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Google Doodle: Wer ist Nettie Stevens?

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NETTIE STEVENS
Nettie Stevens erkannte, welche Chromsome für das Geschlecht verantwortlich sind | Google
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Google verhilft mit seinem Doodle oft unbekannten, aber bedeutenden Wissenschaftlern zu mehr Bekanntheit. Die US-amerikanische Molekularbiologin Nettie Stevens ist so ein Fall.

Sie ist jene Frau, der wir verdanken, dass Biologie-Schulbücher voll sind mit Texten und Bildern von Fruchtfliegen.

Noch viel wichtiger: Sie erkannte als Erste, was Männer zu Männern und Frauen zu Frauen macht. Dabei musste sie aber auch feststellen, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sich nicht auf die Biologie beschränken.

Stevens wurde am 7. Juli 1861 in Baltimore in eher ärmlichen Verhältnissen geboren. Ihr Vater war Zimmermann, zwei Geschwister starben früh.

Die Fruchtfliege verhalf zum wissenschaftlichen Durchbruch

Sie schaffte aber den Aufstieg zu einer bedeutenden Biologin, die ihre Forschungen in den USA und Deutschland betrieb. Ab 1900 erforschte sie Zellkerne am Bryn Mawr College in Pennsylvania. Hier erwarb sie 1903 den Titel des Ph.D.

Bei diesen Studien wurde sie stark durch den Leiter der biologischen Fakultät, Edmund Beecher Wilson und dessen Nachfolger, Thomas Hunt Morgan, inspiriert und gefördert.

In der Wissenschaft sorgen oft scheinbar nebensächlich Entscheidungen für die größten Durchbrüche. Stevens erkannte, dass sich die Zellkerne der Fruchtfliege besonders gut für Untersuchungen am Lichtmikroskop eignen. Wenn man sie einfärbte, konnte man während der Zellteilung die einzelnen Chromosomen erkennen - Pakete mit Erbinformationen. Heute wissen wir, dass sie DNS-Stränge enthalten.

Diese Entscheidung für die kleinen Fliegen sollte die Zellbiologie revolutionierten. Während die meisten Chromosomen bei männlichen und weiblichen Fruchtfliegen gleich waren, entdeckte sie um 1904 ein Chromosom, das sich zwischen den Geschlechtern unterschied.

Den Ruhm bekam einer mit einem Y-Chromosom

Männliche Fruchtfliegen hatten ein kleineres Chromosom, das Y-Chromosom, weibliche ein größeren, das X-Chromosom. Stevens erkannte, dass diese X- und Y-Chromosomen über das Geschlecht entscheiden. Diese Entdeckung ist um so bedeutender, da zum ersten Mal jemand die Vererbung einer Eigenschaft direkt einem Chromosom zuordnen konnte.

Den Ruhm dafür erntete ein anderer - einer mit einem Y-Chromosom. Der Fakultätsleiter Thomas Hunt Morgan wurde für seine Studien an der Fruchtfliege Drosophila melanogaster berühmt. 1933 wurde er dafür mit dem Nobelpreis geehrt.

Hunt Morgan dankte und lobte Stevens, stellte sich aber in einem Nachruf als reine Technikerin dar. Er schrieb über Stevens 1912: "Moderne zytologische Forschung bringt eine Komplexität des Details mit sich, die nur der Spezialist alleine wahrnehmen kann; aber Miss Stevens leistete einen bedeutenden Beitrag und ihre Arbeit wird deswegen niemals vergessen werden, da ihre minutiösen, detaillierten Forschungsergebnisse in das Gesamtbild des Forschungsobjektes eingefügt wurden."

Er stellt sie in dem Nachruf als eine fleißige Arbeiterin dar, die dem "Spezialisten" zuarbeitete, der schließlich das große Werk zusammensetzte. Noch heute schreiben die meisten biologischen Lehrbücher die erste Lokalisierung von Genen bei der Fruchtfliege Drosophila melanogaster Thomas Hunt Morgan zu.

Dabei wird oft übersehen, dass es Stevens war, die Morgan auf die Fruchtfliege gebracht hatte. Ohne sie wäre er wahrscheinlich nie zu seinen Ergebnissen gekommen. Heutige Forscher stufen den Beitrag von Stevens höher ein.

Sicherlich wäre ihr Beitrag zur Molekularbiologie heute auch weiter bekannt, wenn sie nicht so früh gestorben wäre. Nettie Stevens starb am 4. Mai 1912 im Alter von nur 50 Jahren in Baltimore an Brustkrebs.

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(ben)