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Aus der Mitte Europas droht ein neues Finanzbeben: Hier sind 9 Dinge, die ihr wissen müsst

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RENZI
Aus der Mitte Europas droht ein neues Finanzbeben: Hier sind 9 Dinge, die ihr wissen müsst | Remo Casilli / Reuters
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  • Europa steht das nächste Finanzbeben bevor
  • Sein Epizentrum liegt in Italien
  • Experten warnen davor, dass die Bankenkrise in dem Land auf andere Euro-Länder übergreifen könnte

In seinem neuen Report warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einer schweren Banken- und Wirtschaftskrise in Italien. Experten fürchten, dass sie auf ganz Europa übergreifen könnte.

Die Zahlen sind so alarmierend, dass der ehemalige Schweizer Notenbankchef Philipp Hildebrand eine "Katastrophe“ für den europäischen Finanzsektor heraufziehen sieht - die Auswirkungen für die Bürger in ganz Europa hätte.

Hier sind 9 Dinge, die du über die Situation in Italien wissen musst:

1. Darum schlagen die Ökonomen jetzt Alarm

Wie der IWF schreibt, haben die italienischen Banken faule Kredite im Wert von rund 360 Milliarden Euro angehäuft. Ein fauler Kredit bedeutet, dass die Kunden Probleme mit der Rückzahlung haben. Das entspricht einem Drittel der gesamten Problemdarlehen in der Eurozone.

Bei fast jedem fünften Kredit in Italien ist die Rückzahlung in Gefahr. Und auch das dürfte noch nicht das volle Ausmaß sein. Italien ist das am zweithöchsten verschuldete Land der Eurozone nach Griechenland.

2. So wurde die Bankenkrise ausgelöst

Italien steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. Für dieses Jahr sagt der IWF nur ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent voraus.

Hinzu kommen aber auch hausgemachte Probleme der Banken, etwa eine viel zu laxe Kreditvergabe. Zudem ist der Bankensektor weiter stark zersplittert und wenig effizient. Zu lange hat die Politik Reformen etwa beim Insolvenzrecht oder bei Bankenfusionen verschoben.

3. Darum sind die faulen Kredite so problematisch

Italien befindet sich ist einem Teufelskreis. Schwache Banken vergeben weniger Kredite. Das bremst die Wirtschaftsentwicklung. Doch gerade die Geldhäuser sind wiederum auf eine starke Wirtschaft angewiesen, um ihre Bilanzen aus eigener Kraft zu stärken.

4. Die Aussichten für die italienische Wirtschaft sind düster

In seinem Report schätzt der IWF, dass die italienische Wirtschaft bis zur Mitte der 2020er-Jahre kaum wachsen wird. In der restlichen Eurozone dagegen soll die Wirtschaft bis dahin im Schnitt um rund 25 Prozent wachsen. "Die Regierung steht vor einer monumentalen Aufgabe", schließt der IWF-Report.

5. Darum muss sich ganz Europa jetzt sorgen

"Wenn man jetzt eine italienische Großbank pleitegehen ließe, dann erzeugte man eine Ansteckung bei den Banken in ganz Europa", sagt etwa der Vizepräsident des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, Philipp Hildebrand. Zig Milliarden haben allein deutsche Banken in Italien im Feuer.

Schwache Banken gibt es auch anderswo - bedrohlich erscheint die Lage etwa weiter in Griechenland und Portugal. Einen großen Schock, wie er bei einer Pleite der griechischen Banken gedroht hätte, erwartet Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau diesmal aber nicht. Er sieht vielmehr eine lange Abwärtsspirale.

6. So will die italienische Regierung jetzt handeln ...

Die italienische Regierung von Matteo Renzi möchte strauchelnde Banken mit öffentlichen Geldern unterstützen.

7. ... allerdings gibt es ein Problem

Nach der neuen EU-Bankenrichtlinie sollen nach den Erfahrungen der Finanzkrise im Jahr 2008 staatliche Hilfen für Banken aber erst fließen, nachdem Aktionäre und private Gläubiger herangezogen wurden. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hatte ein neues Rettungspaket bereits am Vortag abgelehnt.

"Die Probleme müssen in den Banken geregelt werden", sagte der Niederländer beim Treffen der Euro-Finanzminister. Einfach nur mehr öffentliche Gelder zu fordern, wie es einige der Banker täten, um ihre Probleme zu lösen, sei problematisch. "Das muss ein Ende haben."

8. Allerdings hat Italien auch einen guten Grund, Staatsgeld einzusetzen

Bei den angeschlagenen Regionalbanken sind es vor allem kleine Sparer, die deren Anleihen halten. Sie wurden ihnen als sichere Alternative zu den zinslosen Einlagen empfohlen. Diese Kleinanleger müssten teuer dafür bezahlen, wenn die Banken nun regelkonform gerettet würden.

Versucht hat Italien das schon Ende 2015 bei vier kleinen Instituten. Es kam zu massiven Protesten. Seitdem gilt dieser Weg für die Regierung als nicht mehr gangbar.

Die Regierung scheint derzeit in einer Sackgasse zu stecken. Experten sehen die politische Situation in Italien ebenso kritisch wie die Situation der Banken. "Die Bankenkrise ist nur die Spitze des Eisbergs. Die politischen Probleme sind mindestens genauso gravierend für den Kontinent", sagt Alastair Newton, Stratege beim Think-Tank Alavan.

In keinem anderen Land Europas wollen so viele Bürger die EU verlassen wie in Italien. Die populistische Bewegung "5 Sterne" eilt von Wahlerfolg zu Wahlerfolg - zuletzt eroberte ihre Kandidatin das Rathaus in Rom.

9. Wie geht es nun weiter?

Notfalls müssten die Regeln gebrochen werden, meint der Chefvolkswirt der Deutschen Bank. "Das Bankensystem zu ruinieren wäre deutlich riskanter."

Ganz ausgeschlossen sind neue Staatshilfen aber auch nach den neuen Regeln nicht - etwa wenn eine Systemkrise verhindert werden muss oder beim Ende Juli anstehenden europäischen Banken-Stresstest neue Kapitallöcher auftreten.

Italien könnte also durchaus seine Bankenkrise noch abwenden - die enorme Wirtschaftskrise aber bleibt.

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