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Pokémon Go ist für Nintendo ein Befreiungsschlag - und ein massiver Umbruch

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POKEMON GO
Pokémon Go ist für Nintendo ein Befreiungsschlag - und ein massiver Umbruch | dpa
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  • Das Spiel Pokémon Go ist ein grandioser Erfolg für Nintendo
  • Das Gratis-Spiel bricht mit der bisherigen Verkaufsstrategie des Unternehmens

Das neue Smartphone-Spiel Pokémon Go ist ein spektakulärer Erfolg geworden für Nintendo. Überall in den USA, ob im New Yorker Central Park oder in den Straßen von San Francisco, laufen Leute mit Smartphones in der Hand herum und versuchen, die kleinen Monster einzufangen, die ihnen je nach Standort angezeigt werden.

Pokémon Go auf jedem 20. Android-Handy in den USA

In den USA wurde Pokémon Go nach einem Tag nach Berechnungen von Experten auf etwa jedes 20. Android-Handy geladen. Und im iTunes-Store führt die App die Liste der Kostenlosen Programme vor Snapchat und anderen App-Hits an.

Die Entwickler - Nintendos Pokemon Company und die ehemalige Google-Tochter Niantic Labs - wurden von dem Ansturm überrannt. Die weltweite Markteinführung wurde abgebremst, um die Server zu schonen. Bisher ist das Spiel offiziell nur in den USA, Neuseeland und Australien verfügbar. Europa sowie Japan und andere asiatische Länder sollen nun in den kommenden Tagen folgen, schrieb das "Wall Street Journal" am Montag unter Berufung auf informierte Personen.

Pokémon Go auf jedem 20. Android-Handy in den USA

Der Pokémon-Hype reicht schon für die ersten spektakulären Geschichten. So hätten vier Jugendliche im Bundesstaat Missouri an einem der sogenannten "Pokéstops", an denen man Monster-Fallen in Form eines rot-weißen Balls nachladen kann, Spielern aufgelauert und sie mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt, berichtete die lokale Polizei bei Facebook.

Aberwitzige Geschichten zu Pokémon Go

Außerdem klagte ein Mann sein Leid in Online-Netzwerken, nachdem sein Haus versehentlich als Poke-Stop markiert worden war. Und schon am Samstag fand eine 19-Jährige auf der Suche nach den Pokémon eine Leiche in einem Fluss im US-Bundesstaat Wyoming, wie das Portal "County 10" berichtete. Ein Bericht über einen von Pokémon Go ausgelösten Verkehrsunfall erwies sich hingegen als Fake.

Auf Twitter wurde vorgeschlagen, bei der Präsidentenwahl in November seltene Pokémon in Wahllokalen zu platzieren, damit dort mehr Leute aufkreuzen.

Außerhalb der drei Länder kann man das Spiel nur über Tricks laden. Hacker nutzten das bereits, um Schadsoftware, die sich als Pokémon Go tarnt, im Netz zu platzieren. Sie könne komplett die Kontrolle über ein Smartphone übernehmen, wie die IT-Sicherheitsfirma Proofpoint warnte.

Pokémon - ein Dauerbrenner von Nintendo

Die Pokémon, gestartet vor 20 Jahren, hat sich für Nintendo zu einem Dauerbrenner mit einer weltweiten Gemeinde aus Millionen Fans entwickelt. Wie in den traditionellen Spielen kann man die Pokémon mit Namen wie Pikachu, Rattfratz oder Bisasam gegeneinander in Kämpfen antreten lassen. Allein in der App kann man aktuell 96 Pokémon einsammeln, insgesamt gibt es hunderte.

Befreiungsschlag für Nintendo

Für den Konzern Nintendo ist der Erfolg des Spiels auf dem Handy ein fulminanter Befreiungsschlag. Der Videospiele-Pionier ignorierte lange den Markt der Smartphone-Apps und verkaufte die Games mit seinen beliebten Figuren wie Super Mario, Donkey Kong oder eben die Pokémon nur für eigene Spielekonsolen. Die Verkäufe der relativ erfolglos gebliebenen Fernseher-Konsole Wii U und der mobilen 3DS sinken aber. Gleichzeitig verbringen die Leute immer mehr Zeit mit den günstigen bis kostenlosen in Smartphone-Spielen - und die freie Zeit am Tag ist auch begrenzt.

Branchen-Analysten hatten schon lange darauf gedrängt, Nintendo solle endlich seine Figuren auf Smartphones bringen. Der japanische Traditionskonzern hatte jedoch Angst, damit seine Erlöse aus Spieleverkäufen abzuwürgen. Denn bei Smartphone-Apps hat sich das Modell durchgesetzt, dass die Games sehr günstig oder kostenlos sind - und das Geld wird dann so gut es geht über den Verkauf virtueller Artikel verdient.

Pokémon Go kostet die User nichts

Das Geschäftsmodell mit In-App-Käufen klappt so richtig gut nur bei den wenigen Top-Hits. Und während Nintendo sonst gewohnt ist, 30 bis 60 Euro pro Spiel einzunehmen, kostet auch Pokémon Go für Android und iOS zunächst einmal nichts.

Dafür muss man dann zum Beispiel für einen Sack mit 1200 Pokemünzen - der Währung in der App - 9,99 Euro berappen. Und nützliche Utensilien kosten dann - zum Beispiel 100 Pokébälle zum Fangen der Monster 460 Münzen. Wie ertragreich das sein wird - und wie lange die Pokémon-Euphorie bei den Smartphone-Nutzern anhält - muss sich noch zeigen.

Nintendo-Aktien gewannen extrem an Wert

Die Anleger, die Nintendos Aktien in den vergangenen Monaten aus Sorge um die Zukunft der mehr als 125 Jahre alten Firma immer tiefer drückten, atmeten aber jetzt schon auf. Der Kurs schoss am Montag um fast ein Viertel hoch. Nintendo war damit auf einen Schlag umgerechnet gut fünf Milliarden Euro mehr wert.