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TV-Experte Mehmet Scholl hat aus seinem schlimmsten Fehler nichts gelernt

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TV-Experte Mehmet Scholl hat aus seinem schlimmsten Fehler nichts gelernt | Getty
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Mehmet Scholl ist ein gestandener TV-Experte. Er besticht durch eine klare Meinung, eine gute Analyse, oft sieht er Dinge, die anderen verborgen bleiben. Doch Mehmet Scholl hat als TV-Experte auch ein Problem: Er hat offensichtlich aus seinem größten Fehler nicht gelernt.

Es geschah bei der EM 2012, nach dem deutschen Gruppenspiel gegen Portugal. Da zersägte Scholl den deutschen Stürmer Mario Gomez, dem er mangelndes Engagement vorwarf. Scholl sagte: „Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wundgelegen hat, dass man ihn wenden muss.“ Rumms! Das saß.

Scholl entschuldigte sich bei Gomez

Gomez erklärte später, dass er auf diese Aussage von vielen Menschen angesprochen worden sei. Das habe ihn „viel Kraft gekostet“. Scholls Aussage bestimmte zudem lange den öffentlichen Eindruck des Fußballers Mario Gomez.

Drei Jahre danach entschuldige sich Scholl bei Gomez. Er habe dem Spieler damit „richtig geschadet“. Das tue ihm leid.

Scholl hatte wohl nicht geahnt, was seine Aussage auslösen würde. Er war vorher stets dafür gelobt worden, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Diesmal war das zum Bumerang geworden.

Man könnte sagen: Draus lernen, weitermachen.

Scholl hat nichts daraus gelernt

Die jüngsten Aussagen des TV-Fachmanns lassen aber Zweifel daran aufkommen, dass Scholl wirklich draus gelernt hat. Nach dem Viertelfinal-Spiel zwischen Deutschland und Italien machte Scholl lautstark seinem Unmut darüber Luft, dass Bundestrainer Löw seine Taktik dem Gegner angepasst hatte, anstatt ans eigene System zu glauben.

Dabei teilte Scholl nicht nur gegen Löw aus, sondern griff auch dessen Beraterstab an. Dem Chefscout Urs Siegenthaler riet Scholl, er möge „bitte seinen Job machen, morgens liegenbleiben, die anderen zum Training gehen lassen und nicht mit irgendwelchen Ideen kommen“. Das wirkt nicht mehr wie sachliche Kritik, sondern wie eine persönliche Abrechnung.

Es ist egal, ob Scholl hier recht hat

An dieser Stelle ist es irrelevant, ob Scholl mit seiner Taktik-Analyse recht hat oder nicht. Relevant ist: Er ist wieder persönlich geworden. Siegenthaler schickte bereits eine Spitze zurück, suggerierte eine gewisse fußballerische Zurückgebliebenheit Scholls: „Vor 1000 Jahren haben die Menschen die Erde auch nicht als Kugel gesehen.“

Damit konzentriert sich die Debatte nun auf die Person Scholl und die Person Siegenthaler. Und nicht auf die Taktikdebatte, die Scholl offenbar eigentlich entfachen wollte. Schade.

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(sk)