Huffpost Germany

Ökonom Sinn warnt vor einer Brexit-Folge, die wir bisher ignoriert haben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • Ökonom Sinn warnt, dass die südeuropäischen Staaten nach einem Brexit in der EU zu viel Macht bekommen könnten
  • Italien, Frankreich und Spanien könnten nach einem Austritt Großbritanniens die Vergemeinschaftung von Schulden vorantreiben
  • Daher müssten de EU-Verträge dringend überarbeitet werden
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Der frühere Chef des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, warnt davor, dass nach einem Brexit die südeuropäischen Länder in der EU zu viel Macht bekämen.

Mit einem Austritt Großbritanniens sei die bislang geltende Sperrminorität der freihandelsorientierten Länder dahin. "Das ist nicht mehr das Europa, mit dem Deutschland groß geworden ist, das können wir nicht akzeptieren", warnt Sinn.

Die südeuropäischen Länder, die Interesse an einer Vergemeinschaftung von Schulden haben, seien dann in der Mehrheit. Doch gerade die französischen Wünsche nach Einlagensicherung seien unerfüllbar.

Deutschland könnte "Anhängsel des mediterranen Raums" werden

"Wenn wir auf diese Wünsche eingehen, wenn Deutschland ein Anhängsel des mediterranen Raums mit all seinen Problemen wird, dann sind wir verloren", mahnte der Wirtschaftswissenschaftler.

Dazu passend: Finanzexperten warnen: "Schottland könnte zum nächsten Griechenland werden, nur ohne Sonne"

Daher müsse der Maastrichter Vertrag verändert werden, weil ansonsten die mediterranen Länder Frankreich, Italien und Spanien zu viel Macht erhielten.

"Wir müssen den Maastrichter Vertrag im Sinne einer Veränderung kündigen, damit die Entscheidungskriterien angepasst werden", erklärte der Star-Ökonom in der Sendung "Unter den Linden" im Fernsehsender Phoenix.

Und nicht nur Sinn fürchtet nach dem Brexit ein Ungleichgewicht in Europa. Wie die "Zeit" berichtet, warnt das Bundesfinanzministerium in einem internen Papier, dass die Franzosen und Italiener das Ausscheiden der Briten für eine "weitere Vergemeinschaftung" nutzen könnten. Deutschland müsse diese Bestrebungen aufhalten.

"Das geht in die Hose"

Für Sinn geht es aber um mehr. In vielen Bereichen müssten die Konstruktionsprinzipien der EU überprüft und nachjustiert werden, sagt er. Fakt sei, dass es eine Armutszuwanderung in Europa in die Staaten mit den ausgeprägtesten Sozialsystemen gebe.

Dazu passend: Warum der Brexit 9000 deutsche Firmen unbemerkt in große Schwierigkeiten bringt

"Man kann aber nicht die Freizügigkeit der Menschen haben und gleichzeitig die Inklusion in die Sozialstaaten, sodass die Menschen ihr Geld von dem Land erhalten, in das sie einwandern, statt dass das Heimatland weiter zuständig ist. Das geht in die Hose."

Angesichts aller negativen Folgen bei einem Austritt Großbritanniens sei es kontraproduktiv, die Briten jetzt zur Eile zu bewegen. "Es liegt in deutschem Interesse, das Ganze auf die lange Bank zu schieben", meinte Sinn.

Mit Material von ots

Auch auf HuffPost:

Nicola Sturgeon: ”Schottland sieht seine Zukunft als Teil der EU”


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.


(ben)