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EM in Frankreich war ein Reinfall: Die Euro 2016 beschrieben in einem Foto

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EURO2016
Ricardo Quaresma (l.) klemmt sich Laurent Koscielny unter den Arm – ein Sinnbild für diese EM 2016 | ARD
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  • Portugal ist neuer Fußball-Europameister
  • Ein Bild im Finale der Euro 2016 steht stellvertretend für das ganze Turnier
  • Bitteres Fazit: Diese EM war ein Reinfall

Dieses Bild ist eine Parabel für die gesamte Euro 2016 in Frankreich: Ricardo Quaresma nimmt Laurent Koscielny bei einem Laufduell in den Schwitzkasten. Im EM-Finale zwischen Portugal und Frankreich steht es 0:0. Eine Motte hat sich auf die Kameralinse im Stade de France gesetzt.

Es ist eine Fußball-Europameisterschaft zum Vergessen. Alles, was von der Euro 2016 bleibt, sind diese sechs Dinge:

1. Spielstand 0:0

Bei keiner anderen EM fielen weniger Tore als bei dieser in Frankreich. Im Schnitt etwa ein Tor pro Halbzeit. Defensive ist Trumpf – logisch, wenn Nordirland auf Deutschland oder Rumänien auf Frankreich treffen. Und weil Tore eben das Wichtigste im Fußball sind: gäääääähn.

2. Schwitzkasten

Schienbeinschoner helfen da auch nichts mehr. Mannschaften wie Wales, Italien oder auch Portugal setzten taktische Fouls perfekt ein, um gegnerische Angriffe im Keim zu ersticken – möglichst schon in der Hälfte der anderen Mannschaft, um Gelbe Karten zu vermeiden.

Das war schlau und wahnsinnig effektiv.

Heftige Fouls gab es hingegen kaum: Die einzige Rote Karte des gesamten Turniers sah der Ire Shane Duffy nach einer Notbremse. Fairplay ist lobenswert, aber über hitzige Partien oder Fehlentscheidungen lässt sich letztlich doch leidenschaftlicher diskutieren.

3. Portugal als Europameister

Im Nachgang der Niederlage gegen Frankreich musste Bundestrainer Joachim Löw bitter auflachen: Portugal im Finale, ein schlechter Witz. Zur Erinnerung, das war der Weg der Südeuropäer ins Endspiel: Island (1:1), Österreich (0:0), Ungarn (3:3), Kroatien (1:0 n.V.), Polen (5:3 i.E.), Wales (2:0).

Und dann eben 1:0 (n.V.) gegen Frankreich, das ausgerechnet im Finale in Paris sein schlechtestes Spiel des gesamten Turniers zeigt. Ach komm. Ach egal. Gratulation nach Portugal.

4. Motte

Fußball aus der Mottenkiste. Fast jedes Turnier hat bislang eine spielerische Innovation gebracht. Meistens durch den Sieger. Durch Portugal? Nee, echt nicht. Aber eben auch durch kein anderes Team.

Oder vielleicht wird jetzt nach Jahren des unterhaltsamen technischen Offensivfußballs – auch geprägt durch die deutsche Nationalmannschaft – wieder Rumpelfußball wie in den Neunzigern in?

Man würde sich jedenfalls wünschen, die Uefa würde den neuen EM-Modus mit 24 Mannschaften direkt wieder einmotten.

5. ARD bzw. Fernsehen

Die Übertragungen der Uefa waren solide, doch ungeliebte Motive wurden einfach ausgeblendet. Was zu Protesten von ARD und ZDF führte. Apropos Öffentlich-Rechtliche. Bis auf Mehmet Scholls Verbalattacken gegen das DFB-Trainerteam und manch unterhaltsamen Dialog zwischen Olli & Olli (Kahn und Welke im ZDF) waren die Sendungen eher Dienst nach Vorschrift.

Erfrischend: Claudia Neumann als erste Frau am Kommentatoren-Mikrofon.

6. Frankreich

Das Gastgeberland hat sich viel Mühe bei der Organisation gegeben: viele neue Stadien, ein gewaltiges Sicherheitskonzept – und Frankreich ging letztlich doch leer aus, nämlich ohne den ersehnten, erwarteten Titel. Im Finale in den Schwitzkasten genommen sozusagen.

Auch in Frankreich wird es nun heißen: Diese Euro 2016 war zum Vergessen.

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(lk)