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Ein Jahr nach Lucke: So wanderte die AfD nach rechts

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AFD PETRY LUCKE
Wolfgang Rattay / Reuters
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  • Vor einem Jahr wurde AfD-Parteigründer Lucke abgewählt
  • Heute steht die AfD weiter rechts und hat Erfolg
  • Für Luckes neue Partei Alfa interessiert sich bisher kaum jemand

Durchgeschwitzte Oberhemden, Buh-Rufe für Parteigründer Bernd Lucke und eine Frauke Petry, die als strahlende Siegerin Glückwünsche entgegennimmt. Der Essener AfD-Spaltungsparteitag vor einem Jahr ist allen, die den Showdown zwischen Petry und Lucke miterlebt haben, ins Gedächtnis gebrannt.

"Eine so angespannte Atmosphäre habe ich vorher noch nie erlebt - die Luft hat förmlich geknistert", erinnert sich Jörg Meuthen. Der baden-württembergische AfD-Fraktionschef wurde damals zum Co-Parteichef gekürt. Mit ausdrücklicher Billigung von Petry, auf die Meuthen heute nicht mehr so gut zu sprechen ist.

Nach Lucke-Exit begannen AfD-Querelen erneut

Die Wochen nach dem Parteitag waren für die AfD eine Achterbahnfahrt. Die Partei verlor mehr als 2000 Mitglieder. In den Wählerumfragen sackte sie auf zwei Prozent ab.

Trotzdem erscheint diese erste Phase nach der Abspaltung des Lucke-Flügels so manchem AfDler im Rückblick als goldene Zeit. "Damals herrschte Harmonie im Bundesvorstand", seufzt einer von ihnen. Dieser Zustand hielt nur etwa drei Wochen an. Dann begannen die internen Querelen erneut.

Es kamen die Rechtsnationalen

Über mangelnden Erfolg kann sich die AfD heute - ein Jahr nach dem Austritt des Lucke-Flügels - nicht beklagen. Sie ist seither in drei weitere Landesparlamente eingezogen.

In Umfragen erzielt sie bundesweit seit Monaten zuverlässig zweistellige Ergebnisse. Der Rückgang bei den Mitgliederzahlen wurde mehr als ausgeglichen. Es gingen vor allem die Bürgerlich-Konservativen. Es kamen vor allem Rechtsnationale.

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Die Atmosphäre im Bundesvorstand der Partei ist heute wieder genauso von Misstrauen geprägt wie in den letzten Wochen vor dem Essener Parteitag.

Petry ist weitgehend isoliert

Parteichefin Frauke Petry, die damals mit großem Geschick agiert hat, ist im Bundesvorstand inzwischen weitgehend isoliert. Man wirft ihr vor, sie sei "inhaltsleer" und "intrigant". Die einzige Eigenschaft, die ihren Vorstandskollegen bis heute Bewunderung abnötigt, ist ihre "unerschöpfliche Energie".

Zum Thema: Frauke allein zu Haus: AfD-Chefin Petry ist zunehmend isoliert in ihrer Partei

Ulrike Trebesius sagte damals, als Petry auf dem Podium strahlte: "Die werden sie auch noch auffressen." Mit "Die" meinte Trebesius, die jetzt die von der Lucke-Fraktion gegründete Partei Alfa leitet, die Anhänger des rechtsnationalen Flügels um den Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke.

Diese waren in Essen zahlreich erschienen und hatten für Petry gestimmt. Heute zählen Höcke und Bundesvize Alexander Gauland zu Petrys schärfsten Kritikern.

Lucke: "AfD heute eine Anti-Islam-und-Anti-Asyl-Partei"

Auch Bernd Lucke ist der Tag seiner Niederlage in Essen noch sehr präsent. Doch darüber, wie er damals ausgepfiffen und abgewählt wurde, möchte er nicht sprechen. Trotz der unsicheren Zukunftsaussichten für seine kaum bekannte Partei Alfa schaut er lieber nach vorne.

"Als wir damals die AfD gegründet haben, war die Kritik an der Eurorettungspolitik unsere Grundidee", sagt Lucke. Er habe dann schnell lernen müssen, dass man mit einem Thema als Partei auf Dauer nicht bestehen kann.

Bei Alfa wollen sie sich deshalb jetzt auch um Integration, Altersarmut und Freihandel kümmern. "Die AfD hat anderes in den Vordergrund gerückt, sie ist heute eine Anti-Islam-und-Anti-Asyl-Partei", sagt Lucke.

Petry leugnet den "Rechtsruck" bis heute. Sie sagt, die AfD habe sich von ihren 2014 formulierten Leitlinien bis heute nicht entfernt. Es sei höchstens einiges "genauer ausformuliert worden".

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