Huffpost Germany

Gerald Asamoah: Das möchte ich den Deutschland-Fans nach der EM noch sagen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ASAMOAH
Gerald Asamoah: Das möchte ich den Deutschland-Fans nach der EM noch sagen | Facebook/Gerald Asamoah
Drucken

Die Europameisterschaft 2016 in Frankreich ist nun endgültig Geschichte. Glückwunsch an Portugal. Deutschland hat es ja leider nicht ins Endspiel geschafft, sondern musste im Halbfinale gegen den Gastgeber die Segel streichen.

Das ist natürlich sehr, sehr schade, denn auch ich hatte, wie wohl so viele andere auch, mitgefiebert mit der Nationalmannschaft und gehofft, dass wir den Titel holen werden. Aber so ist der Sport eben, das kann einfach passieren; und zu den besten Vieren in Europa zu gehören, ist sicherlich auch ein schöner Erfolg.

2016-06-13-1465811239-1994275-GeraldAsamoah.jpg

Die Begeisterung für unser Team und das Interesse rund um Jogis Jungs waren auch bei diesem Turnier wieder extrem groß. Wenn ich morgens den Fernseher oder das Radio eingeschaltet habe – die deutsche Mannschaft war ein Thema. Wenn man sich mit irgendjemandem unterhalten hat, ging es um die Nationalelf. Wenn ich abends Fernsehen geschaut habe, gab es zumindest gefühlt kaum eine Sendung, in der Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger, Benedikt Höwedes und Co. keine prominente Rolle gespielt hätten.

Lasst uns die Leidenschaft in unser Leben nach der EM mitnehmen

Alles wurde diskutiert: Aufstellung, Wechsel, Siege, Niederlagen, das Verhalten an der Seitenlinie. Und in den Städten sah man wieder an allen Ecken die Autofähnchen und Hawaii-Ketten in Schwarz-Rot-Gold leuchten. Deutschland während der Euro 2016 hat den Fußball wieder geatmet. Mich als Fußballverrückten freut das logischerweise sehr.

Was mich nun noch mehr freuen würde, wäre, wenn wir das Interesse und die Leidenschaft für die deutsche Nationalmannschaft auch in unser Leben nach der EM mitnehmen könnten.

Damit meine ich natürlich keinen stumpfen Nationalstolz. Im Gegenteil: Ich würde mir wünschen, dass wir uns vielleicht noch ein bisschen mehr dafür interessieren, was in unserer Gesellschaft, was in unserem Land gerade so geschieht. Und dass Dinge nicht einfach nur mit einem Achselzucken quittiert werden.

Zeigt euch! Verschafft euch Gehör!

Auch, damit wir weltoffen, bunt und tolerant bleiben. Das ganze Gerede in Deutschland vor und zu Beginn der Europameisterschaft um Nachnamen und Nachbarn hat gezeigt, dass sich manche Dinge schnell auch in eine unangenehme Richtung entwickeln können. Das darf und sollte uns nicht egal sein. Und ich weiß auch, dass es sehr vielen zum Glück schon jetzt nicht egal ist.

Also: Zeigt euch! Verschafft euch Gehör! Lasst uns genau hinschauen, was um uns herum geschieht! Lasst uns engagiert sein! Lasst uns interessiert bleiben! Interessiert bleiben in unserem alltäglichen Leben, so wie wir uns alle zwei Jahre wieder auch bei den großen Turnieren für die Mannschaft auf dem Platz interessieren.

Und ganz wichtig: Positiv, optimistisch und aktiv sein! Einfach immer nur rummeckern und sich über alles und jeden aufregen bringt das Gleiche wie beim Fußball: nichts.

2016-06-15-1466018533-2309891-HUFFPOST61.jpg

Gerald Asamoah ist Teil der HuffPost Voices. Einem Team, das während der EM regelmäßig aus unterschiedlichen Blickwinkeln Antworten auf die Frage gibt: Was passiert gerade in Deutschland?

Hier geht es zu den bisherigen Beiträgen von: