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Blutiger Ramadan: Wie der IS den Fastenmonat für seinen Terror missbraucht

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MEDINA
Eine Rauchwolke steht über dem Ort des Selbstmordattentats in Medina | AP
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  • Der IS hat seinen weltweiten Terror in den vergangenen Wochen verstärkt
  • Der bisherige Höhepunkt war ein Anschlag im Irak mit mehr als 200 Toten
  • Schon vor Wochen warnten US-Experten vor einer weltweiten Anschlagsserie

Ein Selbstmordanschlag unmittelbar neben einer der heiligsten Stätten des Islam erschüttert Saudi-Arabien. Vor der Moschee mit dem Grab des Propheten Mohammed in Medina riss ein Attentäter am Abend vier Sicherheitskräfte mit in den Tod.

Ähnliche Attacken gab es zuvor vor einer schiitischen Moschee in Katif im Osten und nahe des US-Konsulats in Dschidda im Westen des Landes. Dabei starben nur die Attentäter.

Viel spricht dafür, dass der Anschlag in Medina der blutige Abschluss des Fastenmonats Ramadan der Terrormiliz Islamischer Staat ist, der um den 7. Juli endet. Im vergangenen Monat hat die Gruppe Anschläge mit Hunderten Toten auf der ganzen Welt ausgeführt - eine derartige Terrorserie des IS hatte es bisher noch nicht gegeben.

Eine nie dagewesene Terrorserie während des Fastenmonats

In den westlichen Medien finden in der Regel nur Attacken Beachtung, bei denen Amerikaner und Europäer zu Schaden kommen. Das verschleiert die Tatsache, dass der Großteil der Angriffe in muslimischen Ländern stattfindet und die Opfer fast ausschließlich islamischen Glaubens sind.

Im Juni fanden IS-Angriffe in Bangladesch, dem Libanon, dem Irak, Jordanien und dem Jemen statt. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist auch der Anschlag auf den Flughafen in Istanbul dem IS zuzuschreiben.

Die Opfer sind hauptsächlich Muslime

Der blutigste Angriff dieser Serie war eine Attacke auf ein Einkaufsviertel in Bagdad am Sonntag. Ein Attentäter steuerte einen mit Sprengstoff beladenen Laster in einen Markt, auf dem viele Menschen gerade Lebensmittel für das Fastenbrechen einkauften. Noch sind nicht alle Leichen geborgen, aber es steht jetzt schon fest, dass es dabei zu mehr als 200 Toten kam.

Auch die Attacken in Saudi-Arabien tragen die Handschrift des IS. Doch die Terrormiliz hat sich zu den Anschlägen nicht bekannt - und wird es wahrscheinlich auch nie tun. Während die Terrorgruppe Anschläge in westlichen Ländern mit aufwändigen Propagandavideos feiert, bekennt sie sich zu Attentaten, bei denen Muslime ums Leben kommen, in der Regel nicht.

In jüngerer Vergangenheit kam es in Saudi-Arabien zu Anschlägen mit Dutzenden Toten, die der Terrormiliz Islamischer Staat zugeschrieben wurden. Die Extremistengruppe sieht das saudi-arabische Königreich und die Regierung als Abtrünnige an. Riad ist Teil der US-geführten Militärkoalition, die im Irak und in Syrien gegen den IS kämpft.

Zahl der Attacken und der Todesopfer steigt dramatisch an

Der IS hat seine Terroraktivitäten in diesem Jahr ausgeweitet - auf der ganzen Welt, doch vor allem im Irak und in Syrien. Je mehr Gebiete die Miliz verliert, desto mehr Anschläge verübt sie. Das ergab eine Untersuchung des IHS Jane's Terrorism and Insurgency Centre.

In den ersten drei Monaten des Jahres stellten die Terrorexperten 891 Attacken mit 2150 nicht-militärischen Opfern in Syrien und dem Irak fest. Die Zahl der Attacken stieg damit um 16,7 Prozent gegenüber den letzten drei Monaten des Jahres 2015, die Zahl der Opfer sogar um 43,9 Prozent. Zahlen für die letzten drei Monate liegen noch nicht vor.

"Nach den Gebietsverlusten sehen wir einen stetigen Aufwärtstrend bei der Geschwindigkeit von IS-Operationen weltweit, aber besonders in Syrien und dem Irak", erklärt der Vorsitzende des IHS Jane's Terrorism and Insurgency Centre, Matthew Henman. "Die Gruppe greift auf mehr Gewalt mit Massen von Opfern zurück, seit sie aus verschiedenen Richtungen unter Druck gerät."

"Monat der Eroberung und des Dschihad"

Ein wichtiger Grund für den Anstieg der Zahl der Attacken ist auch der Fastenmonat Ramadan. Schon zu Beginn des Ramadan im Juni warnte das US State Department vor einem Anstieg.

"Nach islamischem Brauch werden Opfer während des Ramadan als wertvoller angesehen als jene, die zu anderen Zeitpunkten gebracht werden. Ein Aufruf zum Märtyrertum während dieses Monats könnte daher auf einige besonders anziehend wirken", hieß es in dem Statement.

Dieser Aufruf kam prompt am 22. Mai. IS-Sprecher Abu Mohammad al-Adnani rief zu Attacken während des Fastenmonats auf. "

"Ramadan, der Monat der Eroberung und des Jihad", sagte er in einer über soziale Medien verbreiteten Nachricht. Er forderte IS-Anhänger dazu auf, "vorbereitet zu sein, ihn zu einem Monat des Unheils überall für Ungläubige zu machen."

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(ben)