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Sohn liest über 77 Jahre die Briefe seines verstorbenen Vaters

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Sohn liest über 77 Jahre die Briefe seines verstorbenen Vaters | Studio-Annika via Getty Images
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Rafael Zoehler war acht Jahre alt, als er seinen Vater verlor. Er hatte keine Chance, sich zu verabschieden, denn der krebskranke Vater wollte seinem Sohn die schreckliche Nachricht nicht mitteilen. Im Gegenteil: Er schmiedete mit seinem Sohn Pläne für das nächste Jahr. Sie wollten angeln und auf Reisen gehen.

Der Sohn hatte keine Chance, sich zu verabschieden

Doch eines Tages holte die Mutter Zoehler von der Schule ab und sie fuhren gemeinsam ins Krankenhaus: Sein Vater war gestorben.

Der Achtjährige war wütend, da ihn sein Vater auf die Situation nicht vorbereitet hatte. Als der Junge auf dem Gang neben seiner Mutter stand, kam eine Krankenschwester auf ihn zu. Sie gab ihm einen Schuhkarton und drückte dem Achtjährigen einen Brief in die Hand. "Wenn ich weg bin", stand auf dem Brief. Er war von seinem verstorbenen Vater, genauso wie all die anderen Briefe in dem Karton. Auf den Umschlägen hat der Vater geschrieben, in welcher Lebenssituation Zoehler den Brief öffnen soll.

"Sohn,
wenn du das hier liest, bin ich tot. Es tut mir leid, ich wusste, dass ich sterben würde. Ich habe es dir nicht gesagt, weil ich dich nicht weinen sehen wollte. Ich denke, dass ein Mann, der im Sterben liegt, ein bisschen selbstsüchtig sein darf.

Wie du siehst, gibt es noch viele Dinge, die ich dir beibringen möchte, denn du weißt nichts vom Leben. Deswegen habe ich diese Briefe für dich geschrieben. Du darfst sie aber erst im richtigen Moment öffnen, versprich mir das! Ok? Dann haben wir einen Deal.

Ich liebe dich. Pass auf deine Mutter auf, denn du bist jetzt der Mann im Haus.
In Liebe, Dad
PS: Ich hab deiner Mutter keine Briefe geschrieben, sie bekommt mein Auto"

Der Vater bereitet seinen Sohn auf alle Lebenssituationen vor

Mit seinem außergewöhnlichen Humor machte Zoehlers Vater seinem Sohn den Abschied etwas leichter. In dem Karton befanden sich noch weitere Briefe, die ihn auf bestimmte Lebenssituationen vorbereiten sollten. So stand auf einem Brief: "Wenn du schwul bist."

"Was soll ich sagen? Ich bin froh, dass ich tot bin!
Nein, Spaß beiseite! Jetzt wo ich im Sterben liege, wird mir klar, dass wir uns viel zu viele Gedanken über Dinge machen, die nicht wichtig sind. Für mich ändert das überhaupt nichts! Sei einfach glücklich!
In Liebe, Dad"

Briefe als Streitschlichter zwischen Mutter und Sohn

Aber auch auf ernste Situationen hat der Vater seinen Sohn vorbereitet. Zum Beispiel im Falle eines "sehr heftigen Streits" mit seiner Mutter.

"Rede mit ihr und bitte sie um Entschuldigung. Ich weiß nicht, wer angefangen hat und wer im Recht ist, aber ich kenne deine Mutter: Rede mit ihr und entschuldige dich. Das ist das Beste, das du tun kannst.

Sie ist deine Mutter und sie liebt dich mehr als alles andere auf der Welt. Wusstest du, dass sie dich ohne Betäubung zur Welt gebracht hat, weil ihr jemand gesagt hatte, dass es so besser für dich sei? Hast du mal eine Frau bei der Entbindung gesehen? Brauchst du einen anderen Beweis für ihre Liebe?

Entschuldige dich und sie wird dir verzeihen.
Ich liebe dich.
Dein Vater“

Briefe sollen durch das Leben helfen

Den kürzesten Brief aus dem Karton öffnete Rafael Zoehler, als seine Mutter starb:

"Jetzt gehört sie mir!
In Liebe, Dad"

Bis zum Ende nimmt der Vater an seinem Leben teil

Mit seinen Briefen hat der Vater seinem Sohn durch schwierige Zeiten geholfen und für Rafael Zoehler war der Abschied etwas leichter, denn sein Vater war immer ein Teil seines Lebens. Doch erst als der Sohn selbst im Sterben lag, erteilte ihm sein Vater die letzte Lektion und die Wahrheit, die er über das Leben und den Tod gelernt hat.

"Hallo Sohn, ich hoffe, du bist ein alter Mann, wenn du das hier liest.

Dieser Brief war für mich am einfachsten zu schreiben, aber er wird für dich am schwierigsten zu lesen sein. Er hat mir die Angst genommen, dich zu verlieren. Du siehst klarer, wenn das Ende nahe ist. Wir können einfacher darüber sprechen.

In meinen letzten Tagen habe ich viel über mein Leben nachgedacht. Ich hatte ein einfaches Leben, aber ich war glücklich. Ich durfte dein Vater sein und der Mann deiner Mutter. Mehr hätte ich mir vom Leben nicht wünschen können. Diese Erkenntnis hat mir Frieden gegeben, tu dir selbst den gleichen Gefallen.

Mein letzter Rat an dich: Hab keine Angst, es gibt keinen Grund dafür.

In Liebe, Dad
PS: Ich vermisse dich!"

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(lm)