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Der Drahtzieher hinter dem Wahnsinn: Dieser Mann will Trump zum mächtigsten Mann der Welt machen

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STEPHEN MILLER
Der Drahtzieher hinter dem Trump-Wahnsinn: Macht dieser Mann den Populisten zum Präsidenten? | ASSOCIATED PRESS
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Stephen Miller: Den wenigsten Deutschen wird dieser Name etwas sagen.

Am Montag veröffentlichte "Politico" ein ausführliches Portrait über den 30-Jährigen.

Miller ist Senatsangestellter und der jetzige Berater von Donald Trump. Er heizt auf Wahlkampfveranstaltungen oft die Massen für den wahrscheinlichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner ein und hetzt gegen Handel, Einwanderung und Political Correctness.

Er will Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten machen.

Miller heizt die Massen an und bestellt Taxis

Das "Politico"-Portrait bietet einen umfassenden Blick auf Miller, von seinen politischen Anfängen bis zu seiner heutigen Rolle. Und zu der gehört das Einheizen der Massen und die Teilnahme an politischen Meetings genauso wie das Bestellen eines Taxis.

Das Portrait hilft, die Denkweise eines Mannes zu verstehen, der gut und gerne einer der Top-Berater des nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten werden könnte.

Auffallend an Stephen Miller ist besonders, wie weit zurück seine Feindseligkeit gegenüber Political Correctness und Multikulturalismus reicht - – besonders in Hinblick auf Rasse und Ethnizität.

Der Trump-Berater kämpft seit der Schulzeit gegen Multikulti

Seit seinem 16. Lebensjahr lehnt Miller die multikulturelle Gesellschaft ab. Ein Alter, in dem die meisten Jugendlichen sich mehr Gedanken über die ersten Fahrstunden machen als über das Ändern kultureller Normen.

Die erste Zielscheibe von Millers politischem Zorn war die Santa Monica High School, an der er 2003 seinen Schulabschluss machte. Die Region war und ist liberal mit einer großen Latino-Gemeinde. Miller mochte die Führung der Schule nicht.

Der amerikanische Treueschwur wurde zu selten gesprochen, die Vereinigten Staaten zu wenig gelobt und es wurde zu viel Spanisch gesprochen – so besagen es einige Kolumnen, die Miller später verfasste.

"Farbigen gegenüber voreingenommen"

Auch nach seinem Abschluss ließ er das Thema nicht fallen. Im Jahr 2005, Miller war zu der Zeit Student, widmete er den Großteil eines 1600 Wörter langen Artikels auf der konservativen Website "Front Page Magazine" Oscar de la Torre, einem Mitglied eines Schulausschusses der Gemeinden Santa Monica und Malibu. Er griff de la Torre scharf an. Der Demokrat de la Torre hat diese Breitseite nicht vergessen.

"Er war Farbigen gegenüber voreingenommen. Er war gegen alles, was irgendwie mit Multikulturalismus zu tun hatte“, so de la Torre gegenüber der Huffington Post. "Alles bezüglich ethnischen Studien oder der Beförderung von farbigen Menschen in irgendeiner positiven Weise war ihm zuwider. Es überrascht mich nicht, dass er für Donald Trump arbeitet.“

Miller ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Miller rechnete regelmäßig mit seiner Schule ab

Eine der größten Beschwerden, die Miller gegen seine High School sowohl in Schriftform wie auch mündlich vorbrachte, war ihre Herangehensweise an Fragen der Ethnizität, Rasse und Klasse.

Mit 16 lamentierte er in einem Brief an den Herausgeber einer lokalen Nachrichtenseite, dass die Schule „nichts für amerikanische Feiertage, wohl aber sehr viel für mexikanische Feiertage tun würde.“

Er behauptete weiter, dass "wenig bis keine hispanischen Schüler“ an den Honor Classes (besonderer Unterricht für Schüler mit herausragenden schulischen Leistungen) teilnehmen würden. Außerdem wären viele Schüler des Englischen nur unzulänglich mächtig. Der Habitus der Schule, Durchsagen in Englisch und Spanisch zu machen, würde das Problem noch weiter verschlimmern.

Erste Auftritte in konservativer Radiosendung

"Das mag ja alles politisch korrekt sein, aber es lässt Einwanderer als inkompetent erscheinen und stellt das amerikanische Ideal der persönlichen Leistung ins Lächerliche“, schrieb Miller.

Als Teenager trat Stephen Miller wiederholt in der Radiosendung von Larry Elder, einem konservativen Moderator, auf und verurteilte den "Amoklauf der liberalen Kultur" an seiner Schule.

Er erzählte Elder, dass Schüler Klassenkameraden, die in ihren Augen politisch inkorrekte Positionen bezögen, für eben diese bestraften, und das Lehrer konservativen Schülern gegenüber voreingenommen seien.

Die Schule war keine Lehranstalt, sondern eine Institution der Indoktrinierung, in der "ein Lehrer den mexikanisch-amerikanischen Krieg als 'nordamerikanische Invasion' bezeichnete“, so schrieb es Miller nach seinem Abschluss.

Millers Schlammschlacht ging weiter

Einige Jahre später legte Miller in seinem Feldzug gegen de la Torre noch einmal nach. Er beschuldigte de la Torre, Mitglieder einer Gang auf das Schulgelände eingeladen und um ein Haar eine Schießerei ausgelöst zu haben. Eine Anschuldigung, die auch die Polizei vorbrachte.

De la Torre wiederum sagte aus, dass er die Personen eingeladen habe, damit sie vor den Schülern im Rahmen von Gewaltprävention über Gangs sprechen sollten und dass die Polizei einen der Männer fälschlicherweise beschuldigt hätte, zu Überfällen aufgerufen zu haben.

Der Populist warnt vor gewalttätiger Revolution

In der Kolumne aus dem Jahr 2005 kam Miller auch wieder auf sein Lieblingsthema zu sprechen, die Irrungen und Wirrungen des Multikulturalismus. Diese, so Miller, führten dazu, dass Schüler sich zuallererst als Mexikaner, Guatemalteken oder Honduraner bezeichneten und erst an zweiter Stelle als Amerikaner.“

Miller kritisierte, dass die Schule das Movimiento Estudiantil Chicano de Aztlán, kurz MEChA, finanzierte, eine Chicano-Gruppe, die laut ihrer eigenen Kurzbeschreibung auf "den Prinzipien der Selbstbestimmung für die Befreiung ihres Volkes gegründet wurde.“

Miller nannte sie eine "radikale hispanische Gruppe, die an die rassistische Vorherrschaft glaubt und den Südwesten der Vereinigten Staaten Mexiko wieder einverleiben will, um eine 'bronzene Nation' zu schaffen.“ Er erklärte dem Moderator Larry Elder weiter, die Gruppe plane, in den USA eine gewalttätige Revolution zu starten.

Miller war Einzelgänger - aber gut vernetzt

Miller war auch kein Fan der Black Student Union. Und ebenso wenig von ihren Plänen, wie er es beschrieb, "die schwarzen und hispanischen Leistungsrückstände, Gewalt und ethnische Spannungen“ zu bekämpfen.

"Das ist doch alles das gleiche, eine Deklaration von institutionalisiertem Rassismus gefolgt von extremistischen Plänen von Re-Edukation und Multikulturalismus“, so schrieb er. "Die linken Illusionen und die Destruktivität sind selbsterklärend, und doch haben sowohl der Ausschussvorsitzende sowie auch der Direktor der Schule zugestimmt, mit dieser Koalition zusammenzuarbeiten und ihre Ideen zu übernehmen.“

An der Duke University baute er sein Profil weiter aus. Ein Student, der ebenfalls bei den Konservativen aktiv war, beschrieb Miller bereits damals als gut vernetzt mit konservativen Politikern. Trotzdem mache er "irgendwie sein eigenes Ding“. Der Alumnus der Duke University, der nicht genannt werden möchte, lachte, als er hörte, dass Miller jetzt für die Trump-Kampagne arbeitet. "Das überrascht mich nicht, mehr kann ich dazu nicht sagen“ sagte er.

"Ein konservatives Wunderkind"

"In der Hinsicht war er irgendwie ein konservatives Wunderkind“, so erzählt der ehemalige Student der Duke University weiter. "Normalerweise kommst du nicht schon so angriffslustig auf den Campus, aber genau das war er.“

Miller wurde dann Kolumnist für den Duke Chronicle, die Zeitung seiner Universität. Das verhalf ihm zu einem gewissen Ruhm auf dem Campus. Er kritisierte, dass er mit der lächerlichen Anfrage behelligt wurde, eine Geburtstagsnotiz für den Hausmeister der Uni zu verfassen. Er beschuldigte die Autorin Maya Angelou der "rassistischen Paranoia“ und warnte vor den Schrecken des Multikulturalismus‘.

"Die Verwaltung ist so besessen vom Multikulturalismus, dass sie es für nötig befindet, in der Orientierungswoche für neue Studenten einen separaten Lunch für schwarze Studenten zu organisieren“, so schrieb er im September 2005, als er im zweiten Studienjahr war.

"Nennt mich ruhig einen sentimentalen Idioten, aber ich stimme Martin Luther King Jr. zu und glaube nicht, dass wir Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe voneinander trennen sollten. Andererseits aber macht soziale Manipulation so viel Spaß – fragt mal die Linken!“

Miller verteidigte mutmaßliche Vergewaltiger

Miller wurde Präsident der Vereinigung "Students for Academic Freedom“ (Studenten für akademische Freiheit). In dieser Position rief er zu Diversität an den Fakultäten auf – politische Diversität wohlgemerkt, nicht kulturelle, religiöse oder sozioökonomische Diversität.

"Wir versuchen nur, die Neueinstellungen auf einem gewissen Niveau zu halten, ebenso den Unterricht. Der würde aufgrund seines eigenen Charakters schon zu Diversität führen, denn Diversität ist der ganz natürliche Zustand der Dinge“, so Miller gegenüber dem Duke Magazin zu der Zeit.

Als seine Kolumne auf dem Zenit der Beliebtheit angekommen war, thematisierte Miller 2006 den Lacrosse-Skandal an der Duke University: Eine schwarze Frau, die als Tänzerin arbeitete, beschuldigte drei weiße Lacrosse-Spieler der Universität der Vergewaltigung.

"Er ist furchtlos - im positiven Sinn"

Viele Studenten und Fakultätsmitglieder verurteilten die Sportler schnell, aber Miller argumentierte, dass möglicherweise unschuldige Menschen für schuldig gehalten und somit womöglich unfair behandelt wurden. Er ging sogar zu CNN und diskutierte den Fall mit Nancy Grace.

Die Anschuldigungen gegen die Lacrosse-Spieler wurden schließlich fallen gelassen, und der Generalstaatsanwalt von North Carolina, Roy Cooper (ein Demokrat) sagte, es sei zu einer tragischen, vorschnellen Vorverurteilung gekommen. Miller sah sich bestätigt.

Es habe Miller einiges an Mut gekostet, sich auf diese Weise zu äußern und für die Beschuldigten einzutreten, noch bevor die Anschuldigungen fallen gelassen wurden, so KC Johnson, ein Geschichtsprofessor am Brooklyn College, der zu der Zeit einen Blog Post verfasste und Miller in diesem für sein Verhalten lobte. Johnson, ein Demokrat, der kein Fan von Donald Trump ist, sagte, dass müsse man Miller zugutehalten.

"Eine Sache, die ich Stephen hoch anrechne, ist, dass er furchtlos ist, im positiven Sinn, und dass er für eine Sache eintritt, wenn er daran glaubt“, so Johnson gegenüber der Huffington Post. "Selbst wenn es einen Einbruch seiner Karriere bedeuten könnte.“

Miller ging es um rassistische Vorurteile

Millers Lacrosse-Kolumnen waren extrem auf Nationalität und Rasse konzentriert. Er schrieb, dass die Anschuldigungen "eine fantastische Gelegenheit seien, eine soziale Agenda voranzutreiben und die Kluft zwischen den paranoiden Wahnvorstellungen eines weitverbreiteten Rassismus, auf denen so viele Leben und Karrieren von Aktivisten aufbauten und der eher offensichtlichen Realität, dass eben die meisten Amerikaner keine Rassisten seien, beizubehalten.“

Einen anderen Artikel im Rahmen seiner Kolumne schrieb Miller über eine Mitstudentin, die ihn als Rassisten bezeichnete. Eine Anschuldigung, die er "auf groteske Weise grundlos und falsch“ nannte. Tatsächlich sei sie es, die besessen von Rasse sei, so Miller.

Senator: "Miller macht überragende Arbeit"

Er argumentierte weiter, dass es ein Bärendienst an farbigen Menschen sei, die "ungeheuerliche Annahme, dass Konservative, oder wohlhabende Weiße oder erfolgreiche Weiße es auf Schwarze und andere Minderheiten abgesehen hätten“, zu verinnerlichen oder zu übernehmen.

Nach seinem Abschluss an der Duke University arbeitete Miller für die Abgeordneten Michele Bachmann (Abgeordnete der Republikaner aus Minnesota) und John Shadegg (Abgeordneter der Republikaner aus Arizona). Zu Jeff Sessions Team stieß er im Jahr 2009. Der Senator sagte gegenüber der Huffington Post, dass die Beschreibung "überragend“ der Arbeit, die Miller leistete, kaum gerecht würde.

Ein freundlicher Typ - außer, wenn es um Einwanderung geht

Millers Aufgabenfeld beinhaltete das Schreiben langer E-Mails und das Führen von Telefongesprächen an und mit Reportern zu den Themen Einwanderung und Handel, besonders im Hinblick auf mögliche Streichungen von Arbeitsplätzen, Straftaten illegaler Einwanderer und die steigende Zahl von Muslimen im Land.

Ein Referent der Demokraten, der gelegentlich mit Miller zusammenarbeitete, sagte, dass Miller stets zuvorkommend und freundlich sei, so lange das Thema Einwanderung nicht zur Sprache käme. Dann würde sich die Stimmung verlagern und angespannter werden. Einwanderung, so scheint es, wird immer ein sensibles Thema für ihn sein.

"Das Wort 'Einwanderung' schien bei ihm etwas Bestimmtes auszulösen“, so der Referent.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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(lp)