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"Vom Winde verweht" - das Leben danach

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Vivien Leigh (li.), Clark Gable und Olivia de Havilland in

An einem Filmklassiker vom Kaliber eines "Vom Winde verweht" (1939) mitzuwirken, das hat sich schon für so manche Schauspieler als zweischneidiges Schwert erwiesen. Viele Darsteller konnten an diesen Erfolg nie wieder anknüpfen, für andere erwies er sich als Sprungbrett. Dies sind die außergewöhnlichsten Karrieren der "Vom Winde verweht"-Stars:

Olivia de Havilland

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Olivia de Havilland ist nicht nur deshalb eine Legende, weil sie alle anderen "Vom Winde verweht"-Darsteller überlebt hat. Denn schon ab 1935 hatte sie sich als Leinwand-Liebe von Errol Flynn einen Namen gemacht. Um dann die Rolle der Melanie Hamilton zu bekommen, musste de Havilland sich mit der Frau von Studio-Boss Jack Warner verbünden, damit sie für die Konkurrenz-Firma Selznick International drehen durfte. Später befreite sie sich vor Gericht von dem Knebelvertrag mit Warner und stärkte so die Arbeitsrechte der Schauspieler. Während sie trotz Nominierung als beste Nebendarstellerin beim Oscar-Reigen für "Vom Winde verweht" leer ausging, gewann sie später zwei Academy Awards und zwei Golden Globes. Ab den 50ern zog sich de Havilland allmählich aus dem Filmgeschäft zurück, hatte aber immer wieder vielbeachtete Rollen und wurde 1965 die erste weibliche Jurypräsidentin in Cannes. De Havilland lebt in Paris und feiert am 1. Juli 2016 ihren 100. Geburtstag.

Vivien Leigh

Hauptdarstellerin Vivien Leigh ist die wohl tragischste Figur aus dem "Vom Winde verweht"-Kosmos. Die Darstellerin der Scarlett O'Hara kämpfte immer wieder mit Depressionen und einer chronischen Tuberkulose. "Vom Winde verweht" bedeutete für die Britin den Durchbruch in Hollywood, doch schon 1940 kehrte sie mit ihrem zweiten Ehemann Laurence Olivier nach England zurück, wo sie am Theater auftrat und in britischen Produktionen wie "Caesar und Cleopatra" und "Anna Karenina" mitwirkte. Erst 1951 feierte Leigh mit "Endstation Sehnsucht" an der Seite von Marlon Brando einen erneuten Hollywood-Erfolg, mit dem sie einen weiteren Oscar gewann. Ihre psychischen Probleme machten es ihr danach immer schwerer, überhaupt noch zu drehen und führten zum Ende der Ehe mit Olivier. Am 7. Juli 1967 starb Leigh im Alter von 53 Jahren an ihrer seit den 40ern immer wiederkehrenden Tuberkulose-Erkrankung.

Clark Gable

Clark Gable war bereits ein Superstar, als er den Part des Rhett Butler übernahm. Bereits 1935 hatte er seinen ersten Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen, bei "Vom Winde verweht" ging er dagegen leer aus. 1942 starb Gables dritte Ehefrau Carole Lombard während einer Werbetour für Kriegsanleihen bei einem Flugzeugabsturz. Gable meldete sich nach der Beerdigung zum Militär und diente bis Kriegsende als Bordschütze eines B-17-Bombers. Nach dem Krieg gelang es ihm lange nicht, an die früheren Erfolge anzuknüpfen. Ein letzter Höhepunkt war der Film "Misfits - Nicht gesellschaftsfähig", in dem er an der Seite von Marilyn Monroe den alternden Cowboy Gay Langland spielte - Gables eigener Meinung nach seine beste Leistung seit "Vom Winde verweht". Leider erlebte er nicht mehr, wie der Film in die Kinos kam: Gable starb kurz nach Drehschluss am 16. November 1960 im Alter von 59 Jahren an einem Herzinfarkt.

Hattie McDaniel

In der Rolle der Sklavin Mammy schrieb Hattie McDaniel ein wichtiges Stück Filmgeschichte: 1940 bekam sie als erste schwarze Schauspielerin einen Oscar als beste Nebendarstellerin. Bei der Verleihung musste sie trotzdem mit ihrem Begleiter getrennt von den anderen Stars des Filmes an einem eigenen Tisch sitzen. McDaniel spielte auch danach zumeist ähnliche Rollen als Dienerin oder Haushälterin, wofür sie von Vertretern der Bürgerrechtsbewegung oftmals scharf kritisiert wurde. Zu ihren bekanntesten Filmen nach "Vom Winde verweht" zählt das Disney-Musical "Onkel Remus' Wunderland". McDaniel starb 1952 im Alter von 57 Jahren an Brustkrebs.

George Reeves

In "Vom Winde verweht" hatte George Reeves als Scarletts Verehrer Stuart Tarleton nur eine kleine Rolle. Erst später startete er mit einem ganz anders gelagerten Part durch: Ab 1952 avancierte Reeves als Held der legendären "Superman"-Serie zu einem der ersten Stars des TV-Zeitalters. Leider wurde er so sehr auf den Superhelden festgelegt, dass er danach kaum noch andere Rollen fand. Reeves starb am 16. Juni 1959, drei Tage vor seiner Hochzeit, unter mysteriösen Umständen an einer Schussverletzung. Offiziell wurde sein Tod zu einem Selbstmord erklärt, doch bis heute halten sich Theorien, dass es sich um einen Unfall oder sogar einen Mord gehandelt hatte.

Thomas Mitchell

Charaktervolle Nebendarsteller waren in Hollywood immer gefragt. So spielte Thomas Mitchell 1939 nicht nur Scarletts stolzen Vater Gerald O'Hara, sondern war auch bei vier weiteren Klassikern mit von der Partie: "Mr. Smith geht nach Washington", "Der Glöckner von Notre Dame", "S.O.S. Feuer an Bord" und "Ringo". Für letzteren bekam er 1940 den Oscar als bester Nebendarsteller. Mit der TV-Serie "The Doctor" und dem Musical "Hazel Flagg" wurde er zum ersten Schauspieler überhaupt, der sich neben dem Oscar auch einen Emmy und einen Tony Award ins Regal stellen konnte. Mitchell starb am 17. Dezember 1962 im Alter von 70 Jahren an einer Krebserkrankung.

Harry Davenport

Harry Davenport, der Darsteller des Dr. Meade, wurde schon am Set von "Vom Winde verweht" von seinen Kollegen ehrfürchtig als lebende Legende behandelt. Als Spross einer Schauspielerfamilie stand Davenport schon 1871 im Alter von fünf Jahren erstmals auf einer Theaterbühne. Nach einer erfolgreichen Broadway-Karriere und einigen Rollen in Stummfilmen wagte Davenport 1934 nach dem Tod seiner Frau im Alter von 68 Jahren einen Neustart in Hollywood. Er hasse es, wenn sich Männer in seinem Alter auf die faule Haut legen, erklärte er einmal. Davenport starb am 9. August 1949 im Alter von 83 Jahren an einem Herzinfarkt - kurz nachdem er mit seinem Agenten über eine neue Rolle gesprochen hatte. In seinem Nachruf wurde er für die längste Schauspielkarriere in der US-Geschichte gewürdigt.