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Hyundai Tucson: Robust-eleganter Geländegänger

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Ernstzunehmende SUV-Konkurrenz für Premiumhersteller: Hyundai Tucson

Der Hyundai Tucson hat eine Menge zu bieten: Zahlreiche Assistenten, komfortable Sitze, ein modernes Cockpit und ein ausgewogenes Fahrwerk sorgen für ein hohes Maß an Sicherheit und entspanntes Reisen auch auf langen Strecken. Immer wieder fragen wir uns, warum wir einmal Vorbehalte gegenüber koreanischen Autos hatten. Vielleicht deshalb, weil sie vor 20 Jahren tatsächlich unsere verwöhnten Ansprüche nicht erfüllen konnten. Die Koreaner legen aber ein dermaßen hohes Tempo beim Eingehen auf höchste, besonders deutsche Ansprüche vor, dass den europäischen Herstellern Angst und Bange werden kann.

Es wird nicht mehr lange dauern, bis vor allem einheimische Premium-Marken ihren Image-Vorsprung verloren haben, für den die Kunden (noch) Premium-Preise zu zahlen bereit sind. Wenn diese Hersteller in Sachen Kundenorientierung nicht dazulernen und zum Beispiel ihre knauserige Zwei-Jahres-Garantie nicht grundsätzlich auf fünf oder sieben Jahre (Kia) erweitern, werden sie Kunden verlieren. Die angeblich großzügige Kulanzregelung, die hierzulande immer ins Feld geführt wird, endet nicht selten in einer unwürdigen Bettelei des Kunden beim Vertragshändler, Reparaturkosten per Kulanz zu übernehmen.

Fußball-Trainer Jürgen Klinsmann war auch schon mal ziemlich begeistert von einem Hyundai - mehr dazu in diesem Video bei Clipfish

Und oft sind die deutschen Hersteller nur bereit, "als großzügiges Entgegenkommen" einen Teil davon zu übernehmen. Oder nehmen wir das Navi-Karten-Update, das bei Hyundai fünfmal kostenlos ist, aber bei anderen Herstellern jedes Mal teuer bezahlt werden muss.

Wir haben für unsere Testfahrt den Hyundai Tucson 1.6 Turbo-Benziner mit 177 PS und 7-Gang-Doppelkupplungs-Getriebe mit Allradantrieb und der Premium-Ausstattung gewählt, der mit einem Basispreis ab 34.750 Euro in der Liste steht und mit Doppelkupplungsgetriebe ab 36.800 Euro kostet. Die preiswerteste Variante mit Vorderradantrieb ist schon ab 27.950 Euro zu haben.

Die Liste der Extras ist extrem kurz. Metallic und der attraktive Mineraleffekt kosten 590 Euro. Navi mit Rückfahrkamera steht ebenso mit 0 Euro in der Preisliste wie die LED-Hauptscheinwerfer. Für das Panorama-Glas-Schiebedach kommen 1200 Euro dazu, fürs Lederpaket 1600 Euro. Mit 1100 Euro überraschend teuer erscheint das elektronische Sicherheitspaket mit autonomem Notbrems-Assistenten, Frontkollisionswarnung, Totwinkel-Assistent, Spurhalte-Assistent, Verkehrszeichen-Assistent. Im Wesentlichen war's das schon an aufpreispflichtigen Extras, wenn man nicht noch ein paar optische Individualisierungswünsche hat.

In Europa entwickelt und produziert

Der Tucson war uns schon beim Einsteigen sympathisch. Die Materialausstattung und die Verarbeitung, die ästhetisch geformte Ergonomie reichen in Sachen Qualität durchaus an deutsche Premium-Produkte heran. Auch hier haben die Koreaner schnell gelernt. Was heißt Koreaner: Der Design-Chef Peter Schreyer kommt von Volkswagen, hat schon Audis geformt und setzt nicht nur formal auf Qualität. Er weiß auch, wie wichtig die haptische Anmutung der Materialien im Innenraum ist.

Die Globalisierung im Automobilbereich ist so weitreichend, dass sich auch kulturelle Unterschiede und formaler Geschmack vermischen, zumal weil auch die Designer und Ingenieure international wirken. Außerdem wurde der neue Tucson im europäischen Design-Zentrum der Marke in Rüsselsheim entworfen, im benachbarten Entwicklungszentrum konstruiert und in Tschechien produziert. Mehr Europa geht kaum.

Vielleicht erscheint das Cockpit auf den ersten Blick mit Schaltern und Knöpfen überladen, aber dieser Eindruck legt sich schnell, weil sich die Bedienbarkeit und Platzierung als logisch, übersichtlich und selbsterklärend erweist. Die Tasten im Lenkrad, die im Blinker- und Scheibenwischerhebel integrierten Funktionen, die Knöpfe unterm großen Navigations-Display oder jene für die Klimatisierungsautomatik mit zwei Zonen: Man braucht nicht die (übrigens sehr umfangreiche) Bedienungsanleitung zu studieren, um klarzukommen.

Das Navi gehört in Sachen Darstellung und Funktionalität zum Besten auf dem Markt. TomTom Live Service bietet Verkehrsinformationen in Echtzeit und beeindruckte uns immer wieder, in dem es uns bei Verkehrsstörungen effiziente Alternativrouten empfahl, die auch funktionierten. So muss das sein, während schlechte Navis den Stau oft erst melden, wenn man mittendrin steht.

Nur der automatische Abstandhalter fehlt

Das radargestützte Auffahrwarnsystem mit autonomem Notfallbrems-Assistenten, ein Toter-Winkel-Assistent und eine kamerabasierte Verkehrszeichenerkennung für Tempolimits und Überholverbote sind wichtige Elemente im Tucson. Dass das Radarsystem nicht auch dazu genutzt werden kann, den Abstand zum Vordermann zu halten, ist schade. Dennoch ist die automatische Geschwindigkeitsregelung besonders auf langen Autobahnfahrten eine Wohltat und ein Plus an Fahrkomfort. Das automatische Abstandhalten haben wir schmerzlich vermisst.

Der Spurhalte-Assistent mit Lenkeingriff überbrückt fahrerische Unaufmerksamkeit zuverlässig, sobald sich das Fahrzeug der Fahrbahngrenze nähert. Weitere Hilfen sind der automatisierte Einpark-Assistent, der Bergabfahr-Assistent und der Anfahr-Assistent mit Auto-hold-Funktion beim Anfahren am Berg.

Wie fährt er sich?

Für einen SUV fährt er sich zweifellos sehr gut. Auf schlechten Straßen wirkt er zuweilen etwas straff, vermittelt aber stets ein sicheres Fahrgefühl. Die Lenkung ist sehr komfortabel ausgelegt, was den Tucson leicht manövrierbar macht. Zuweilen haben wir aber das Gefühl für die Straße vermisst, was andere Fahrer allerdings ganz anders sehen könnten. Die 177 PS des 1,6-Liter-Turbobenziners zeichnen sich im Zusammenwirken mit dem Doppelkupplungsgetriebe als völlig ausreichend aus. Immerhin ist der SUV damit über 200 Stundenkilometer schnell.

Auf unserer Testfahrt schwankte der Verbrauch je nach Fahrweise zwischen acht und neun Litern. Das ist angesichts der fahrerischen Qualitäten bzw. Möglichkeiten noch dazu mit einem Benziner sehr wenig. Der akustische Fahrkomfort muss besonders erwähnt werden. Der Tucson gehört sicher zu den leiseren Fahrzeugen im Kreis der SUVs. Erst jenseits von 160 km/h schwillt das Motorgeräusch an, bleibt aber immer im verträglichen Bereich.

Fazit

Der Hyundai Tucson als Nachfolger des 90.000 Mal in Deutschland verkauften ix35 ist in jeder Beziehung auf dem Stand modernster Technik. Er kann locker mit deutlich teureren Modellen deutscher Premiumhersteller mithalten, bietet elektronische Assistenten in Hülle und Fülle und ist mit seinen fünf Jahren Garantie ohne Kilometerbegrenzung ein Angebot, das man jedenfalls in Erwägung ziehen muss, wenn man sich zum Kompakt-SUV hingezogen fühlt.

Technische Daten Hyundai Tucson 1.6 T-GDi Allrad SUV

Länge: 4,47 Meter, Breite: 1,85 Meter, Höhe: 1,64 Meter, Radstand: 2,67 Meter, Leergewicht: 1.609 Kilogramm, Tankinhalt: 62 Liter, Motor: Vierzylinder-Reihen-Ottomotor mit Turbolader, Hubraum 1.591 ccm, Leistung: 177 PS bei 5.500 U/min, max. Drehmoment: 265 Newtonmeter bei 1.500 bis 4.500 U/min, 0 - 100 km/h: 9,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 202 km/h, Durchschnittsverbrauch NFZ 7,6 Liter Super auf 100 km, CO2-Emission kombiniert: 175 g/km, Euro 6, Preis (Premium-Ausstattung mit Doppelkupplungsgetriebe DCT) ab: 36.800 Euro.