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Hans-Werner Sinn wirft Politikern vor, den wahren Grund für das Brexit-Votum totzuschweigen

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  • Der Ökonom Hans-Werner Sinn warnt davor, die Briten für den Brexit abzustrafen
  • Großbritannien solle nach dem EU-Austritt eng an die Union gebunden werden
  • Er sieht die Armutsmigration innerhalb der EU als Grund für die britische Ausstiegs-Votum
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Angesichts der bald beginnenden Verhandlungen über einen EU-Austritt Großbritanniens hat der frühere Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, hat vor einer harten Haltung der EU gegenüber Großbritannien gewarnt.

Beim gestrigen EU-Gipfel zeichnete sich bereits ein Streit um die Freizügigkeit von EU-Arbeitnehmern ab. Die Migration von EU-Ausländer nach Großbritannien - insbesondere aus Osteuropa - war eines der wichtigsten Themen des Wahlkampfes um das Austritts-Referendum.

Sinn warnt vor der europäischen "Haftungsunion"

"Diejenigen, die den Briten die kalte Schulter zeigen und weitermachen wollen wie bisher, sind schlechte Politiker", sagte der streitlustige Ökonom der "Passauer Neuen Presse".

"Wir sollten versuchen, Großbritannien so wie Norwegen sehr eng an die EU anzubinden." Diejenigen, die auf einen schnellen Austritt drängten, wollten Europa im Eiltempo weiter "in die falsche Richtung entwickeln, nämlich zu einer Haftungsunion im Inneren und einer Festung nach außen, die sich gegenüber der Welt abschottet", warnte Sinn.

"Beides käme uns Deutsche teuer zu stehen", sagte Sinn.

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Sinn sieht die Binnenmigration innerhalb der EU als wichtige Ursache für anti-europäische Stimmungen. "Das europäische System der Freizügigkeit und die Integration in die Sozialsysteme anderer EU-Länder wirken wie Magneten auf Armutsmigranten. Das wird von der Politik weitgehend totgeschwiegen", sagte Sinn.

Die EU sei längst eine Sozialunion. "Migranten werden sehr rasch in den Sozialstaat des Ziellandes integriert. Hier muss gegengesteuert werden", forderte er.

"Es sind die vier Freiheiten oder keine"

Steuerfinanzierte Sozialleistungen, die nicht selbst erarbeitet werden, müssten vom jeweiligen EU-Heimatland übernommen werden.

Auf dem gestrigen EU-Gipfel zeichnete sich ab, dass die EU nicht bereit ist, Großbritannien bei den Gesprächen um einen Zugang zum europäischen Binnenmarkt weit entgegenzukommen.

Wenn das Vereinigte Königreich weiterhin Zugang habe wolle, müsse es die vier Grundfreiheiten respektieren, sagte zum Beispiel der französische Präsident François Hollande beim EU-Gipfel in Brüssel.

Es sei ausgeschlossen, dass Großbritannien vom freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital profitiere, gleichzeitig aber die Freizügigkeit von Personen einschränke. "Es sind die vier Freiheiten oder keine", sagte er.

Mit Material der dpa

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