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Russischer Militärexperte kritisiert Nato-Aufrüstung: "Wir sind klüger und stärker"

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NATO TROOPS
U.S. Truppen bei einer Übung in Litauen. | Ints Kalnins / Reuters
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  • Die Nato-Staats- und Regierungschefs tagen derzeit in Warschau
  • Beobachter warnen vor einem neuen kalten Krieg zwischen Russland und dem Westen

Seit der russische Präsident Wladimir Putin die Krim nach Russland holte, herrscht zwischen dem Westen und Moskau Eiszeit. Kaum eine Woche vergeht ohne gegenseitige Vorwürfe und Drohungen.

Nun tagen in Warschau Nato-Staats- und Regierungschefs. Ihr Thema Nummer 1: Russland. Hier sind die 5 wichtigsten Dinge, die du über den Nato-Gipfel und die Reaktion aus Russland wissen musst:

1. Das haben die Nato-Länder beschlossen

Am ersten Gipfeltag hatte die Nato beschlossen, erstmals in großem Stil Truppen zur Abschreckung Russlands nach Osteuropa zu verlegen. Die Staats- und Regierungschefs der 28 Mitgliedsländer verständigten sich am Freitag auf die Stationierung von jeweils einem Bataillon mit etwa 1000 Soldaten in Polen, Lettland, Litauen und Estland.

Alle sind Nachbarländer Russlands, die sich bedroht fühlen. Heikel: Die Bundeswehr übernimmt eine Führungsrolle und soll mit etwa 500 Soldaten das Bataillon in Litauen anführen.

2. So reagiert Moskau auf den Beschluss

In Russland kommt die Nachricht an und sie ist eine reine Provokation. So warnt der Ehrenvorsitzende des einflussreichen Rates für Außen- und Verteidigungspolitik in Russland in einem aktuellen Interview mit dem "Spiegel" vor einer "Vorkriegssituation".

Sergej Alexandrowitsch sagte dem Magazin: "Wir hatten die Nato davor gewarnt, sich den Grenzen der Ukraine zu nähern, weil das eine für uns unannehmbare Situation schaffen würde." Russland würde die Stationierung der Nato-Truppen in Osteuropa als Provokation werten.

Putin hatte kürzlich die Pläne der Nato in einer Anspielung so kommentiert: "Der sowjetische Sieg im Zweiten Weltkrieg ist auch eine Warnung an alle, die unsere Standfestigkeit prüfen wollen."

Laut Sergej Alexandrowitsch muss sich der Westen künftig auf unerwartete Manöver Moskaus einstellen. Putin verfolge eine Strategie der "taktischen Überraschung". Der Westen solle wissen, dass Russland "klüger, stärker und entschlossener" sei.

3. Das sagt die Nato zu den Vorwürfen aus Russland

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg betonte, das westliche Militärbündnis wolle keine Konfrontation mit Russland. "Der Kalte Krieg ist Geschichte, und er sollte Geschichte bleiben", sagte er. "Alles, was wir tun, ist defensiv, angemessen und transparent."

Die Nato verfolgt derzeit eine Doppelstrategie gegenüber Russland. Auf der einen Seite will sie zur Abschreckung ihre militärische Stärke durch Truppenstationierungen und Manöver in den östlichen Bündnisstaaten zeigen.

Andererseits will sie den Gesprächsfaden mit Moskau nicht abreißen lassen. Deswegen sollen nächsten Mittwoch erstmals seit April auch wieder Beratungen im Nato-Russland-Rat auf Diplomatenebene stattfinden.

4. Stationierung der Nato-Truppen nahe der russischen Grenze hat nur Symbolwert

Experten ist klar, dass die Truppen nahe der russischen Grenze im Kriegsfall keinen Wert hätten. So geht ein Szenario des US-Think Tanks Rand Corporation davon aus, dass Russland in drei Tagen Osteuropa überrannt hätte.

Der Befehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa, General Ben Hodges, glaubt, dass das Militärbündnis nicht in der Lage wäre, die baltischen Staaten vor einem Angriff der russischen Streitkräfte zu schützen.

"Russland könnte die baltischen Staaten schneller erobern, als wir dort wären, um sie zu verteidigen“, sagte Hodges kürzlich in der Wochenzeitung "Die Zeit".

5. Osteuropäer fordern noch stärkere Präsenz

Das Wettrüsten an der Grenze zwischen Russland und den Nato-Staaten Osteuropas könnte in den kommenden Monaten weitergehen. Denn schon kurz nach dem Nato-Beschluss zur Stationierung von Truppen nahe der russischen Grenze sagte Litauens Außenminister Linas Linkevicius: "Tausend Soldaten sind natürlich nicht genug."

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