E-Mail-Postfach ermöglicht. Die Karte bietet in den meisten europäischen Ländern für drei Jahre kostenloses Roaming, muss danach gegen Gebühr verlängert werden, wenn man die Dienste weiter nutzen möchte.

Die Fahrerassistenz-Systeme sickern nun auch aus der Oberklasse in den Q2. Von der automatischen Abstandskontrolle (ACC) mit Stopp-and-go-Funktion bis zum Stauassistenten, der kurzzeitig bis 65 km/h auch lenken kann, sind alle Systeme zum Teil optional vorhanden. Der Notfallassistent bringt im Ernstfall das Auto automatisch zum Stehen. Leider ist der prädiktive Effizienzassistent im Q2 noch nicht zu kaufen, der nicht nur Verkehrszeichen lesen kann, sondern auf Wunsch auch die Geschwindigkeit automatisch der Route oder einem Tempolimit anpasst. Aber auch die optionale kamerabasierte Verkehrszeichen-Erkennung allein bietet ein wichtiges Plus an Fahrerinformation.

Noch etwas zum Schluss: Die Fantasie der Designer drückt sich nicht nur in der Form aus, sondern auch in den Namen interessanter Farben, insgesamt zwölf an der Zahl. Da gibt es ein geheimnisvoll anmutendes Quantumgrau, ein Mythosschwarz, Tangorot oder ein leuchtendes Korallenorange. Das Gelbe vom Ei unserer Fotos wäre mit einem schlichten Gelb geradezu banal beschrieben. Da klingt Vegasgelb wesentlich origineller.

Technische Daten Audi Q2 1.4 TFSI: Länge: 4,20 Meter, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,50 Meter, Radstand: 2,60 Meter, Leergewicht: 1.280 Kilogramm, Tankinhalt: 50 Liter, Motor: Vierzylinder-Otto-Motor mit Turbolader, Hubraum 1.395 ccm, Leistung: 150 PS bei 5.000 U/min, max. Drehmoment: 250 Newtonmeter bei 1.500 bis 3.500 U/min, 0 - 100 km/h: 8,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 212 km/h, Durchschnittsverbrauch NFZ 5,2 Liter Super auf 100 km, CO2-Emission kombiniert: 119 g/km, Euro 6, Preis ab: 24.900 Euro.