POLITIK
30/06/2016 15:47 CEST | Aktualisiert 30/06/2016 20:25 CEST

Die britische Merkel: Warum Theresa May die besten Chancen auf Camerons Nachfolge hat

Stefan Wermuth / Reuters
Britain's Home Secretary, Theresa May, arrives to attend a cabinet meeting at Number 10 Downing Street in London, Britain February 23, 2016. REUTERS/Stefan Wermuth

  • Boris Johnson tritt nicht als Kandidat für den Posten des Premierministers an

  • Das Rennen könnte jetzt Theresa May machen

  • Hier ist alles, was ihr über die Eiserne Lady des 21. Jahrhunderts wissen solltet

Es war eine faustdicke Überraschung: Boris Johnson gab am Donnerstagmittag bekannt, sich nicht um die Nachfolge des scheidenden Premierministers David Cameron zu bewerben. Mit Johnson fällt so einer der größten Brexit-Befürworter als Kandidat um den Posten des Regierungschefs weg.

An seiner Stelle könnte Innenministerin Theresa May das Rennen machen: Die Politikerin der Conservative Party ist EU-Befürworterin – viele vergleichen die 59-Jährige mit Angela Merkel.

Die "Financial Times“ etwa schrieb: Beide Frauen seien "nicht-ideologische Politikerinnen mit rücksichtlosen Charakterzügen". Wie Merkel ist May Tochter eines protestantischen Pfarrers.

Erinnert an Eiserne Lady Margaret Thatcher

Wie Merkel ist May nicht gerade für überraschende Stellungnahmen und klare Worte bekannt. Dafür für Ruhe, Konstanz – und eine gute Portion Vorsicht.

Optisch erinnert sie hingegen an die Eiserne Lady Margaret Thatcher.

May tritt mit dem Versprechen an, Großbritannien wieder zu einem Land zu machen, das "für alle da ist“. Sie will das tief gespaltene Königreich wieder vereinen. Und ihre Chancen stehen nicht einmal so schlecht.

Denn Theresa May ist keine "Remain“-Hardlinerin. Eher gemächlich hatte sie für den Verbleib in der EU geworben. Gewissermaßen könnte man sagen, May hatte sich durch die hitzige Brexit-Schlammschlacht gemerkelt.

May könnte für die Briten einen Kompromiss darstellen

Von entschiedenen EU-Befürwortern wurde sie dafür kritisiert, jetzt könnte ihre einstige Zurückhaltung umso wichtiger werden. Immer wieder kritisierte sie die EU und ihre Institutionen, kokettierte sogar offen mit der Vorstellung eines von der EU losgelösten Königreichs.

May könnte für die Briten einen Kompromiss darstellen. Einen Kompromiss zwischen Europa und britischem Isolationismus. In jüngsten Umfragen erhielt sie schon einmal die größte Zustimmung unter den Parteimitgliedern.

Ihr Gegner, Justizminister Michael Gove, kann dagegen nicht auf Unterstützung aus dem europafreundlichen Lager hoffen: Gove galt als treuer Johnson-Mitstreiter im Brexit-Wahlkampf, stellte sich erst kurz vor dessen Bekanntgabe der Nicht-Bewerbung gegen den blonden Populisten. Auch die Johnson-Unterstützer könnte das verärgert haben.

In der Diskussion um den Brexit recht still

May dagegen blieb in den vergangenen Wochen recht still. So still, dass sogar der "Independent“ heute fragte: War May wirklich eine Verbleib-Befürworterin oder eher ein Brexit-Befürworter?

Wenn es dazu kommen sollte, dass May mit Brüssel über den EU-Exit der Briten verhandelt, könnte sich eine Antwort abzeichnen. So oder so: Die "Eiserne Lady" arrangiert sich mit dem Brexit. Sie versprach bereits, das Land nun aus der EU führen zu wollen.

Aber: Besonders in sicherheitspolitischen Fragen wirbt May weiter für eine Zusammenarbeit mit der EU. Es könnte ein zähes Ringen werden zwischen London und Brüssel.

Angela Merkel hatte kürzlich gemahnt, Großbritannien könne keine "Rosinenpickerei" betreiben und so nur die Vorteile der EU ausnutzen ohne sich selbst einzubringen. Wird May bald zur Premierministerin wird sie sich bemühen müssen, diesen Eindruck abzubauen.

Vielleicht hilft es da ja, dass Merkel und May ähnlich zu ticken scheinen.

Auch auf HuffPost:

Nicola Sturgeon: ”Schottland sieht seine Zukunft als Teil der EU”

2016-06-22-1466588952-5629450-HUFFPOST1.jpg

Mehr zum Thema Brexit findet ihr hier.

(lk)