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Facebook will nicht, dass ihr das Foto dieser Gans seht

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Vögel sind frei. Vor allem Zugvögel wie Graugänse fliegen in Keilformation von Nord- und Mitteleuropa nach Südeuropa und Afrika und wieder zurück.

Diese Freiheit, sich dorthin zu bewegen, wo immer sie wollen, kann den Gänsen niemand nehmen. Außer Facebook.

Denn das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Das gilt umso mehr für das Veröffentlichen von Fotos.

Fans eines Memes (ein Internetphänomen, das sich wie ein Lauffeuer verbreitet), das eine Gans zeigt, mussten das schmerzlich erfahren. Denn Facebook hat das Foto gesperrt.

Wieso? Bestimmt ein Inhalt, der Tierquälerei zeigt, mag man denken. Aber das wäre voreilig. Man muss die Geschichte dazu kennen.

Und die beginnt am 5. Dezember 2010, als der Benutzer Matoroignika auf der Foto-Plattform Deviantart diesen "verdammt coolen Schuss" hochgeladen hatte.

goose facebook
("Ich weiß nicht, ob das Kunst ist, aber es ist ein verdammt cooler Schuss", schreibt der User. Quelle: Deviantart)

Eins ist sofort klar: Diese Gans ist on fire. Das beschreibt auch schon der Titel des Bildes kurz, aber präzise: Fire Duck – die Feuergans.

Die brennende Gans brennt nicht

Alle Tierfreunde, die nun den Cursor bereits in Richtung des Kreuzes des Browserfenster bewegen, können sich beruhigen: Die Gans brennt natürlich nicht wirklich, die feurige Krone ist eine Illusion.

Der Fotograf hat den Vogel genau in dem Moment eingefangen, als er vor einem Lagerfeuer lief. Und voilá, schon hat man die brennende Gans.

Was aus der Gans im echten Leben geworden ist, weiß niemand. Aber im Reich des Internets hat der lodernde Vogel fünf Jahre nach der Aufnahme des Schnappschusses eine sagenhaft steile Karriere hingelegt.

"Goose on Fire " startete Ende 2015 durch. Ein User lud das Bild bei Facebook hoch und fortan nahmen die Dinge ihren Lauf. Nach und nach tauchte die brennende Gans auf allen Internetplattformen auf: Tumblr, Twitter, Instagram.

Auf Soundcloud findet man sogar ein 45-minütiges DJ-Set mit Hip-Hop- und Trap-Sounds, das die Gans zeigt. Titel: "It's Duckin Lit". Produzent: Ducky-D.

Gegen Ende des letzten Jahres hatte das ganze Netz Feuer gefangen. In allen Sozialen Netzwerken inspirierte die Gans die Nutzer zu kreativen Höchstleistungen.

Das Netz hat Spaß, doch dann kommt Facebook

Aber wie für die meisten Memes war es auch für die brennende Gans nur ein kurzer Höhenflug. Nach ein paar Monaten erinnerte sich das Netz kaum noch an die gefiederten Kreatur in Flammen. Beinahe wurde sie vergessen und in die ewigen Meme-Jagdgründe verbannt.

Beinahe. Denn dann kam Facebook.

Der harte Kern der Meme-Enthusiasten bemerkte, dass Mark Zuckerbergs Unternehmen die tapfere Gans nicht so Zucker fand und anfing, sie zu zensieren. Man nahm ihr die virale Freiheit. Und zwar bis auf die ersten Einträge im November 2015.

Um das Meme zu sehen, müssen Facebook-Nutzer zuerst ihr okay geben. "Dieses Foto wurde verborgen, da es Inhalte für Erwachsene enthält (z. B. drastische Gewalt)."

Geht man der Sache nach, findet man bei Facebook einen Eintrag in den Community-Standards. Dort steht, welche Fotos man nicht posten sollte:

Wir möchten, dass sich die Menschen sicher fühlen, wenn sie Facebook verwenden. Aus diesem Grund haben wir eine Reihe von Gemeinschaftsstandards ausgearbeitet, die nachfolgend dargelegt werden. In diesen Richtlinien wird dir vermittelt, welche Inhalte auf Facebook geteilt werden können und welche uns unter Umständen gemeldet und von uns entfernt werden müssen. Angesichts dieser Vielfalt, die unsere globale Gemeinschaft kennzeichnet, solltest du beachten, dass Inhalte, die auf dich möglicherweise unangenehm oder störend wirken, nicht unbedingt gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstoßen.

Okay. Dies ist auf jeden Fall ein wenig verwirrend, da die Gans nicht wirklich brennt, sondern es nur eine optische Täuschung ist.

Es gibt viele wirklich fragwürdige Inhalte auf Facebook, die zensiert werden sollten. Aber gehört die Gans wirklich dazu?

Was ist mit den ganzen Hassreden in den Kommentarspalten? Oder freizügige Fotos, die weniger künstlerisch, sondern mehr pornografisch sind?

Gans oder gar nicht!

Facebook will hingegen nicht, dass wir die nicht wirklich brennende Gans sehen. Soweit so unverständlich.

Aber das Netz wäre ja nicht das Netz, wenn es darauf nicht die passende Antwort hätte. Denn nach der Feuergans-Zensur ist vor dem Gans-Inferno, dachten sich wohl einige Nutzer. Gans oder gar nicht!

Manche Seiten haben es als Zuckerbergs persönlichen Krieg gegen den Vogel interpretiert, was natürlich einen Gegenzug der Meme-Fanantiker nach sich zog.

Auf welche Seite man sich auch stellt – die von Facebook oder die der Nutzer, die ganze Aktion ist und bleibt ziemlich gaga. Oder, wie es die Graugans mit laut knarrenden Lauten von sich geben würde: „ga-ga-ga“.

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