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Tansania und Gambia verbieten Kinderhochzeiten

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KINDERHOCHZEIT
Ein junges Mädchen im Tschad, wo die Rate an Kinderhochzeiten ebenfalls sehr hoch ist (Symbolbild) | Getty
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  • In Gambia und Tansania muss mindestens jedes dritte Mädchen heiraten
  • Das haben die Länder nun per Gesetz verboten
  • Der Gesetzesakt ist das Ergebnis von Protesten durch Aktivisten

Wie Armut und Korruption ist er einer der besten Messwerte für die Rückständigkeit eines Landes - und einer der traurigsten: Der Anteil an Kindern, die heiraten müssen. Was in Europa undenkbar ist, ist in Afrika noch beschämend üblich. 37 Prozent etwa beträgt die Rate in Tansania, 30 Prozent in Gambia, wie das Kinderhilfswerk Unicef ermittelt hat. Dabei handelt es sich um den Anteil der Frauen zwischen 20 und 24 Jahren, die in einem jüngeren Alter als 18 geheiratet haben.

Tansania und Gambia allerdings haben der Hochzeit von Minderjährigen nun einen gesetzlichen Riegel vorgeschoben: Die Eheschließung ist ab sofort nur noch ab 18 Jahren erlaubt, wie die britische Zeitung "Independent" und die Organisation Human Rights Watch berichten.

In weiten Teilen Afrikas sind Mädchen ungeschützt

Wenn von den Opfern von Kinderhochzeiten die Rede ist, sind damit in praktisch allen Fällen Mädchen gemeint, die an ältere Männer verheiratet werden. Für den Vorstoß gibt es gute Gründe: Verheiratete Mädchen gehen meist nicht mehr zur Schule, bei einer frühen Schwangerschaft geraten sie in Lebensgefahr. Auch kommen Gewalt und sexueller Missbrauch in diesen Ehen wesentlich häufiger vor.

Sofern Eltern und Bräutigame keine Möglichkeit finden, die Gesetze zu umgehen oder zu ignorieren, könnte sich das Leben für etliche Mädchen in den Ländern damit verbessern. Weite Teile Afrikas allerdings schützen die Kinder längst nicht ausreichend: So heiraten in Niger laut Unicef drei Viertel aller Mädchen, die höchste Rate weltweit - ein Gesetz, das sie davor schützen soll, ist in Arbeit, jedoch noch nicht in Kraft getreten.

Ein Gesetz allein reicht nicht

Die Erfahrung zeigt indes, dass Gesetze allein oft nicht wirken: In Bangladesh, mit 52 Prozent das Land mit den meisten Kinderheiraten außerhalb Afrikas, ist der Akt seit 1929 verboten - bewirkt hat das wenig. Zumal die Strafen lächerlich gering sind.

Menschenrechtsgruppen begrüßen den Schritt, zu dem es auf Betreiben von Aktivisten hin kam: Eine Organisation für Frauenrechte hatte in Tansania gegen den Staat geklagt, um ein Gesetz zu kippen, das die Heirat mit 15 Jahren erlaubt.

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