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Wohnungsnot bekämpfen: Zwei junge Berliner wollen Minihäuser auf den Dächern der Hauptstadt bauen

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  • Das Berliner Start-up Cabin Spacey möchte kleine Wohnmodule auf die Dächer von Häusern bauen
  • Dadurch wollen zwei junge Unternehmer die Wohnungsnot in der Hauptstadt verringern
  • Mehr zu dem Konzept der Kabine erfahrt ihr auch im Video oben

Die eigenen vier Wände über den Dächern der Stadt – davon träumen viele. Doch ein Penthouse ist teuer, richtig teuer. Vor allem in Metropolen wie Berlin.

In der Hauptstadt herrscht zudem akute Wohnungsnot. Nur 1,5 Prozent des Wohnraums stehen noch leer – und der kostet. Besonders junge Leute, bei denen das Geld knapp ist, haben es schwer, auf Anhieb eine Bleibe zu finden.

Das möchte ein Team von Berliner Designern nun ändern. Ihr Ziel: Häuser bauen. Wo: auf den Dächern von bestehenden Häusern. Mit ihrem vorgefertigten Wohnmodul Cabine Spacey soll das möglich sein.

Berlin hat noch Platz – auf den Dächern

“Wir dachten uns: Warum nicht aus der Not eine Tugend machen?”, sagt Andreas Rauch, Co-Gründer von Cabin Spacey der Huffington Post.

Denn Berlin hat noch Platz. Und zwar eben dort, wo es am schönsten ist: ganz oben. 50.000 ungenutzte Hausdächer gibt es in der Hauptstadt. Auf diesen könnten bald schon einige Wohnkabinen einen Platz finden.

Vorbild für die Idee ist die amerikanische Bewegung tiny house movement – kleine Häuser, in denen der Platz effizient genutzt ist. Anfang 2015 beschlossen Rauch und sein Mitgründer, Simon Becker, auf Grundlage dieser Idee ein Konzept für den Berliner Wohnraum zu entwickeln.

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Rauch (l.) und Becker (r.) kamen 2015 auf die Idee. Quelle: Cabin Spacey

Das Wohnkonzept richte sich vor allem an "digitale Nomaden", wie Architekt Rauch seine potenziellen Kunden nennt. Menschen, die viel unterwegs sind und ihren Wohnort halbjährlich oder jährlich wechseln, fänden so ein Zuhause auf Zeit. Die kleinen Häuschen seien aber auch dauerhaft bewohnbar.

Zwei Zimmer, Küche, Bad

Klein, minimalistisch und mobil soll die Kabine sein: 20 Quadratmeter, zwei Zimmer, Küche, Bad. Das Vermieten soll genauso unkompliziert sein – per App. “Wir möchten konventionelles Wohnen aufbrechen, in dem man Dienstleistungen auslagert. 'Digitale Nomaden' sind sowieso viel unterwegs, gegessen wird oft auswärts.”

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Dennoch soll die Kabine nicht nur funktional sein, sondern auch zum Verweilen einladen. Dafür ist der Standort über den Dächern ein attraktiver Faktor. Zudem ist das ganze Modul aus Holz gefertigt und soll so nicht nur in Sachen Wohnflexibilität, sondern auch bei der Umweltfreundlichkeit Maßstäbe setzen.

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Die Kabine ist nur mit dem Notwendigen ausgestattet. Quelle: Cabin Spacey

Auf dem Dach soll eine Photovoltaik-Anlage mit einem großen Akku verbaut werden. Für zusätzlichen Strom sorgt ein Sandwich-Boden, der Wärme speichert. So könnten auch die Nachbarn über die neuen Nomaden auf dem Dach freuen: Produziert das Modul in sonnigen Zeiten zu viel Strom, kann das Haus darunter mitversorgen.

Viele rechtliche Fragen sind zu klären

Sofern die Nachbarn das denn wollen. Denn die rechtlichen Angelegenheiten sind von Haus zu Haus verschieden. Möchte das Start-up eine Kabine auf einem Hausdach zur Vermietung anbieten, muss es zuerst die Einwilligung bekommen. “Die Eigentümerschaft des Hauses oder das Bauamt muss zustimmen. Ist nur ein Mieter dagegen, können wir nicht aufs Dach", sagt Rauch.

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Dazu kommen Brandschutzverordnungen, Fluchtwege oder der einzuhaltende Abstand zu Nachbarhäusern. Der junge Unternehmer konstatiert: “Die Spanne geht von sehr einfach bis unmöglich”."

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Platz für die Kabinen gäbe es in Berlin allemal. Quelle: Cabin Spacey

Der ersten Prototyp, Cabin Spacey Model Null, ist bereits in der Mache. Verträge haben die beiden Gründer aber noch nicht unterzeichnet. “Es gibt Interessenten, aber es herrscht noch Abstimmungsbedarf”, sagt Rauch.

Ein Inhaber eines Parkhauses in Kreuzberg habe Interesse, die ersten kleinen Häuser auf der obersten Parkfläche anzubieten. Mit einer großen Kaufhauskette sei man ebenfalls im Gespräch.

Crowdfunding-Ziel noch nicht erreicht

Zudem sammeln Becker und Rauch über eine Crowdfunding-Plattform Geld im Netz. Kurz vor Ende der Spendenkampagne fehlt allerdings noch über die Hälfte.

Rauch muss zugeben: “Crowdfunding ist in Deutschland noch nicht so angekommen. Unser Produkt ist für den Spendenaufruf nicht ideal, Crowdfunder investieren eher in kleinere Gadgets.”

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Die Kabine würde auch Rauch selbst jederzeit bewohnen. Quelle: Cabin Spacey

Eine bessere Finanzierungsform für die Cabin Spacey sei deshalb das Crowdinvesting, bei dem die Finanziers nicht nur für ein Projekt spenden, sondern auch daran beteiligt werden.

Macht das Projekt Rendite, profitiert auch der Investor. Zudem sollen die Wohnmodule nicht nur zur Vermietung angeboten werden, sondern auch zum Verkauf – nicht nur in Berlin, sondern weltweit.

Ob Architekt Rauch auch selbst in einer Kabine wohnen würde? “Absolut. In meiner Heimat Österreich möchte ich eine Kabine haben, in der ich wohne, wenn ich dort zu Besuch bin.” Ein dauerhaftes Wohnen in der Kabine müsse er aber erst mit seiner Freundin klären.

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(lk)