Huffpost Germany

BMW schließt eine Vielzahl von Filialen: Der lange Weg zum Autohaus (EXKLUSIV)

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BMW LOGO
BMW will Filialen schließen | Bloomberg via Getty Images
Drucken
  • BMW schließt mehrere Filialen: Betriebsräte fürchten, dies sei "nur der Anfang“
  • Bereits in den vergangenen Jahren hatte BMW mehr als ein Dutzend Standorte geschlossen
  • Für die Kunden könnte der Weg zum Autohaus so länger werden

BMW steuert auf einen massiven Konflikt mit seinem Betriebsrat zu: Grund sind geplante Schließungen von Filialen des Autobauers. Gerade erst verkündete der Konzern, dass er seine Standorte in Hamburg-Süd und München-Solln schließen werde.

Zuletzt war schon bekannt geworden, dass der Premiumhersteller sein Autohaus in Fürth dicht machen wolle.

Den Kunden drohen dort ebenso wie in zahlreichen anderen Städten, in denen in die vergangenen Jahren Filialen geschlossen wurden, mitunter längere Fahrzeiten zu ihrem Autohaus. Und Mitarbeiter bangen Betriebsräten zufolge um ihre Arbeitsplätze.

Betriebsrat: "Jetzt reicht es“

Führende Arbeitnehmervertreter fürchten nun, dass die jüngsten Schließungen „erst der Anfang“ seien. Mehrere Betriebsratsvorsitzende von größeren BMW-Niederlassungen sagen im Gespräch mit der Huffington Post, sie gingen davon aus, dass der Autobauer mittelfristig möglichst viele Filialen schließen wolle. "Da könnte ein richtiger Kahlschlag bevorstehen“, mutmaßt ein Betriebsratschef einer Niederlassung.

„Wir müssen uns wehren und wollen deshalb ein Zeichen setzen“, sagt der langjährige Betriebsratschef eines BMW-Standorts. Seit Jahren würde BMW immer wieder Filialen schließen, kritisieren Arbeitnehmervertreter. "Jetzt reicht es“, sagt ein Mitglied des Gesamtbetriebsrats des Premium-Produzenten.

Haustarif wird umgangen

Fakt ist: BMW hat in den vergangenen Jahren über ein Dutzend Filialen bundesweit geschlossen. In einer Aufstellung des Gesamtbetriebsrats (GBR) ist sogar von 15 Standorten die Rede. Mehrere Filialen mussten dem GBR zufolge beispielsweise in Hamburg, Bonn, Frankfurt und München schließen.

Damit das Filialnetz nicht weiter ausdünne, wolle der bayerische Hersteller beim Vertrieb seiner Luxus-Karossen künftig noch stärker mit externen Autohäusern zusammenarbeiten, sagen mehrere Arbeitnehmervertreter unisono der Huffington Post.

Der Vorteil dieses Outsourcings für den DAX-Konzern: Die Mitarbeiter der externen Autohäuser unterliegen nicht dem teuren BMW-Haustarifvertrag. Der sieht unter anderem viele Tausend Euro Gewinnbeteiligung, hohes Weihnachtsgeld und eine geringere Arbeitszeit vor. Für manche Betreiber von Autohäusern, die mit BMW zusammenarbeiten, gilt nicht einmal der Tarifvertrag der IG Metall.

Betriebsratschef: "Kollegen haben Angst"

In BMW-Autohäusern wie in München, Rüsselsheim oder Essen, in denen BMW-Autohäuser von fremden Unternehmen betrieben werden, gilt in der Regel nicht der BMW-Haustarifvertrag.

Die Maßnahmen seien „unsinnig“, da der weiß-blaue Autobauer ja in Deutschland wachse, schimpft ein Vorsitzender einer Mitarbeitervertretung. Der langjährige Betriebsratschef schimpft: „BMW kann perfekte Autos bauen, aber von Vertrieb haben sie keine Ahnung.“

Jetzt wolle man zeigen, wie der Autokonzern mit seinen Mitarbeitern umgehe, sagt er. „Kollegen haben Angst um ihre Jobs." Auch müsse man die BMW-Kunden aufklären, dass die Schließungen für sie längere Fahrzeiten zu ihren Autohäusern zur Folge hätten.

Streiks bislang nicht geplant

Der Gesamtbetriebsrat will jetzt gegen die Schließungen mobil machen. Streiks sind zwar bislang nicht geplant. Doch der Gesamtbetriebsrat, dessen Chef Mannfred Schoch eine Anfrage der Huffington Post unbeantwortet ließ, will nun alle Mitarbeiter über die aktuelle Situation informieren. Zudem plant das Gremium Mitgliedern zufolge, auch an die Öffentlichkeit gehen.

Klar ist: Am 27. Juli soll in allen Niederlassungen Mitarbeiterversammlungen abgehalten werden.

5000 bis 6000 Menschen sollen Arbeitnehmervertretern zufolge in den den deutschen BMW-Niederlassungen arbeiten. Die Zahl der Festangestellten in den Filialen soll in den vergangenen Jahren "deutlich gesunken" sein, so ein Betriebsrat.

Auch auf HuffPost:

Das ist Deutschlands neues Boomland – und es ist nicht Bayern

(lp)