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Job-Boom für Flüchtlinge: Diese Region schafft, woran Großkonzerne scheitern

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FLCHTLINGE
Dax-Unternehmen stellen anders als Handwerksbetriebe fast keine Flüchtlinge an. | Getty
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  • Deutschlands DAX-Konzerne haben bisher fast keinen Flüchtling angestellt
  • Viele kleine Unternehmen gehen dagegen mit gutem Beispiel voran
  • Eine Region hat in Sachen Jobs für Flüchtlinge eine im Vergleich zu den Großkonzernen durchaus vorzeigbare Bilanz

Es ist ein Armutszeugnis für die Größen der deutschen Wirtschaft. Sie haben sich offenbar aus der Herausforderung, die wohl über eine Million nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge zu integrieren, komplett ausgeklinkt: Das zeigt eine Umfrage der „FAZ“ unter den 30 DAX-Konzernen.

Diese beschäftigen 3,5 Millionen Menschen. Doch eigenen Angaben zufolge haben die 30 Global Player zusammengenommen bis Anfang Juni gerade einmal 54 Flüchtlinge fest angestellt. Davon entfielen allein 50 auf die Deutsche Post, die noch immer in Teilen dem deutschen Staat gehört.

Andere Unternehmer geben sich weit mehr Mühe, die Zuwanderer zu integrieren, als die Manager der 30 größten Unternehmen. So etwa in Niederbayern und der Oberpfalz.

"Unkomplizierte" Lösungen

"Während die Politik vielerorts noch nach Rezepten für die Integration sucht, packen mittelständische Handwerksbetriebe in Ostbayern bereits an und zeigen, wie besonders junge Asylbewerber schnell und unkompliziert eine Perspektive auf dem heimischen Arbeitsmarkt finden“, schrieb jüngst der teils staatlich finanzierte Pressedienst "OBX“.

Doch auch jenseits schöner Pressemitteilungen kann sich die Bilanz der Wirtschaft dieser Region im Verhältnis zu den großen DAX-Konzernen durchaus sehen lassen: Mehr als 200 junge Flüchtlinge hatten laut der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz zuletzt eine Lehre angefangen.

Die Neuankömmlinge sollen später beispielsweise als ausgebildete Bäcker, Schreiner und Elektriker arbeiten. Die Bereitschaft, Flüchtlingen eine Chance zu geben, sei groß, sagt Ostbayerns Handwerkspräsident Georg Haber der Huffington Post.

"Vor Ort läuft es gut"

In einer Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen in den beiden Regierungsbezirken hatten der Handwerksammer zufolge 900 Unternehmen ihr Interesse bekundet, Asylbewerber bei sich einzustellen. "Vor Ort läuft es gut“, so Haber.

"OBX“ berichtete Ende Mai von einer Vielzahl von Erfolgsgeschichten. Da ist etwa der pakistanische Geselle, von dem die Chefin schwärmt: "Vom Praktischen her ist er bisher unser bester Lehrling, auch weil er sehr selbstständig ist.“

Natürlich stellen die Handwerksmeister nicht nur aufgrund ihres gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein junge Schutzsuchende an. Viele Chefs kleiner Firmen auf dem Land finden schlicht keinen Nachwuchs mehr.

Auch viele Mittelständler haben das - anders als Siemens, Daimler und Co. - längst erkannt. Über sieben Prozent der deutschen Unternehmen beschäftigten deshalb im März dieses Jahres nach eigenen Angaben Flüchtlinge oder hatten dies in den vergangenen fünf Jahren getan. Zu diesem Ergebnis war eine im März dieses Jahres veröffentlichte Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gekommen.

"Wir brauchen diese Leute"

Die großen DAX-Konzerne können in vielen Bereichen bei der Auswahl ihrer Auszubildenden dagegen noch immer aus dem vollen Schöpfen. Doch gut möglich, dass sich das angesichts der demografischen Entwicklung schon bald ändern könnte.

„Wir müssen uns einfach dessen bewusst werden, dass wir diese Leute brauchen“, sagte eine ostbayerische Familienunternehmerin jüngst gegenüber „OBX“. Gut möglich, dass es auch in Frankfurt und München schon bald ein böses Erwachen gibt.


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

(lp)