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Boon Sheridan: Der Mann, dessen Zuhause von Pokémon-Go-Spielern belagert wird

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  • Seit Kurzem wird das Haus von Boo Sheridan immer wieder von Menschen belagert
  • Das Ziel ist jedoch nicht er - die Besucher sind Spieler von Pokémon Go

Boon Sheridan ist nach eigener Beschreibung Designer. Medienprofi. Cocktail-Mixer. Besitzer zweier Katzen. Bewohner einer ehemaligen Kirche in Massachusetts. Und seit ein paar Tagen versehentlich eine Berühmtheit.

Wegen Pokémon Go.

In dem neuen Augmented-Reality-Smartphone-Spiel von Nintendo jagen die Spieler virtuelle Pokémon-Monster an realen Orten. Dazu laufen die Spieler, getrackt von der GPS-Funktion ihres Handys, durch die Gegend – zu Beispiel zu Orten, die in dem Spiel als besonders Pokémon-Fang-trächtig markiert werden, sogenannten Pokéstops. Oder eben zu anderen Orten, die im Spiel eine Rolle spielen.

Das eigene Zuhause als Ziel in Pokémon Go

Auch Sheridan hat sich die App am Freitag heruntergeladen. Und entdeckte, dass ausgerechnet sein Zuhause ungefragt als Sporthalle in der Pokémon-Welt auftaucht. Als Ort, an dem die Spieler ihre Pokémon trainieren können – indem sie sich ganz physisch und höchstpersönlich dort aufhalten.

Jetzt ist Sheridan auch einer, der eines der größten Probleme des weltweit meist gehypten Spiels vor Augen führt: nämlich den Zusammenprall von Spiel und Realität.

"Ich dachte, das kann nicht wahr sein", sagte er dem Portal "Buzzfeed" über die Zweckentfremdung seines Zuhauses.

Ungebetene Besucher

War es aber. Schon am nächsten Tag standen Leute vor seinem Haus. Und blieben recht lange dort, schreibt Sheridan. Anfangs sagte er noch, es würde ihn nicht besonders stören. Inzwischen sieht er die Sache offenbar anders.

Gerade in der Nacht finde er den Besuch vor dem Haus doch ein wenig unheimlich. Und was solle er seinen Nachbarn erzählen? So viele Leute, wie da herumlungerten, da könnte man ja schon auf die Idee kommen, er sei ein Dealer.

Außerdem parken die Spieler, die mit ihren Autos vorfahre, seine Einfahrt zu:

Der Spieleentwickler reagiert nur halbherzig

Beim Spieler-Entwickler Niantic konnte er nach eigener Aussage allerdings nicht einmal melden, dass er ganze Sache ein wenig seltsam fand. Er postete eine Screenshot, auf dem zu lesen ist, dass man Pokéstops nur melden könne, wenn den Spielern dort eine unmittelbare körperliche Gefahr drohe.

Da scheint es einige zu geben. Auf der Debattenseite Reddit etwa berichten User von einem Pokéstop vor einer Kirche, vor der zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr komme.

Eine Polizeidienststelle in Australien, die ebenfalls als besonderer Punkt markiert ist, wies die User auf Facebebook darauf hin, dass man ihr Gelände nicht betreten müsse, um beim Spielen weiterzukommen. Und die User sollten doch bitte beim Überqueren der Straße auf den Verkehr achten, nicht nur aufs Smartphone starren.

Bei der Auswahl der Orte hat Niantic offensichtlich auf Daten aus seinem älteren Spiel, Ingress, zurückgegriffen. Ein Spieler beider Spiele schrieb der HuffPost, viele Pokémon-Go-User hätten sich schon einen Ingress-Account zugelegt - weil sie dann auf eine weltweite Karte der interessanten Punkte gebe.

Offizielle Reaktionen von Nintendo oder Niantic sind bislang nicht bekannt. In den Guidelines von Pokémon Go schreibt Niantic nur, die Spieler mögen sich doch bitte an die Gepflogenheiten in der menschlichen Welt halten. Schlimmstenfalls droht eine Sperrung des Spieler-Accounts.

"Wenn das mal nicht schwammig ist", kritisiert Sheridan.

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Update : Der Absatz zum Zusammenhang zwischen Ingress und Pokémon Go wurde präzisiert und ergänzt.