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Die Balkanroute ist dicht - trotzdem warnen Landräte jetzt vor dem nächsten Flüchtlingsstrom

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FLUECHTLINGE
Die Balkanroute ist dicht - trotzdem warnen Landräte jetzt vor dem nächsten Flüchtlingsströmen | dpa
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  • Die Balkan-Route ist geschlossen - trotzdem warnen bayerische Landräte jetzt vor dem nächsten Flüchtlingsstrom
  • Besonders merke man das an der Zahl der minderjährigen Flüchtlinge, die zuletzt vermehrt nach Deutschland gekommen sind, warnen sie
  • Auch in Sachsen und Brandenburg hatten Behörden zuletzt vermehrte Schleuser-Aktivitäten festgestellt

Es ist eine Entwicklung, die deutsche Behörden in Alarmstimmung versetzt: Die Schlepper-Kriminalität an Bayerns Grenzen nimmt seit einigen Monaten wieder massiv zu - trotz Schließung der Balkan-Route.

Hatte sich die Lage an der Grenze zu Österreich zu Jahresbeginn entspannt, warnen vor allem Landräte aus Bayern inzwischen vor dem nächsten großen Flüchtlingsstrom.

"Die Balkanroute funktioniert wieder"

"Derzeit ist es wieder wie zu den Hochzeiten im vergangenen Herbst", zitiert die "Welt" den Passauer Landrat Franz Meyer. "Wir sprechen lediglich von einer Verschnaufpause, weil die weltpolitische Lage nicht so ist, dass man mit Sicherheit sagen kann, was die kommenden Wochen geschieht."

Mayer hatte im vergangenen Jahr bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er einen Brandbrief an Kanzlerin Angela Merkel geschrieben hatte. Seine Botschaft an Berlin: "Wir können für Leib und Leben nicht mehr garantieren."

Heute warnt Mayer wieder: Die Balkanroute funktioniere wieder – zumindest auf kriminellem Wege. "Wir merken das vor allem an der Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge", zitiert die "Welt" den Landrat weiter.

"Das größte Fass ist zu klein, wenn das Tropfen nicht aufhört"

Noch vor wenigen Wochen sei die Zahl der neu ankommenden, die Behörden extrem fordernden Kinder und Jugendlichen auf null gesunken. Jetzt habe man "in den letzten zehn Tagen 60 Jugendliche neu hinzubekommen, um die sich nun das Jugendamt sorgen muss". Und das sei nur die Zahl in seinem Landkreis. "Das größte Fass ist zu klein, wenn das Tropfen nicht aufhört."

Fakt ist: Die Zahl der Schleusungen an der bayerisch-österreichischen Grenze haben zuletzt tatsächlich zugenommen. Im April wurden etwa 850 nachweislich geschleuste Flüchtlinge aufgegriffen, im Januar waren es lediglich 90 geschleuste Migranten gewesen. Das teilte die Bundespolizeidirektion München schon vor einigen Wochen mit.

Zudem wurden in den vergangenen Monaten vermehrt Schleuser erwischt. Wurden in den Monaten Januar bis März jeweils etwa 50 Schleuser festgenommen, waren es im April rund 80.

Zunehmende Zahl von Tschetschenen, die nach Deutschland kommen

Insgesamt waren laut Bundespolizeidirektion in den ersten vier Monaten dieses Jahres 53.300 unerlaubte Einreisen in Bayern festgestellt worden, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 12.500. "Die Lage hat sich keineswegs beruhigt", betonte Behördensprecher Thomas Borowik Ende Mai.

Ende vergangenen Monats hatten die Sicherheitsbehörden in Brandenburg und Sachsen zudem eine zunehmende Zahl von Tschetschenen verzeichnet, die über die polnische Grenze nach Deutschland kommen. In Brandenburg seien mit 734 Tschetschenen in den ersten vier Monaten des Jahres mehr als drei Mal so viele angekommen wie im Vorjahreszeitraum, teilte das Innenministerium in Potsdam auf Anfrage der AfD mit.

"Die kriminellen Schlepper machen sich erneut auf den Weg"

Auch in Sachsen habe die Bundespolizei wieder mehr Schleusungen russischer Staatsangehöriger mit tschetschenischer Volkszugehörigkeit festgestellt, sagte der Sprecher der Direktion Pirna, Christian Meinhold.

Trotzdem dürfte der Fokus in den kommenden Monaten wieder auf die bayerischen Grenzgebiete gerichtet sein. Auch der Landshuter Landrat Peter Dreier, der im vergangenen Jahr 31 Flüchtlinge in einem Bus vor das Kanzleramt in Berlin geschickt hatte, warnt vor einem Anstieg der Flüchtlingszahlen.

"Die kriminellen Schlepper machen sich erneut auf den Weg", zitiert das Blatt Dreier. Und niemand wisse, was passiert, "wenn die Nordafrikaner wieder nach Europa drängen. Oder was geschieht, wenn die Türkei etwa die Kurden vertreibt."

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

(bp)