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Finanzexperten warnen: "Schottland könnte zum nächsten Griechenland werden, nur ohne Sonne"

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STURGEON JUNCKER
Supporters wave British and Scottish flags at a pro-union rally, at Trafalgar square in central London, Monday, Sept. 15, 2014. Hundreds of people, supporters of the 'Lets Stay Together' campaign, gathered ahead of a referendum on whether Scotland should be an independent country that will take place in Scotland on Thursday, Sept. 18, 2014. (AP Photo/Lefteris Pitarakis) | Eric Vidal / Reuters
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  • Nach dem Brexit-Votum denken die Schotten über eine eigene EU-Mitgliedschaft nach
  • Doch die finanzielle Lage des Landes ist katastrophal
  • Experten warnen, die EU könnte sich damit ein zweites Griechenland einhandeln

62 Prozent der Schotten haben sich für den Verbleib Großbritanniens in der EU ausgesprochen. Ihre Stimmen wurden jedoch von den Brexit-Befürwortern im weitaus dichter besiedelten England übertönt.

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon brachte deshalb unmittelbar nach dem Referendum eine Trennung Schottlands von Großbritannien erneut ins Gespräch. Doch wäre eine Mitgliedschaft Schottlands in der EU für den Staatenverbund überhaupt ein Vorteil?

Schottlands Wirtschaft liegt am Boden

Eher nicht, wie eine Analyse des in London ansässigen Centre for Policy Studies (CPS) jetzt warnt. "Schottland würde zu einer Art Griechenland, nur ohne die Sonne", schreiben die Experten laut dem Internetportal "Politico". Denn Schottlands Finanzen und die Wirtschaft liegen am Boden.

Die Analysten von CPS schreiben: "Es gibt ein Vorbild für ein kleines, romantisches Land, das von hunderten Inseln umgeben ist und am Rande Europas liegt und irgendwann einmal in die EU wollte: Es ist Griechenland."

Spanien ist gegen eine EU-Mitgliedschaft Schottlands

Zwar sei Schottland in seiner aktuellen Situation nicht direkt mit Griechenland vergleichbar. Dennoch könne das südeuropäische Land als warnendes Beispiel dienen, was mit Ländern in einer "herausfordernden wirtschaftlichen Lage" innerhalb der EU passieren könne. CPS ist als konservativer Think-Tank bekannt.

Doch Schottlands finanzielle Situation ist tatsächlich alles andere als rosig. Schottland schreibt pro Jahr 15 Milliarden Pfund Miese, zwei Drittel des Handels des Landes laufen mit den anderen Ländern Großbritanniens. Nur 15 Prozent des Handels machen Geschäfte mit den EU-Ländern aus.

Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte das Haushaltsdefizit auf mehr als sechs Prozent angewachsen sein - die EU erlaubt aber nicht mehr als drei Prozent.

Außerdem würden die finanziellen Hilfen für Schottland, die aktuell aus London kommen, wohl gestrichen. Die Unterstützung würde dann wohl Brüssel übernehmen müssen.

Vielleicht wissen das auch die Staatschefs im Rest Europas.

Referendum in Schottland hätte Aussichten auf Erfolg

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte zwar kürzlich, Schottland habe sich das Recht erworben, in Brüssel gehört zu werden, er dämpfte aber Sturgeons Hoffnungen - eine Einmischung in interne britische Angelegenheiten werde es nicht geben. Noch deutlichere Worte fand Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy: "Wenn das Vereinigte Königreich geht, geht Schottland", betonte er.

Die Schotten lassen sich davon aber nicht beirren. Wie der Politikwissenschaftler Alistair Clark von der Universität Newcastle sagt, wäre "ein Referendum über Schottlands Unabhängigkeit derzeit wahrscheinlich erfolgreich". Dann könnte das Land eine Mitgliedschaft in der EU anstreben.

Seitens der regierenden schottischen Nationalpartei SNP sei dies aber derzeit nicht gewünscht, sagte er. Zu groß seien die Unsicherheiten, vor allem was die Wirtschaft angehe.

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(jkl)