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Umstrittener Schritt: "Sächsische Zeitung" will künftig immer Nationalität von Straftätern nennen

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Die sächsische Zeitung möchte "Lügenpresse"-Vorwürfe durch Fakten entkräften. | Bernd Wüstneck/dpa
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  • Bisher sind Medien laut dem Pressekodex angehalten, die Herkunft von Straftätern nur in Ausnahmen zu nennen
  • Die sächsische Zeitung ändert das jetzt und will damit "Lügenpresse"-Vorwürfen entgegen treten

Es ist ein Novum in der deutschen Presselandschaft: Die "Sächsische Zeitung" aus Dresden nennt seit Samstag die Nationalität von Straftätern in ihren Artikeln, wenn diese den Behörden bekannt ist.

Damit geht die "Sächsische Zeitung" einen ganz eigenen Weg - und stellt sich gegen den Deutschen Pressekodex. Dieser empfiehlt unter dem Punkt “Diskriminierung”:

"In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte."

"Sächsische Zeitung" möchte Vertrauen der Leser stärken

Die "Sächsische Zeitung" möchte dieser Empfehlung nun nicht mehr folgen, um das Vertrauen der Leser in die Zeitung zu stärken. Ihre Entscheidung hatte sie im Voraus beim Presserat angekündigt.

Das "Thema Ausländerkriminalität" sei eine "besonders sensible Leser-Vertrauensfrage", schreibt Redakteur Oliver Reinhard in einer Begründung der Zeitung.

Er argumentiert: "Es ist ja kein Geheimnis, dass etliche Deutsche glauben, die Medien würden in ihrer Berichterstattung die Herkunft ausländischer Straftäter aus Rücksicht auf diese verschweigen."

Uneins über moralische und ethische Standards

Konkret geht es wohl um den Vorwurf der "Lügenpresse", den sich viele etablierte Medien gefallen lassen müssen. In Dresden ist dieses Lager durch die Pegida-Anhänger besonders stark.

Ob der Vorwurf der “Lügenpresse” für die Zeitung seltener wird, wenn die Zeitung systematisch gegen den Pressekodex verstößt, bleibt abzuwarten. Für die Presse im Allgemeinen kann es sich aber kaum positiv auswirken.

Denn wie soll sich die Presse nach außen hin legitimieren und Vertrauen bei einem Teil der Bevölkerung zurückgewinnen, wenn sie sich selbst uneins über die moralischen und ethischen Standards der Berichterstattung ist?

Zwar obliegt die publizistische Ausrichtung jedem Blatt selbst, für die Reputation und den Zusammenhalt einer Presselandschaft ist es aber absolut notwendig, sich auf gemeinsame Standards – auch wenn diese nicht verbindlich sind – zu einigen.

Journalistenverband: "Pressekodex ist keine Rosinenpickerei"

Sich von diesen zum Teil zu verabschieden, stößt auch beim Deutsche Journalistenverband (DJV) auf Kritik: "Die Anwendung des Pressekodex kann keine einseitige Rosinenpickerei sein. Wenn sich eine Mehrheit demokratisch auf Regeln einigt, muss man das akzeptieren”, sagte der DJV-Bundesvorsitzende, Frank Überall, dem “Tagesspiegel”.

Die Befürchtung der “Sächsischen Zeitung”, dass Leser bei der Nicht-Nennung der Nationalität automatisch davon ausgingen, dass es sich um einen Ausländer handelt, überwiegt gegenüber der Befolgung dieser Regeln.

Ein Grund dafür dürfte eine Leser-Umfrage sein, die die Zeitung zusammen mit der TU Dresden machte. Demnach glauben fast die Hälfte der Befragten das Verschweigen der Herkunft eines Täters sei “eine Anordnung von oben in der Flüchtlingskrise”.

Knickt die “Sächsische Zeitung” vor ihren Lesern ein?

Gegen diese Vermutung wehrt sich der Chefredakteur Uwe Vetterick im “Tagesspiegel”: “Wir helfen Flüchtlingen am Ende besser, wenn wir die Nationalität von Straftätern, soweit sie uns bekannt ist, nennen. Das ist kein Einknicken vor der Straße und auch kein Angriffe auf den Presserat."

Ob Flüchtlingen damit am Ende geholfen wird, ist mehr als strittig. Zumal die Kategorisierung in Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge hakt. Denn häufig lässt sich kurz nach einer Straftat gar nicht feststellen, ob es sich um einen Menschen mit Flüchtlingsstatus handelt.

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Kindern helfen

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