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Nach Pleite gegen Frankreich: Jogi Löw rechnet mit EM-Modus ab und stichelt gegen Portugal

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  • Jogi Löw ist niedergeschlagen nach dem Aus bei der Euro 2016
  • Löw rechnet mit der Uefa ab und lästert über Portugal
  • Im Video oben sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst

Der Frust saß tief. Ganz tief. Jogi Löw ballte seine Faust um das orangefarbene ZDF-Mikrofon und blickte abwechselnd traurig und sehr traurig drein.

Deutschlands 0:2-Pleite im EM-Halbfinale gegen Frankreich sei zustande gekommen, obwohl "wir besser waren als der Gegner", sagte Löw. "Wir waren klar feldüberlegen, wir haben ein klasse Spiel gemacht."

Löw spricht offen im ZDF-Interview

Lob? Nur für die eigene Mannschaft. "Die Franzosen waren sehr, sehr ängstlich", sagte Löw. "Wir haben das Spiel insgesamt klar dominiert. Wir haben kein Tor gemacht, das ist natürlich enttäuschend. Wir hatten heute nicht das Glück auf unserer Seite."

Bitte nicht falsch verstehen: Löw ist keinesfalls ein schlechter Verlierer, sondern gilt als fairer Sportsmann. Und doch sind diese TV-Interviews kurz nach Spielende oft gerade deshalb interessant, weil die Emotionen noch frisch sind und dann ehrlichere Worte fallen als in abgeklärten Presserunden mit den Uefa-Wänden im Hintergrund.

Löw spricht offen im ZDF-Interview

Überhaupt diese Uefa: Als Jogi Löw auf den EM-Modus angesprochen wurde, vergaß er völlig seine Zurückhaltung. Der Bundestrainer rechnete mit dem Fußballverband – und eigentlich mit dem gesamten Turnier – ab.

"24 Mannschaften sind zu viel, die WM wird auch aufgestockt auf 40 Mannschaften – es wird immer mehr und immer mehr. Am Ende hat es Portugal ins Finale geschafft mit, glaub' ich, fünf Unentschieden (fünf Remis nach 90 Minuten und 2:0 im Halbfinale gegen Wales, Anm. d. Red.). Und die stehen jetzt im Finale. Hm. Okay.

Auf Dauer ist es schon ein Problem, wenn es sich summiert über Jahre hinweg. Die Spieler sind viel unterwegs, viel auf Reisen, viel in Hotels oder im Trainingslager. Manchmal spürt man auch: Das ist für den Fußball nicht gut. Wenn das so weiter geht, leidet am Ende auch die Qualität."

Fußballerisch war die Euro 2016 enttäuschend

Worauf Löw anspielt: Tatsächlich konnte man die mitreißenden Partien bei dieser Euro 2016 an einer Hand abzählen. Im Allgemeinen dominierte aggressives Verteidigen.

Die Torquote in Frankreich ist dementsprechend schlecht: 107 Treffer in 50 Spielen, das sind gerade mal 2,14 Tore pro Partie. In der Bundesliga waren es zuletzt 2,83.

Und so wird die EM in Frankreich wohl als beispielhaftes Turnier in punkto Organisation eingehen. In Sachen Fußballfreude konnte die Euro 2016 aber nicht überzeugen. Das sieht wohl auch Jogi Löw so.

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(lk)