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Perfide Pläne Londons: So will Großbritannien Europas Wirtschaft angreifen

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Die Briten wollen zur Lohndumping-Hochburg werden. | dpa
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  • Großbritannien will seine Unternehmenssteuern nach dem Brexit massiv absenken
  • Es ein massiver Konflikt mit Brüssel
  • Wirtschafts-Professor Hickel spricht gegenüber der HuffPost von einer "dummen Verzweiflungstat"

Eigentlich wollten viele Briten, die für den Brexit stimmten, ihr Land sozialer für die eigene Bevölkerung machen. Die auf der Insel geborenen Menschen sollten künftig weniger lang auf einen Arzttermin warten und besser von den Sozialleistungen profitieren. Mit diesem Versprechen machten viele Brexit-Befürworter im Wahlkampf Stimmung gegen die EU.

Doch genau das Gegenteil könnte der Fall sein. Die britische Wirtschaft wird vielen Ökonomen zufolge unter dem EU-Austritt massiv leiden. Eine Vielzahl von Konzernen droht ihren Europa-Sitz aus London in eine Metropole auf den Kontinent zu verlagern. Hunderttausende Jobs sind in Gefahr - und damit auch der Sozialstaat.

Dazu passt: Warum der Brexit 9000 deutsche Firmen unbemerkt in große Schwierigkeiten bringt

Diesem Negativ-Trend will die britische Regierung nun entgegenwirken, indem die Insel zum Steuerparadies werden soll. Finanzminister George Osborne will die Steuern für Unternehmen deutlich senken, um Firmen nach dem Brexit-Votum in Großbritannien zu halten. Die Körperschaftssteuer solle von derzeit 20 Prozent auf unter 15 Prozent gesenkt werden, so Osborne gegenüber der "Financial Times".

Deutschland verlangt 30 Prozent Unternehmenssteuer

In Staaten wie Italien, Frankreich, Kanada, Holland, Frankreich oder Spanien bewegt sich der Satz, den Firmen, inklusive lokaler Steuern, zahlen müssen, laut OECD in der Regel zwischen 25 und 35 Prozent. In Deutschland sind es 30 und in den USA sogar 40 Prozent. In Großbritannien gibt es anders als hierzulande keine Gewerbesteuer und mit 20 Prozent ist die Körperschaftssteuer schon heute verlockend niedrig.

In der EU verlangen nur Irland und Zypern mit 12,5 Prozent weniger als 15 Prozent. Die großen EU-Staaten wie Frankreich oder Deutschland drängen diese Staaten jedoch schon lange, ihre Sätze anzuheben. Großbritannien war einer der wenigen Fürsprecher der Iren und Zyprioten, weshalb bald eng werden könnte für die beiden Länder.

Droht ein Wirtschaftskrieg mit der EU?

Nun also will London selbst zum Steuerparadies werden. Mit diesem Schritt könnte das einstige Empire jedoch nicht nur die bereits ansässigen Konzernzentralen im Land halten, sondern sogar Unternehmen vom Kontinent auf die Insel locken. Eine Folge könnte eine Spirale bei der Unternehmenssteuer nach unten sein.

Zahlreiche Länder würden dann Milliarden an Euro weniger einnehmen, Unternehmen dagegen viel sparen. Der kleine Mann müsste wohl die Zeche in Form höherer Einkommenssteuern zahlen.

Auch ein Wirtschaftskrieg wäre möglich. Schließlich würden Deutschland und Frankreich derlei direkte Attacken auf ihre Volkswirtschaften vermutlich nicht hinnehmen.

Gut möglich, dass es aber auch gar nicht so weit kommt. Denn bei den anstehenden Brexit-Verhandlungen dürften Merkel, Hollande, Juncker die britische Regierung sicher bedrängen, von diesen Plänen Abstand zu nehmen.

Ein möglicher Kompromiss: Europa gewährt den freien Binnenmarkt-Zugang. Im Gegenzug verzichten die Briten auf ein Steuer-Dumping.

"Am wichtigsten ist für die Firmen die Integration in der Europäischen Union"

Doch selbst wenn die Briten stur bleiben, muss das noch nicht heißen, dass BMW, Linde, Philipps und Co. die Koffer packen und auf die Insel ziehen.

Denn für eine Standort-Entscheidung sind viele andere Dinge wie gutes Personal oder eine verlässliche Regierungspolitik mindestens genauso wichtig wie niedrige Steuern. Und vor allem an der Planbarkeit von Londoner Entscheidungen wird so mancher Manager bei der britischen Regierung derzeit erheblich zweifeln.

"Am wichtigsten ist für die Firmen die Integration in der Europäischen Union", sagt der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel im Gespräch mit der Huffington Post. Firmen wie Easyjet, die überlegten, Großbritannien wegen der Brexit-Entscheidung zu verlassen, würden wegen der geringeren Steuern nicht im Land bleiben. Der Markzugang sei für die Firmen das Wichtigste.

"Das Ganze wird Großbritannien nicht mehr Geld bringen. Fast kein Unternehmen wird deshalb kommen", sagt der Top-Ökonom. Er spricht von einer "dummen Verzweiflungstat".

Und zudem gilt: Wollen Konzerne Gewinne in Steuerparadiese verschieben, können sie das schon heute - Irland sei Dank. 


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

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(cho)