Huffpost Germany

Exklusiv: Grünen-Politiker Janecek will rote Ampeln für Radler freigeben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CYCLIST BERLIN
Thomas Ritzerfeld Photography via Getty Images
Drucken
  • Grünen-Politiker Dieter Janecek plädiert dafür, Radfahrer an roten Ampeln weiterfahren zu lassen
  • In anderen Ländern funktioniert diese Regelung bereits
  • Verkehrsministerium und andere Parteien stellen sich jedoch dagegen

Ob Köln, Berlin oder München: Deutschlands Großstädte geben sich alle Mühe, Fahrradmetropolen zu werden. Abgase verpesten die Luft, Pendler wollen nicht im Stau stehen. Deswegen pumpen sie Millionen in neue Radwege und planen Innenstädte neu.

All diese Initiativen sind wichtig, keine Frage. Doch einen Vorschlag blockieren Deutschlands federführende Städteplaner und Politiker seit Jahrzehnten.

Er ist unkompliziert, kostet nichts - und würde Fahrradfahrern das Leben enorm erleichtern: Wenn es der Verkehr zulässt, sollte kein Radler mehr an roten Ampeln halten müssen. Denn wer in Deutschland eine rote Ampel überfährt, riskiert hohe Bußgelder. Auch dann, wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist.

"Dem Radverkehr gehört die Zukunft"

Es ist Zeit, diesen Unsinn abzuschaffen, findet Grünen-Politiker Dieter Janecek. “Dem Radverkehr gehört die Zukunft”, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag der Huffington Post. Deutschland erlebe einen rasanten Mentalitätswandel bei den Menschen, für die das Auto zunehmend unwichtiger wird.

“Wenn wir es jetzt mit einer vergleichsweise einfachen und noch dazu kostengünstigeren Maßnahme schaffen, den Radverkehr zu beschleunigen, dann sollten wir das tun”.

Die Idee ist übrigens weniger revolutionär als sie klingen mag. Im konservativen US-Bundesstaat Idaho sind Ampeln für Radler schon seit den 80er-Jahren nur so etwas wie Stoppschilder. Sie müssen kurz halten. Wenn dann aber frei ist, dürfen sie weiterfahren. Studien haben gezeigt, dass die Zahl der Unfälle seither nicht gestiegen, sondern sogar gesunken ist.

In mehreren Ländern ist die Radfahr-Regelung schon Realität

Fahrradfahrer gelten als vorsichtiger, weil sie schlechter geschützt sind als Autofahrer. In Paris haben Forscher Ähnliches beobachtet. Radler dürfen dort an den meisten Ampeln ohne Halt geradeaus fahren oder rechts abbiegen. Ein Schild oder eine Ampel zeigt ihnen, was sie dürfen.

In Norwegen und Schweden ist es ebenfalls de facto legal. Und in Basel dürfen Radfahrer bereits bei Rot rechts abbiegen.

In Deutschland hingegen sieht es etwas anders aus. "Leider hinken wir beim Thema Fahrradfreundlichkeit seit Jahren hinterher - auch wenn das Thema regional sehr unterschiedlich ist", sagt Janecek. So seien Städte am Niederrhein, an der Grenze zu den Niederlanden, weiter als Stuttgart, Ingolstadt und Wolfsburg.

Bis zu 180 Euro Strafe in Deutschland

Und in der gesamten Republik zahlen Radfahrer bis zu 180 Euro Strafe und kassieren einen Punkt in Flensburg. Polizisten verstecken sich hinter Brückenpfeilern, um Radfahrer wie Schwerkriminelle aus dem Straßenverkehr zu ziehen.

Politiker verteidigen die rote Ampel, als ginge es um die Staatssicherheit. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) nennt den Vorschlag, sie für Radler abzuschaffen, eine “Einladung zum lebensgefährlichen Rechtsbruch".

Das Bundesverkehrsministerium ließ kürzlich mitteilen: “Eine zusätzliche Regelung wird aus Gründen der Verkehrssicherheit für nicht erforderlich gehalten.”

Und aus der SPD heißt es: Autofahrende müssten sich darauf verlassen können, "dass der Fußgehende und der Radfahrende an der Ampel bei Rot stehen bleibt".

"Deutschland hängt hinterher"

Grünen-Politiker Janecek hält dagegen: “Deutschland hängt seit Jahren beim Thema Fahrradfreundlichkeit hinterher”. Die Bundesregierung setze unverdrossen auf das Auto.

Aber wo sollte eine neue Regelung zuerst umgesetzt werden? Auch dafür hat der Grünen-Politiker eine Antwort: München sei am besten für ein solches Experiment geeignet. Die Landeshauptstadt wachse extrem schnell, der Verkehr nehme unaufhaltsam zu. “Da würde ein Experiment gut tun”, sagt Janecek. "München muss als Reaktion auf sein Wachstum zu einer echten Fahrradstadt werden".

Und letztlich würden das viele Radfahrer unterstreichen: Ampeln sind dafür da, den Autoverkehr besser und flüssiger zu machen. Sie sehen es nicht ein, warum sich Radfahrer und Fußgänger dem unterordnen sollten.

Das sind Verkehrsregeln des vergangenen Jahrhunderts.

Auch auf HuffPost:

Video:Fahrrad putzen: Mit diesem Trick bekommen sie jeden Dreck von Ihrem Fahrrad ab