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Zwei Spanier machen 15 Jahre unbemerkt blau

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SIESTA SPAIN
In Spanien gibt es eine ausgedehnte Mittagspause: die Siesta (Symbolfoto) | Susana Vera / Reuters
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Die Siesta gehört zu Spanien wie Paella und das El Clásico. Zwei Spanier, beide Behördenangestellte, haben ihre Siesta allerdings ordentlich überzogen: Seit 15 Jahren schon machten die Angestellten der Stadt Jerez blau.

Nun ermitteln die Behörden gegen die beiden Männer. Sie waren eigentlich als Gärtner und Chauffeur angestellt und bezogen während der 15 Jahre ein volles Gehalt, wie der britische “Telegraph” am Donnerstag berichtete.

Gewerkschaft gibt sich empört - über die Stadtverwaltung

Das jahrelange Fehlen fiel nicht auf, da beide Angestellte offizielle Gewerkschaftsvertreter sind, und das Recht zugesprochen bekamen, sich ihre Zeit zwischen Arbeit und Gewerkschaftstätigkeiten aufzuteilen. Wobei jeder nur höchstens 40 Stunden pro Monat für die Gewerkschaft arbeiten durfte.

Die beiden Männer gaben an, das Ganze in einem “stillschweigenden Deal” zwischen der Gewerkschaft und der Stadtverwaltung ausgehandelt zu haben: Angeblich sei es ihnen erlaubt gewesen, die ungenutzten Stunden anderer Gewerkschafter einfach zu den eigenen zu addieren.

Tatsächlich bekamen die Angestellten dafür auch noch Rückendeckung von der Gewerkschaft. Es sei völlig legal, die Gewerkschaftsstunden zwischen Vertretern hin und her zu transferieren, zitierte der “Telegraph” den Gewerkschaftsführer Juan González. Obendrein verurteilte González die Betriebsprüfung der Stadtverwaltung, bei der die Fehlzeiten der beiden Männer auffiel, als frontalen Angriff auf gewerkschaftliche Freiheit.

Nicht der erste Fall von jahrelangem Blaumachen in Spanien

Die Stadtverwaltung führt die Untersuchung trotz des Protests der Gewerkschaft fort, und überprüft auch drei andere Angestellte, die angeblich nicht zu rechtfertigende Fehlzeiten aufgrund von Gewerkschaftsarbeit angesammelt haben.

Die beiden Schlitzohren sind übrigens nicht die ersten Beamten und Stadtangestellten, die sich jahrelang haben entlohnen lassen, ohne dafür einen Finger zu rühren. Im nahen Cadiz gab es einen ähnlichen Fall. Jerez jedenfalls dürfte dieses Verhalten kaum noch weiter tolerieren - mit Bankschulden von einer halben Milliarde Euro ist Jerez so verschuldet wie kaum eine andere Stadt in Spanien, und braucht daher jeden Cent.

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