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Bettler erleidet einen Anfall - die Reaktion der Passanten sagt viel über unsere Gesellschaft

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Ein Bettler erleidet einen Krampfanfall - die Reaktion der Passanten sagt viel über unsere Gesellschaft | PETER PARKS via Getty Images
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Ein Mann liegt auf dem Boden. Mitten in der Osnabrücker Fußgängerzone. Er zuckt, krampft, er kann sich nicht mehr auf den Beinen halten. Und die Passanten – sie schauen zu und gehen weiter.

Über diesen Vorfall, der sich so am Samstagnachmittag ereignet haben soll, berichtet die "Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Bei dem Mann soll es sich um einen jungen Bettler handeln.

Passanten liefen direkt an dem Mann vorbei

Bis sich endlich jemand bereit erklärte, dem kranken Mann zu helfen, vergingen einige Minuten. Die Passanten liefen direkt an den Mann vorbei, schauten ihm aus nächster Nähe zu. Und taten nichts.

Schließlich rief eine junge Frau einen Krankenwagen, zwei weitere Personen stützten den Bettler. Kurze Zeit später war der Krampfanfall vorbei. Dennoch blieb Mann bis zur Ankunft des Krankenwagens die meiste Zeit bewusstlos.

Warum half niemand früher?

Auch wenn die Situation für den Bettler letztendlich ein gutes Ende nahm, bleibt die Frage: Warum schritt niemand früher ein, um ihm zu helfen?

Aus rechtlicher Sicht ist das sogar strafbar: Unterlassene Hilfeleistung kann mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.

Im Paragrafen 323c heißt es:

Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Zumindest sofern die Hilfe zumutbar ist. Und das war sie in diesem Fall. Sieht etwa jemand eine Person die zu ertrinken droht, kann aber selbst nicht schwimmen, gilt dies nicht als unterlassene Hilfeleistung. Wenn aber eine hilflose Person am Boden liegt, ist es allen Passanten zumutbar, dort einzuschreiten“, sagt Thomas Klein, Fachanwalt für Strafrecht, gegenüber der "NOZ".

Polizei kritisiert Passanten

Auch die Polizei Osnabrück bemängelt die fehlende Zivilcourage mancher Passanten in dem Fall. "Statt zu helfen, würden mehr Menschen gaffen und filmen“, sagt Pressesprecherin Mareike Kocar der Zeitung.

Wurde offensichtlich keine Hilfe geleistet und die Polizei registriert dies, werden die Personalien derjenigen Person aufgenommen und gegebenenfalls gegen sie ermittelt.

Bettler-Banden verstärken Skepsis

Dass dem Mann nicht schneller geholfen wurde, lag wohl daran, dass er ein Obdachloser ist. Viele Bürger empfinden das Betteln als bedrückend. Die organisierte Kriminalität ganzer Banden, die Leute anschwindeln und aufdringlich werden, verstärkt die Skepsis.

Durch solch kriminelle Gruppen werden Vorurteile und Klischees gegenüber Bettlern verstärkt. Die Leidtragenden dieser Banden sind letztendlich die Personen, die wirklich in Not sind und Hilfe brauchen – so wie der junge Mann in Osnabrück.

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(lp)