Huffpost Germany

Brexit-Votum: Jüngere Wähler waren stärker beteiligt als angenommen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BREXIT
Demonstranten in London werben für einen Verbleib in der Europäischen Union | Reuters
Drucken
  • Ein zweites Brexit-Votum wird es nicht geben
  • Bekannt wurde jetzt, dass jüngere Briten offenbar viel stärker an der Wahl beteiligt waren als bislang berichet
  • Demnach müssen sich auch von ihnen viele für den Brexit ausgesprochen haben

Die Regierung in London hat dem Wunsch vieler Briten nach einem zweiten Brexit-Referendum eine klare Absage erteilt. Sie wies die Forderung einer Online-Petition zurück, bei der über vier Millionen Menschen für eine erneute Abstimmung plädierten. Das Votum zum EU-Austritt vom 23. Juni muss nach Auffassung der Regierung respektiert und umgesetzt werden.

Das Referendum sei nach Prüfung beider Parlamentskammern beschlossen worden, teilte das Ministerium mit. Premierminister David Cameron habe klargestellt, dass es sich um eine einmalige Entscheidung einer ganzen Generation handele.

Auch die Jungen waren beteiligt

Geschlossen hat diese Generation aber keineswegs abgestimmt: Ältere Briten, die sich in großer Zahl am Referendum beteiligten, hätten für "Leave" votiert, die Jungen, von denen viele der Wahlurne fernblieben, hingegen mehrheitlich mit "Stay" - so hieß es bislang.

Neue Daten aber zeigen, dass die Wahlbeteiligung auch bei den Jüngeren ausgesprochen hoch war - und zwar nahezu genauso hoch wie bei den Mitbürgern bis zum Alter von 54. Erst darüber lag die Beteiligung noch weitaus höher:

Erhoben wurden die Daten von der London School of Economics, wie der "Guardian" berichtet. Demnach liegt die Beteiligung der Jungen doppelt so hoch wie zunächst eingeschätzt.

Das bedeutet: Auch die jüngere Generation ist im Abstimmungsergebnis deutlich repräsentiert - wenn auch nicht so stark wie die Gruppe der Senioren, bei denen die Neigung zum Brexit-Votum besonders stark war. Der Sieg für das Brexit-Lager ist demnach nur in geringem Maße auf eine niedrigere Wahlbeteiligung der Jungen zurückzuführen.

Tatsächlich stehen sich zwei Generationen mit sehr unterschiedlichen Meinungen gegenüber. Nach ersten Schätzungen waren 75 Prozent der jungen Wähler für einen Verbleib.

Politiker lehnen zweites Votum weithin ab

Auch andere führende Politiker Großbritanniens lehnen ein abermaliges Votum nach Abschluss der Brexit-Verhandlungen mit Brüssel ab. Laut einer Umfrage der Zeitung "The Independent" sind 40 Prozent der Briten für, 44 Prozent gegen ein zweites Referendum.

Die offiziellen Austrittsverhandlungen zwischen London und Brüssel dürften frühestens zum Jahresende beginnen und zwei Jahre dauern, dabei werden die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der Union festgelegt.

Derweil spitzt sich die Führungskrise bei der Labour-Partei dramatisch zu - Oppositionschef Jeremy Corbyn weigert sich kategorisch zurückzutreten. Eine Abgeordnete will ihn jetzt herausfordern - ein Showdown steht bevor.

Streit in der Labour-Partei

Bei Labour will die Abgeordnete Angela Eagle den Parteichef an diesem Montag offen herausfordern - dann stünde in Kürze wieder eine Urwahl der Parteibasis bevor. «Er ist kein schlechter Mann. Aber er ist kein politischer Führer», sagte sie über Corbyn, der als ausgesprochener Linker gilt.

Der 67-jährige Corbyn sagte, er sei enttäuscht über Eagle. Er werde aber zu einer Urwahl antreten. Erst kürzlich hatten die Labour-Abgeordneten ein Misstrauensvotum gegen ihren Chef mit breiter Mehrheit verabschiedet - dennoch weigert sich Corbyn zu gehen. Er verweist darauf, dass die Parteibasis ihn erst im September 2015 mit breiter Mehrheit an die Spitze gewählt habe.

Mit Material von dpa.

Auch auf HuffPost:

Nicola Sturgeon: ”Schottland sieht seine Zukunft als Teil der EU”