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"Smaragdgrün" im Kino: Große Emotionen, edle Gesten und ein Kampfanzug

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Gwendolyn (Maria Ehrich) und Gideon (Jannis Niewöhner) in den goldenen Zwanzigern

Er schaut ihr tief in die Augen. Er macht ihr Komplimente und beteuert seine Zuneigung. Und dann schlägt er ihr vor, Freunde zu bleiben. Diese Szene der Fantasy-Verfilmung "Smaragdgrün" beschert dem Zuschauer ein unangenehmes Ziehen in der Magengegend und steht zugleich exemplarisch für die bisherige Beziehung der Protagonisten. Die Rede ist von Gideon de Villiers (Jannis Niewöhner) und Gwendolyn "Gwen" Shepherd (Maria Ehrich), die einfach nicht so richtig zueinander finden wollen.

Der krönende Abschluss

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Mit "Smaragdgrün" feiert die Verfilmung der beliebten Edelstein-Trilogie "Liebe geht durch alle Zeiten" von Kerstin Gier um die beiden zeitreisenden Jugendlichen ihren krönenden Abschluss. Dass das nicht ohne eine ordentliche Portion (Beziehungs-)Drama abläuft, ist selbstredend. Das Finale knüpft inhaltlich und emotional genau dort an, wo "Saphirblau" aufgehört hat: Nachdem Gwen erfahren hat, dass Gideon die Aufgabe hatte, ihr Herz zu gewinnen, steht sie vor einem Scherbenhaufen. War alles eine große Lüge?

Obwohl sie den Herzensbrecher lieber meiden würde, müssen sich die beiden zusammenraufen - ob als Freunde oder nicht. Schließlich steht der Graf von St. Germain (Peter Simonischek) kurz davor, seinen machtbesessenen Plan zu vollenden. Werden sie das verhindern können? Und bekommt ihre Liebe doch eine zweite Chance? Diese und alle weiteren Fragen werden im letzten Teil beantwortet.

Endzeitstimmung und Thriller-Elemente

Während "Rubinrot" eine nahezu märchenhafte Coming-of-Age-Geschichte erzählt und "Saphirblau" sich erfolgreich als Liebeskomödie versucht, wird es in Teil drei ziemlich düster: Es herrscht Endzeitstimmung. Inhaltlich setzt der Streifen dabei verstärkt auf Spannung und Dramatik. Mit Thriller-Elementen und einer sehr dynamischen Kameraführung hebt er sich deutlich von seinen Vorgängern ab.

Doch das ist nicht die einzige Neuerung. Auch die Charaktere erleben einen Aufschwung: Gwendolyn wird zur echten Kämpferin und lässt das Image des tollpatschigen Mädchens ein für alle Mal hinter sich - nicht nur dank eines engen Kampfanzuges à la Jennifer Lawrence (26, "Die Tribute von Panem - The Hunger Games"). Ein besonderes Augenmerk wird außerdem auf Charlotte (Laura Berlin) gelegt, deren Figur in diesem Teil mehr Tiefe bekommt. Gwens scheinbar perfekte und stets korrekte Cousine überrascht die Zuschauer dabei nicht nur mit einer rockigen Gesangseinlage.

Ein eingespieltes Team

Für eine weitere angenehme Überraschung sorgt Stand-up-Comedian Chris Tall, der in "Smaragdgrün" in eine kleine Nebenrolle schlüpft und in gewohnter Manier für Lacher sorgt. Positiv unverändert bleibt das hervorragende Zusammenspiel der Hauptdarsteller. Die Harmonie zwischen Jannis Niewöhner und Maria Ehrich ist auch im dritten Teil wieder unübersehbar. Auch das restliche Ensemble liefert wieder auf den Punkt genau ab, wie etwa Peter Simonischek als Graf oder Katharina Thalbach als Großtante Maddy.

Visuell fährt "Smaragdgrün" zudem Neues auf: Gedreht wurde dieses Mal auch in Schottland. Die herrlich erfrischenden und majestätischen Landschaftsaufnahmen bieten das perfekte - und farblich zum Filmtitel passende - grüne Pendant zum grauen London. Dadurch gewinnt der Film atmosphärisch an Fülle.

Fazit

Die Inszenierung von "Smaragdgrün" entspricht alles in allem dem, was man sich für das Finale eines romantischen Zeitreise-Abenteuers vorstellt: viel Herzschmerz, große Gesten und noch größere Emotionen. Dazu kommen gefühlvolle Dialoge, die das schmachtende Teenie-Herz höher schlagen und die Augen feucht werden lassen. Dabei vertrauen die Filmemacher Felix Fuchssteiner und Katharina Schöde völlig darauf, dass der Zuschauer die Handlung bereits kennt. Wieso sollte sich jemand nur den letzten Teil einer Trilogie ansehen? Faires Argument.

Mit "Smaragdgrün" werden die - zum Großteil weiblichen - Edelstein-Fans auf allen Kanälen bedient. Neben dem alles entscheidenden Showdown zwischen dem Grafen von St. Germain und Gwendolyn steht natürlich die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten im Vordergrund. Der Film ist, wie seine Vorgänger, absolut auf die Zielgruppe ausgerichtet. Die Gwen-und-Gideon-Anhänger werden mit Sicherheit 113 erfüllende Minuten erleben.