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Fremdenhass nach Brexit-Votum: Deutsche fleht in britischer Radiosendung um Hilfe

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DEUTSCHE RADIO
Fremdenhass nach Brexit-Votum: Deutsche fleht in britischer Radiosendung um Hilfe | LBC
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  • Eine deutsche Einwanderin berichtet im britischen Radio von Anfeindungen nach dem Brexit-Votum
  • "Ich habe solche Angst", sagt die Frau unter Tränen
  • Der Fall zeigt, wie sich die politische Stimmung auf der Insel nach dem Brexit-Votum gewandelt hat

Nach dem Brexit-Votum hat sich Großbritannien gewandelt: Der Patriotismus, auf den das Leave-Lager gesetzt hatte, gerät außer Kontrolle - und schlägt vielerorts in Rassismus und Hass gegen Touristen und Einwanderer um.

Im Netz sorgt jetzt der Hilferuf einer älteren deutschen Einwanderin für heftige Diskussionen. Die Frau, die sich mit dem Namen Karen vorstellt, hatte vor einigen Tagen beim Radiosender Leading Britain's Conversation (LBC) angerufen und mit zitternder Stimme von Drohungen gegen sie berichtet.

Seit dem Brexit-Votum werde sie bedroht, erzählt die Anruferin

"Ich wohne seit 43 Jahren hier, und ich habe jetzt solche Angst", berichtet die Frau am Telefon unter Tränen. Seit drei Tagen traue sie sich nicht mehr aus dem Haus.

Sie werden seit dem Brexit-Votum bedroht, erzählt sie dem LBC-Moderator James O'Brien. In der Sendung ging es um die Zunahme rassistischer Vorfälle und Diskriminierungen gegen Minderheiten in England.

Die gebürtige Deutsche berichtet, dass sie 1973 nach Großbritannien gekommen und mit einem britischen Arzt verheiratet gewesen sei. Seit er tot ist, lebe sie alleine in dem Haus und müssen nun auch mit dem Fremdenhass alleine klarkommen.

Moderator O'Brien versucht die deutsche Einwanderin zu beruhigen

Die Sorgen der Anruferin scheinen in ihrer Gemeinde auf wenig Verständnis zu stoßen. Ihre Freunde wollen nichts mehr mit ihr zu tun haben, berichtet sie, Nachbarn würden sie beschimpfen und ihr sagen, sie sollen zurück nach Hause gehen.

"Das Bürgerbüro sagte mir, ich müsse verstehen, dass die Menschen frustriert sind." Moderator O'Brien versucht die Anruferin zu beruhigen: Nur ein kleiner Teil der Briten sei fremdenfeindlich, erklärt er. Gerade mal zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung würde so denken wie die Menschen, die die deutsche Einwanderin jetzt anfeinden.

Der Radiosender hat den Mitschnitt des Anrufs inzwischen bei Twitter und Facebook veröffentlicht, auch bei Youtube sind Videomitschnitte des rund vierminütigen Hilferufs der Deutschen zu finden:

"Die große Mehrheit der Menschen in diesem Land sind auf Ihrer Seite, egal, wie sie am Donnerstag abgestimmt haben", sagt Woolley. Dies seien ihre "wahren Nachbarn". Ob die gut gemeinten Worte des Moderators der Frau helfen, ist fraglich.

"Sie braucht Hilfe von ganz oben, man muss ihr das Gefühl geben, dass sie sicher ist und sich in ihrem Land sicher fühlen kann. Sie und alle anderen, die hier arbeiten und unser Land lieben, verdienen eine bessere Behandlung", sagt Studiogast Simon Woolley von der Organisation "Operation Black Vote", die sich für die Interessen ethnischer Minderheiten in Großbritannien einsetzt.

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

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Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

(bp)