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Abschiebung von drei Flüchtlingen kostet 125.000 Euro

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ABSCHIEBUNG
Archivbild: Abgelehnte Asylbewerber steigen am 09.12.2014 am Baden-Airport in Rheinmünster | dpa
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  • Die Länder geben teils abstruse Summen für Abschiebungen von Einzelpersonen aus
  • In einem aktuellen Fall soll Nordrhein-Westfalen 125.000 Euro für die Rückführung von drei Männern gezahlt haben

Abschiebungen können dem deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Ein aktueller Fall zeigt, wie Länder teilweise abstruse Summen aufbringen, um Flüchtlinge in ihr Herkunftsland zurückzuschicken.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, zahlte Nordrhein-Westfalen in einem aktuellen Fall rund 125.000 Euro – um drei männliche Flüchtlinge von Düsseldorf nach Guinea zu fliegen.

Anstatt Flüge in einem Linienflugzeug zu buchen, organisierte man demnach in diesem Fall ein Privatflugzeug.

14-köpfige Crew

Der Hintergrund: Bei den Männern handelte es sich wohl um zwei verurteilte Straftäter und einen gewaltbereiten dritten Mann.

In einem Linienflieger hätte man keine 14-köpfige Crew aus Bundespolizisten und einem Arzt transportieren können, erklärte das Innenministerium ihre Entscheidung gegenüber dem Blatt.

Der Fall ist scheinbar keine Ausnahme: Für die Abschiebung eines Mannes nach Bulgarien soll Nordrhein-Westfalen im Januar fast 20.000 Euro ausgegeben haben, die Abschiebung von zwei Türken Ende März kostete angeblich über 22.000 Euro, berichtet die "Welt".

1,5 Millionen sollen zudem für Sammeltransporte von über 31000 abgelehnten Asylbewerbern innerhalb von einem Jahr ausgegeben worden sein.

In Bayern kommt das Blatt auf ähnliche Zahlen: Für die Abschiebung von rund 4200 Personen soll das Land 2015 rund 2,85 Millionen Euro ausgegeben haben. Die hohen Kosten lassen sich demnach vor allem auf die Kosten durch Begleitpersonal - Polizei, Ärzte und Dolmetscher - zurückführen.

Länder unter Abschiebungsdruck

Abschiebungen sind Ländersache. Der Bund macht seit langem Druck auf die Länder, abgelehnte Asylbewerber und andere ausreisepflichtige Ausländer - zum Beispiel jene, die in Deutschland straffällig geworden sind - konsequenter in ihre Heimat zurückzuschicken.

Daneben gibt es Förderprogramme, mit denen die Heimreise abgelehnter Asylbewerber finanziell unterstützt wird. Die Zahl dieser geförderten freiwilligen Rückkehrer wird ebenfalls statistisch erfasst.

Angesichts des großen Andrangs von Asylbewerbern sind beide Zahlen zuletzt stark gestiegen. 2015 gab es laut Bundesinnenministerium rund 21.000 Abschiebungen - etwa doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

37.000 geförderte freiwillige Ausreisen

Allein in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres verließen bereits 8904 Menschen zwangsweise das Land. Daneben gab es im vergangenen Jahr rund 37.000 geförderte freiwillige Ausreisen, in den ersten vier Monaten 2016 waren es bereits 20.197.

Zum Stichtag 31. März waren rund 219.000 Menschen in Deutschland als "ausreisepflichtig" erfasst.


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Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

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(lp)