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Ehemalige Förderschülerin macht bestes Abitur ihres Jahrgangs

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MIRIAM WAGNITZ
Miriam Wagnitz hat als ehemalige Sonderschülerin das beste Abitur ihrer Schule gemacht. | Miriam Wagnitz
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Es ist eine wundervolle, Mut machende Erfolgsgeschichte: Miriam Wagnitz schaffte die konstante Steigerung von einer Sonderschule für Lernbehinderte über den Quereinstieg auf die Gesamtschule bis zum Abitur.

Die Probleme hatten bei Miriam schon in der Grundschule angefangen. Sie sei im Unterricht kaum mitgekommen, sagte sie im Gespräch mit "RP Online". Heute werde vermutet, dass bei ihr wohl eine vorübergehende entwicklungsbedingte Verzögerung der Lernfähigkeit übersehen wurde.

Trotz Bedenken von Miriams Mutter drängten die Lehrer zum Wechsel nach der 4. Klasse in eine Sonderschule. “Man traute mir nicht einmal einen Hauptschulabschluss zu“, sagte Miriam der Zeitung.

Kampf gegen Vorurteile wird belohnt

Dort aber waren Miriam die Lerninhalte zu niedrig angesetzt. In dieser Zeit habe sich die heute Zwanzigjährige sehr oft missverstanden gefühlt, sagte sie gegenüber der Huffington Post.

Das wollte sie nicht akzeptieren. Gemeinsam mit ihrer Mutter setzte sie sich für einen Quereinstieg auf die achte Klasse der Städtischen Gesamtschule im nordrhein-westfälischen Nettetal ein.

Weil sie keinerlei Englischkenntnisse besaß, wurde sie kurzerhand ausschließlich für das Fach Englisch in die sechste Klasse gesetzt – eine tolle Lösung, sich über das starre Schulkonstrukt hinweg zu setzen.

Pädagogik und Philosophie wurden zu Miriams besten Fächern

“Das war schon eine große Herausforderung für Schule, Neuschülerin und Mitschüler“, bewertet Miriams Klassenlehrerin Julia Scheydr die damalige Situation. Mit der Zeit aber hätten sich alle Seiten daran gewöhnt und davon profitiert – allen voran Miriam.

Die Englischprobleme waren schnell beseitigt und zusammen mit Pädagogik und Philosophie wurde die Sprache zu einem ihrer besten Fächer. Mit dem Abitur-Notenschnitt von 1,5 möchte sie jetzt erst ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren und danach Sozialpädagogik studieren.

Als Streetworkerin will Miriam jetzt anderen helfen

“Anschließend will ich Streetworkerin werden, also Jugendlichen helfen, die auf der Straße leben", sagte sie der Huffington Post. Sie nutzt die Aufmerksamkeit, die sie jetzt bekommt, um klar ihre Meinung zum deutschen Bildungssystem zu sagen.

"Die meisten bekommen einen Stempel aufgesetzt und das ist falsch", findet sie. "Man konnte ja jetzt bei mir sehen, wie es auch anders funktionieren kann."

Jetzt, da sie ihre schulische Laufbahn so erfolgreich abgeschlossen hat, will sie anderen Jugendlichen Mut machen. “Man soll an sich selbst glauben und sich vor allem nichts einreden lassen, was nicht stimmt", sagt sie.

"Auch wenn es mal schlecht aussieht, sollte man nie aufgeben, sondern immer weiter kämpfen. Ich habe das auch getan und habe es geschafft."

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.

In Ruanda haben 400.000 Kinder keine Chance auf einen Platz in der Schule; besonders Waisen und Mädchen sind benachteiligt. Das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef ermöglicht tausenden Kindern den Zugang zu Bildung. Hier könnt ihr die Initiative unterstützen.

Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.

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(lk)