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Die britische Merkel: Warum Theresa May die besten Chancen auf Camerons Nachfolge hat

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THERESA MAY
Stefan Wermuth / Reuters
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  • Boris Johnson tritt nicht als Kandidat f├╝r den Posten des Premierministers an
  • Das Rennen k├Ânnte jetzt Theresa May machen
  • Hier ist alles, was ihr ├╝ber die Eiserne Lady des 21. Jahrhunderts wissen solltet

Es war eine faustdicke ├ťberraschung: Boris Johnson gab am Donnerstagmittag bekannt, sich nicht um die Nachfolge des scheidenden Premierministers David Cameron zu bewerben. Mit Johnson f├Ąllt so einer der gr├Â├čten Brexit-Bef├╝rworter als Kandidat um den Posten des Regierungschefs weg.

An seiner Stelle k├Ânnte Innenministerin Theresa May das Rennen machen: Die Politikerin der Conservative Party ist EU-Bef├╝rworterin ÔÇô viele vergleichen die 59-J├Ąhrige mit Angela Merkel.

Die "Financial TimesÔÇť etwa schrieb: Beide Frauen seien "nicht-ideologische Politikerinnen mit r├╝cksichtlosen Charakterz├╝gen". Wie Merkel ist May Tochter eines protestantischen Pfarrers.

Erinnert an Eiserne Lady Margaret Thatcher

Wie Merkel ist May nicht gerade f├╝r ├╝berraschende Stellungnahmen und klare Worte bekannt. Daf├╝r f├╝r Ruhe, Konstanz ÔÇô und eine gute Portion Vorsicht.

Optisch erinnert sie hingegen an die Eiserne Lady Margaret Thatcher.

May tritt mit dem Versprechen an, Gro├čbritannien wieder zu einem Land zu machen, das "f├╝r alle da istÔÇť. Sie will das tief gespaltene K├Ânigreich wieder vereinen. Und ihre Chancen stehen nicht einmal so schlecht.

Denn Theresa May ist keine "RemainÔÇť-Hardlinerin. Eher gem├Ąchlich hatte sie f├╝r den Verbleib in der EU geworben. Gewisserma├čen k├Ânnte man sagen, May hatte sich durch die hitzige Brexit-Schlammschlacht gemerkelt.

May k├Ânnte f├╝r die Briten einen Kompromiss darstellen

Von entschiedenen EU-Bef├╝rwortern wurde sie daf├╝r kritisiert, jetzt k├Ânnte ihre einstige Zur├╝ckhaltung umso wichtiger werden. Immer wieder kritisierte sie die EU und ihre Institutionen, kokettierte sogar offen mit der Vorstellung eines von der EU losgel├Âsten K├Ânigreichs.

May k├Ânnte f├╝r die Briten einen Kompromiss darstellen. Einen Kompromiss zwischen Europa und britischem Isolationismus. In j├╝ngsten Umfragen erhielt sie schon einmal die gr├Â├čte Zustimmung unter den Parteimitgliedern.

Ihr Gegner, Justizminister Michael Gove, kann dagegen nicht auf Unterst├╝tzung aus dem europafreundlichen Lager hoffen: Gove galt als treuer Johnson-Mitstreiter im Brexit-Wahlkampf, stellte sich erst kurz vor dessen Bekanntgabe der Nicht-Bewerbung gegen den blonden Populisten. Auch die Johnson-Unterst├╝tzer k├Ânnte das ver├Ąrgert haben.

In der Diskussion um den Brexit recht still

May dagegen blieb in den vergangenen Wochen recht still. So still, dass sogar der "IndependentÔÇť heute fragte: War May wirklich eine Verbleib-Bef├╝rworterin oder eher ein Brexit-Bef├╝rworter?

Wenn es dazu kommen sollte, dass May mit Br├╝ssel ├╝ber den EU-Exit der Briten verhandelt, k├Ânnte sich eine Antwort abzeichnen. So oder so: Die "Eiserne Lady" arrangiert sich mit dem Brexit. Sie versprach bereits, das Land nun aus der EU f├╝hren zu wollen.

Aber: Besonders in sicherheitspolitischen Fragen wirbt May weiter f├╝r eine Zusammenarbeit mit der EU. Es k├Ânnte ein z├Ąhes Ringen werden zwischen London und Br├╝ssel.

Angela Merkel hatte k├╝rzlich gemahnt, Gro├čbritannien k├Ânne keine "Rosinenpickerei" betreiben und so nur die Vorteile der EU ausnutzen ohne sich selbst einzubringen. Wird May bald zur Premierministerin wird sie sich bem├╝hen m├╝ssen, diesen Eindruck abzubauen.

Vielleicht hilft es da ja, dass Merkel und May ├Ąhnlich zu ticken scheinen.

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(lk)