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"Woche der langen Messer": Der Kampf um Camerons Nachfolge wird schmutzig werden

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MICHAEL GOVE
Britain's Justice Minister Michael Gove arrives to address a press conference in central London on July 1, 2016.A bespectacled intellectual with a low-key public image, Michael Gove emerged as an unlikely force behind the Brexit campaign and a wily political player after rebelling against his former friend and ally, Prime Minister David Cameron. / AFP / NIKLAS HALLE'N (Photo credit should read NIKLAS HALLE'N/AFP/Getty Images) | NIKLAS HALLE'N via Getty Images
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  • Diese Woche beginnt bei den Tories der Kampf um die Nachfolge des Premiers David Cameron
  • Bereits jetzt tobt innerhalb der Partei ein erbitterter und schmutziger Kampf

Diese Woche beginnt der Kampf um die Nachfolge David Camerons. Die Abgeordneten der Tories beginnen am Dienstag mit dem Auswahlverfahren für einen Kandidaten für den Parteivorsitz, der auch Premierminister werden soll. Wenn zwei Kandidaten gefunden sind, können die Parteimitglieder abstimmen - bis Anfang September soll das Personalproblem dann gelöst sein.

Eines scheint sich jetzt schon abzuzeichnen - es wird sehr, sehr schmutzig.

Die "Times" spricht bereits von einer "Woche der lange Messer". Bisher gilt Innenministerin Theresa May als Favoritin für die Nachfolge von Cameron, der in den nächsten Monaten zurücktreten will. Hinter ihr stünden mit Abstand die meisten Abgeordneten, berichten Medien.

Gove zweifelt an Mays "moralischer Autorität"

Einer will das nicht hinnehmen. Der Justizminister Michael Gove wirft ihr ein "Fehlen an moralischer Autorität" vor. Der Grund: Während des Brexit-Referendums hatte sich May für einen Verbleib in der EU eingesetzt.

Dabei ist Gove selbst nicht wirklich ein Vorbild an moralischem Verhalten. Er hatte bis vor kurzem die Kampagne des Wortführers des "Leave"-Lagers, Ex-Bürgermeister von London Boris Johnson, unterstützt. Doch er fiel überraschend Johnson in den Rücken, entzog ihm seine Unterstützung und meldete an, dass er selbst für das Amt des Parteivorsitzenden kandidieren würde. Ein Zug, der in den britischen Medien mit dem Verrat Brutus' an Julius Cäsar verglichen wurde.

Boris Johnson zog seine Kandidatur zurück. Später gab er in den Medien an, dass er eine Schmierenkampagne von Gove in den Medien fürchtete.

"Selbstmordattentäter von Westminster"

Goves überraschender Zug stellte sich aber als Fehler heraus. Seine Popularität bei den Tories brach ein. Johnsons' Schwester nannte den Justizminister in Kolumne in der britischen "Mail on Sunday "gar einen "politischen Psychopathen" und "Selbstmordattentäter von Westminster".

Gove hat seinen Fehler erkannt und soll nach Angaben der "Sun" versucht haben, sich mit Johnson zu versöhnen, wurde aber mit grimmigem Schweigen abgewiesen.

Da Gove selbst nun politisch verbrannt zu sein scheint, bleibt nur noch die EU-Befürworterin May als einzige ernstzunehmende Kandidatin für das Amt der Parteivorsitzenden und Premierministerin.

Nach Umfragen unter konservativen Abgeordneten sollen ihr bereits 100 von 300 Parlamentariern ihre Stimme zugesichert haben. Die anderen drei Kandidaten - die EU-Gegner Michael Gove und Andrea Leadsom sowie der EU-Befürworter Stephen Crabb - haben bisher jeder etwa 20 Sitze gesichert. Insgesamt stehen fünf Kandidaten zur Wahl.

Doch das Brexit-Lager der Tories will einen Parteivorsitz von May verhindern.

Wird die "Daily Mail" zum Königsmacher?

Sie unterstützen die Kandidatin Andrea Leadsom. Nach Angaben des "Telegraph" ist diese dabei "rasch die Unterstützung konservativer Abgeordneter zu gewinnen". In einem Interview kündigte sie an, als mögliche Premierministerin der Regierungsstil von Margret Thatcher übernehmen zu wollen, die sowohl "höflich" als auch "stählern" gewesen sei.

Gegen sie geht allerdings der Medienunternehmer Paul Dacre vor. Der Chefredakteur der "Daily Mail" hatte sich bisher für Johnson eingesetzt und in zahlreichen knalligen Überschriften für das Brexit-Lager gefeuert. Nach dem Referendum soll er aber eine entscheidende Rolle bei Goves Putsch gegen Johnson gespielt haben.

Johnson soll seine Kandidatur zurückgezogen haben, nachdem er erfahren hatte, dass er nicht mehr die Unterstützung der "Daily Mail" habe.

Plötzlich wechselte Dacre wieder die Lager - jetzt setzt sich die "Daily Mail" für die Brexit-Gegnerin May ein. In einer Kolumne wurde ihre Konkurrentin Leadsom als "scheinheilig" bezeichnet. Die Mail grub ein drei Jahre altes Zitat aus, in dem Leadsom einen Brexit als "Desaster für die Wirtschaft bezeichnete".

Angesichts der Zerstrittenheit der Tories hat May die besten Chancen. Die als resolut und durchsetzungsfähig geltende Politikerin präsentiert sich als Versöhnerin der zerstrittenen Parteiflügel.

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