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"Brexit war ein Weckruf": Chefs der Jugendorganisationen der Parteien richten dramatischen Appell an die Generation Y

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Das Referendum in Großbritannien hat ein gravierendes Problem der jungen Generationen aufgezeigt: Viele stimmten nicht ab - und empörten sich hinterher lautstark über das Ergebnis.

In Deutschland beobachten Wahlforscher ein ähnliches Phänomen. Gleichzeitig ist der allergrößte Teil der Bundestagsabgeordneten unter 30 - die Interessen älterer Generationen sind in unserer Demokratie also überrepräsentiert.

Die Vorsitzenden aller Jugendorganisationen der Bundestag vertretenden Parteien erklären deshalb in der Huffington Post, was schief läuft in der Demokratie. Sie erklären, warum wir eine Verjüngung der Politik brauchen.

paul ziemiak

"Weil sich politisches Engagement lohnt": Paul Ziemiak, Chef der Junge Union

"Die mehrheitliche Entscheidung der britischen Bevölkerung, die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union zu beenden, hat uns alle geschockt. Ich fühle vor allem mit den vielen jungen Britinnen und Briten, die weit überwiegend für einen Verbleib in der EU gestimmt haben.

Wir teilen mit ihnen die Überzeugung, dass die Zukunft unseres Kontinents nicht in einer Rückkehr zum klassischen Nationalstaat des 19. und 20. Jahrhunderts liegt, sondern in der Gemeinschaft souveräner europäischer Staaten innerhalb der Europäischen Union.

Die EU braucht dringend eine Reform, die ihre demokratische Legitimation und ihre politische Handlungsfähigkeit stärkt, und die Kompetenzverteilung noch stärker im Sinne des Subsidiaritätsprinzips regelt. Dafür sollten wir gemeinsam streiten und zwar engagiert. Zur Wahrheit gehört auch: Die Wahlbeteiligung unter den Jugendlichen war geringer. Wir müssen deutlicher machen: Politisches Engagement lohnt sich! Wenn man sich nicht engagiert, lässt man andere über die eigene Zukunft entscheiden."

johanna uekermann

"Weil der Brexit ein Weckruf war": Johanna Ueckermann, JuSo-Chefin

„Wenn wir junge Menschen wieder für uns gewinnen wollen, kommt es auf drei Dinge an: Wir müssen stärker deutlich machen, dass es Unterschiede zwischen den Parteien gibt, dass es entscheidend ist, wem ich meine Stimme gebe, weil sich unsere Gesellschaft dann verändert.

Die Brexit-Entscheidung ist in dieser Hinsicht vielleicht auch ein Weckruf an alle, wie schnell sich vermeintliche Selbstverständlichkeiten ändern können. Wir müssen deutlich sagen, wohin wir mit der Gesellschaft gehen wollen. Junge Menschen wollen wissen, wo wir die Gesellschaft in dreißig Jahren sehen.

Sie fordern zu Recht eine Vision von uns. Wir müssen junge Menschen sichtbar machen, die die junge Generation repräsentieren und vor allem gesellschaftliche Visionen glaubwürdig verkörpern. Parteien müssen sich verjüngen, junge Leute müssen mitentscheiden können – in Gremien und in den Parlamenten. Die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre ist überfällig."

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heuberger

"Weil die Zukunft sonst ohne uns entschieden wird": Moritz Heuberger, Chef der Grünen Jugend

"Wir, die junge Generation Europas, müssen uns endlich unseres politischen Gewichts bewusst werden und dieses in die Waagschale werfen. Die Wahlbeteiligung der Jugend lag deutlich hinter der der älteren Generationen. Demokratie funktioniert nur, wenn alle sich beteiligen.

Das Referendum sollte für uns auch eine Warnung sein, dass wir uns nicht aus dem Politischen zurückziehen. Sonst wird unsere Zukunft ohne uns entschieden! Für viele junge Leute war Europa einfach zu selbstverständlich. Einen Rückschritt hielten sie für ausgeschlossen.

Der Optimismus, dass es am Ende doch nicht so weit käme, er wurde zerschlagen und machte dem #Bregret platz. Auch überall sonst in Europa - und bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl - muss klar sein: Die Errungenschaften sind nicht in Stein gemeißelt.

Heute noch geht es raus aus der EU, morgen geht es um Menschenrechte und Minderheitenschutz. Wer in die Programme rechtspopulistischer Parteien schaut, dass dies oft Hand in Hand geht. Wenn wir die Rückkehr des Nationalen verhindern wollen, dürfen wir nicht zuschauen, nichts unwidersprochen lassen und vor allem müssen wir gegen Rechts wählen gehen."

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daniel kerekes

"Weil eine andere Politik möglich ist": Solid-Chef Daniel Kerekes

"Die Frage ist doch, warum wenden sich so viele junge Menschen von der Politik ab?

Diese Frage können die etablierten Parteien nicht beantworten, sie sind verfangen in ihrem wirtschaftsfreundlichen Denken. In Europa herrscht eine Massenarbeitslosigkeit unter Jugendlichen, die sich nichts von der Politik versprechen, weil sie von ihr bisher nichts erwarten konnten.

Eine andere Politik ist möglich und kann junge Menschen mobilisieren, das hat Podemos gezeigt, Jeremy Corbyn in England und Syriza in Griechenland. Gemeinsam mit den Menschen für eine Umverteilung von oben nach unten, erst dann wird man wieder glaubhaft Menschen mobilisieren, sich am politischen Prozess zu beteiligen."

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