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Reporter wühlen im Müll des ukrainischen EM-Hotels - und machen einen verdächtigen Fund

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UKRAINE
dpa
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Es ist ein schockierender Fund: Reporter des Recherchenetzwerks "Correctiv" haben vor dem EM-Hotel der ukrainischen Nationalmannschaft Medikamente, Spritzen und Infusionsbesteck gefunden.

Es handele sich in erster Linie um Entzündungshemmer wie Diclofenac, Natriumlösungen und Nimesulid, berichtet das Online-Portal. Außerdem sei Diphenhydramin dabei, ein Antiallergikum, das als Schlaf- und Beruhigungsmittel dient.

"Die Sportler haben kein Unrechtsbewusstsein"

"Der Begriff Schmerzmittel wäre eine Verharmlosung”, zitiert "Correctiv" den Heidelberger Pharmakologen Ulrich Schwabe, dem der Fund zuvor vorgelegt worden war.

Die Präparate tauchen zwar nicht in der Liste der verbotenen Dopingmittel auf, aber bereits in der Vergangenheit waren Dopingfälle in Kombination mit Glucose und Insulin bekannt geworden – Insulin fanden die Reporter vor dem Hotel der Ukrainer aber nicht.

Ein internationales Turnier sei eben eine Gelegenheit, alles zu tun, was den Körper fit hält, sagt Schwabe. "Solange Mittel nicht auf der Dopingliste stehen, haben die Sportler kein Unrechtsbewusstsein.“

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Schon junge Fußballer lernten, dass Schmerz kein Warnsignal sei, sondern überwunden werden muss. Die Kontrolle über das eigene Schmerzempfinden werde mit der Zeit häufig an den Trainer und die Betreuer abgegeben. "Der Trainer sagt, wann es nicht mehr geht. Nicht der Spieler.“

Diclofenac ist im Fußball verbreitet

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die Einnahme von Medikamenten im Fußball weit verbreitet ist. In den vergangenen Jahren haben verschiedene Studien des Weltverbandes Fifa gezeigt, wie exzessiv Fußballer Schmerzmittel und andere Medikamente einsetzen.

Bei der WM 2014 in Brasilien nahmen zwei von drei Spielern mindestens einmal im Turnier Medikamente, vor allem Diclofenac. Dabei betreffen diese Statistiken nur die offiziell dokumentierten Mittel, die jede Mannschaft an die Fifa melden muss.

Der ukrainische Fußballverband wollte sich auf Anfrage von "Correctiv" nicht zu dem Fund äußern. Auch die ukrainische Anti-Dopingbehörde, die Welt-Anti-Doping-Agentur und die Uefa ließen entsprechende Anfragen unbeantwortet.

Insgesamt hat "Correctiv" die Hotels von fünf EM-Teams aufgesucht, darunter die von drei Viertelfinalisten. Neben der Unterkunft der Ukraine waren sie am Quartier der Schweizer Mannschaft und der Isländer. Dort wurden keine verdächtigen Medikamente im Müll gefunden. Zum Müll der deutschen Nationalmannschaft war kein Durchkommen.

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