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Sexuelle Übergriffe: Polizei schreibt in interner E-Mail von "enormem Anstieg"

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SCHWIMMBAD
Die Polizei berichtet von einer Zunahme sexueller Übergriffe in Schwimmbädern | DPA
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  • Die Düsseldorfer Polizei warnt in einer internen E-Mail vor einem massiven Anstieg von sexuellen Übergriffen, auch Übergriffe in Bäder sind Thema
  • Die Taten würden meist von Männergruppen ausgeführt
  • Allerdings müssen die Zahlen differenziert betrachtet werden

Die "Bild"-Zeitung zitiert aus einer internen E-Mail der Düsseldorfer Polizei, genauer des für Sexualdelikte zuständigen Kriminalkommissariats 12.

Darin heiße es: "Das KK 12 stellte dar, dass die Sexualstraftaten einen enormen Anstieg verzeichnen. Insbesondere die Tatbestände Vergewaltigung und sexueller Missbrauch von Kindern in den Badeanstalten schlagen hier ins Gewicht.“

Zahl der Übergriffe in Bädern nicht alarmierend gestiegen

Diese Meldung ist offenbar irreführend. Denn in dem Papier werden keine Zahlen genannt. Die "Rheinische Post" hat deswegen recherchiert:

Laut Polizei habe es in Düsseldorfer Bädern im Jahr 2014 sieben Verdachtsfälle gegeben, im Jahr 2015 genau 17 und in diesem Jahr bislang acht. Für das gesamte Bundesland NRW habe das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) seit Jahresanfang 103 Strafanzeigen wegen Sexualdelikten in Schwimmbädern aufgenommen. In 44 Fällen davon seien Zuwanderer beschuldigt worden - ein laut LZPD "überproportionaler" Anteil.

Im Gespräch mit dem MDR kann die Polizei angesichts dessen keinen "enormen Anstieg" feststellen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Badewesen nicht.

Außerdem muss man wissen: Es handelt sich hier um Verdachtsfälle, nicht um Verurteilungen. Außerdem kann die Bandbreite der Fälle von als anzüglich empfundenen Blicken bis hin zu tätlichen Übergriffen reichen. Die Polizei sagte dem MDR außerdem, sie könne nicht sagen, ob es heute mehr Sexualstraftaten gebe - oder ob nur mehr angezeigt würden.

Vorfälle in Kölner Silvesternacht sollen Statistik verändert haben

Woher also der "enorme Anstieg" von Sexualdelikten, von dem im Papier die Rede ist? Düsseldorfs Polizeisprecher Niesczery sagte dazu dem WDR: "Die Übergriffe in der Silvesternacht haben die Statistik nach oben getrieben, denn das Papier bezog sich auf die Gesamtzahl von Sexualdelikten."

Polizisten sollen Bilder der Verdächtigen anfertigen

Die Aufklärung der Taten, so zitierte die "Bild" aus der E-Mail, sei schwierig, da sie meistens von Gruppen aus mehreren Männern begangen würden.

Die Rundmail sei nach einer Besprechung am 15. Juni verschickt worden. In dem Schreiben seien Beamten sechs Empfehlungen für den Umgang im Zusammenhang mit Sexualdelikten gegeben worden.

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So werde den Beamten unter anderem nahegelegt, Bilder anzufertigen, die Sprache der Verdächtigen festzuhalten und nach dem Wohnort zu fragen, an dem sie tatsächlich auffindbar sind, anstatt der Anschrift in Dokumenten zu vertrauen.

Sexuelle Übergriffe werden auch im Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags Thema sein. An diesem Montag wird die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker zu den Exzessen in der Silvesternacht in Köln aussagen.

Sie war in die Kritik geraten. Am 5. Januar hatte sie in einer Pressekonferenz zusammen mit dem damaligen Polizeipräsidenten Wolfgang Albers über die Vorfälle berichtet.

Mit Material der dpa

Update 19. Juli 2016: In einer ersten Version des Artikels wurde nicht klar, dass sich die Angaben in der E-Mail nicht nur auf Übergriffe in Bädern bezogen. Der Text wurde um Zahlen und weitere Informationen ergänzt.

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(jkl)