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Ökonom rechnet mit Sport-Übertragungen in ARD und ZDF ab: "Massive Geldverschwendung"

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OLIVER KAHN
Boris Streubel via Getty Images
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  • Ein Düsseldorfer Wirtschaftsprofessor glaubt: "Ohne Sport-Übertragungen könnten Rundfunkgebühren spürbar sinken"
  • Er sagt: "Sie sind nicht durch Werbung finanzierbar". Der Ökonom spricht von "massiver Geldverschwendung"
  • Die ARD weist die Vorwürfe als "Populismus" zurück

Die Kritik an den zum Teil hunderte Millionen Euro teuren Sportübertragungen der öffentlich-rechtlichen Sender nimmt zu.

Nach Medienberichten über angeblich extrem hohe Kommentatoren-Honorare der ARD- und ZDF-Fußballexperten Mehmet Scholl und Oliver Kahn, wird nun sogar die Forderung laut, ARD und ZDF sollten künftig überhaupt keinen Spitzensport mehr übertragen.

"Sündhaft teure Fußball- oder andere Spitzensport-Übertragungen sind nicht die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Sender“, sagt Justus Haucap, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Uni Düsseldorf, im Gespräch mit der Huffington Post.

Der renommierte Professor ist sich sicher: "Trotz Werbeeinnahmen rechnet sich das für ARD und ZDF nie und nimmer.“ Ohne die Fußballer-Millionen könnten die Gebühren seines Erachtens "spürbar sinken“.

Über 100 Millionen Euro zahlt die ARD Medienberichten zufolge jährlich für die Bundesliga-Rechte. Für Haucap sind die immensen Summen für die Fußball-Übertragungen eine "massive Geldverschwendung".

Werbe-Einnahmen dürften kaum reichen

Daran, dass sich Fußball-Übertragungen aufgrund der zu erwartenden für TV-Anstalten Werbeeinnahmen lohnen, gibt es erhebliche Zweifel. Aus Kreis eines großen privaten TV-Senders heißt es, Übertragungen von großen Fußball-Spielen seien finanziell wenig attraktiv. Da gehe es "ums Image“.

Doch es gibt auch andere Stimmen: Die Übertragung von Qualifikationsspielen der deutschen Mannschaft für die diesjährige Fußball-EM sei "für uns eine richtige Investition" gewesen, sagte RTL-Chefin Anke Schäferkordt jüngst.

Der "Tagesspiegel“ schrieb jedoch über das RTL-Engagement: "Zwar ist es sehr fraglich, ob der Sender den Einkaufspreis via Werbung refinanzieren konnte, doch andere Erwartungen wurden erfüllt: neue Aufmerksamkeit, neues Prestige und der Nachweis."

Für ARD und ZDF sind die Fußball-Rechte aus Sicht von Haucap jedoch ein zu teurer Spaß: Die öffentlich-rechtlichen Sender sollten ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen. "Sie sollen Sendungen ausstrahlen, etwa aus den Bereichen Kultur und Politik, die bei den privaten Sendern zu kurz kommen“, so der Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie.

"Geld in Rachen der korrupten Fifa"

Das Argument, durch die Übertragungen der Fußball-Bundesliga oder Großereignissen wie der Fußball-EM oder den Olympischen Spielen würden Zuschauer an die Nachrichtenangebote von ARD und ZDF herangeführt, die sich sonst nicht über Politik und anderen gesellschaftlich wichtigen Themen auseinandersetzten, greife nicht.

Zwar mag die Quote der Tagesschau zwischen einem EM-Spiel höher sein. Aber es gebe ja keinerlei empirischen Nachweis, dass die Leute dann auch sitzen bleiben. "Es ist doch Quatsch, dass die Leute, wenn sie mit der Chips-Tüte auf der Couch sitzen, im Zeitalter der Fernbedienung nicht einfach umschalten können.“

Er hält es für "nicht ausgeschlossen“, dass durch die Nähe der Spitzen von Politik und Sportfunktionären mehr für die Bundesligarechte gezahlt werde, als nötig, so Haucap gegenüber der Huffington Post.

"Sogar der korrupten Fifa wird beim Kauf von Spielerrechten Geld in den Rachen geworfen", sagt der Professor, der sich seit vielen Jahren mit den Rundfunkgebühren beschäftigt.

ARD weist Vorwürfe umfassend zurück

Die ARD weist die aus ihrer Sicht "populistische Argumentation" Haucaps zurück. Ein Sprecher sagt: "Sport gehört wie Kultur, Information oder Unterhaltung sehr wohl zum öffentlich-rechtlichen Auftrag, einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben."

Einer repräsentativen Umfrage zufolge hätten während der Fußball-WM 2014 knapp 90 Prozent der Befragten gesagt, ARD und ZDF sollten auch künftig live über die Fußball-Weltmeisterschaften berichten. Umgerechnet zahle jeder Haushalt für die gesamte Sportberichterstattung im Ersten 69 Cent im Monat, so der ARD-Sprecher. 17,50 Euro kostet der gesamte Rundfunkgebühr monatlich.

Die ARD berichte in ihrem Programm über mehr als 100 Sportarten. "Ob man es mag oder nicht, aber die mit Abstand meisten Zuschauerinnen und Zuschauer, ob alt oder jung, interessieren sich für Fußball."

"Zudem wurde das Thema Korruption angeführt. Ein Thema, dem sich die ARD – im Gegensatz zu privat finanzierten Rundfunkveranstaltern - umfassend und kritisch in der Berichterstattung mit der gebotenen journalistischen Sorgfalt stellt", so der ARD-Sprecher.

Für ihn ist klar: "Es wäre ein völlig falsches Signal und ein klarer Verstoß gegen den auch höchstrichterlich wiederholt bestätigten öffentlich-rechtlichen Auftrag, durch den Verzicht auf Spitzensport-Übertragungen die große Mehrheit unserer Sport begeisterten Zuschauern und somit die Beitragszahler abzustrafen."

Auslöser für die neuerliche Gebühren-Diskussion sind zwei Medienberichte von dieser Woche. Laut einem Bericht von "kress pro“ würden die Fußball-Experten Mehmet Scholl und Oliver Kahn für ihre EM-Berichterstattung pro Arbeitstag bis zu 50.000 Euro an Honorar einstreichen.

Scholl, Kahn, die ARD und das ZDF wiesen die von "kress“ genannten Zahl jedoch als falsch und viel zu hoch zurück. Die "Bild“-Zeitung berichtete später von niedrigeren Summen, kam jedoch etwa im Fall Scholls mit einem angeblichen Jahresgehalt von 800.000 Euro noch immer auf die Hälfte des von “kress“ genannten Salärs.

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(lk)