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Millennials: Es ist Zeit für Rebellion! Aber Ihr müsst schon den Arsch hoch bekommen

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Junge Frau protestiert in Frankreich. | Getty
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Die Zeit ist gekommen: Die Jüngeren müssen gegen die Älteren rebellieren.

Immer deutlicher wird, dass die Millennials offenbar ein völlig unterschiedliches Verständnis von Zukunft haben als ihre Eltern und Großeltern. Beim Thema Zuwanderung gehen die Interessen zwischen den Generationen weit auseinander, bei der Flüchtlingsfrage, beim Umgang mit dem Islam oder auch bei der „Ehe für alle“.

Ein Phänomen, das auch anderswo in Europa existiert. In Großbritannien etwa hatte die Brexit-Abstimmung gezeigt, wie tief das Land anhand der Altersgruppen gespalten ist. Während die jungen Wähler zu fast zwei Dritteln für einen Verbleib in der EU gestimmt haben, drehte sich das Verhältnis bei jenen Wählern, die in der zweiten Hälfte ihres Lebens stehen.

Die Jugend ist wahlfaul geworden

Ein Aspekt kommt in der Betrachtung aber bisher zu kurz: Bevor die Rebellion beginnt, müssen die Jungen endlich politischer werden. Gut bürgerlich ausgedrückt: Die Generation Y muss endlich einmal den Arsch hoch bekommen, um etwas zu verändern.

Denn auch das zeigt das Brexit-Referendum: Zwar gibt es keine landesweit einheitlichen Zahlen zum Zusammenhang zwischen Wahlbeteiligung und Alter. Erste Studien legen jedoch nahe, dass in großen Städten mit einer sehr jungen Bevölkerung relativ wenige Menschen wählen gingen.

In Glasgow (600.000 Einwohner), wo der Altersdurchschnitt relativ niedrig liegt, gingen weit weniger als 60 Prozent der Stimmberechtigten zur Wahlurne. Das sind etwa 15 Prozent weniger als im Landesdurchschnitt.

Zwar lag in politisch engagierten Studentenstädten wie Oxford (150.000 Einwohner) oder Cambridge (123.000 Einwohner) die Wahlbeteiligung vergleichsweise hoch – sie sind aber keineswegs repräsentativ für den Durchschnitt. Am Ende war wohl die Masse der jungen Nichtwähler zu groß.

Anders ausgedrückt: Wenn sich die jungen Briten nun von den Älteren ihrer Zukunft beraubt fühlen, ist das nur ein Teil der Wahrheit. Die Millennials haben es eben auch mit sich machen lassen.

Das ist bei weitem kein rein britisches Phänomen. Auch in Deutschland ist schon seit langem zu beobachten, dass die Alten auch deswegen die politische Agenda bestimmen können, weil die Jüngeren zu desinteressiert sind, um von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen.

Es ist wahr, dass die 2014 beschlossenen Rentengesetze der Großen Koalition die jüngeren Generationen belasten. Die „Mütterrente“ und die „Rente mit 63“ kommen in erster Linie den Menschen jenseits der 50 zu Gute – und sie kosten bis 2030 bis zu 260 Milliarden Euro. Ein gigantisches Wahlgeschenk.

Jungwähler sind keine interessante Zielgruppe

Aber wer will den Parteien – rational betrachtet – verdenken, dass sie zuerst die eigenen Wähler beschenken?

Denn: Nicht nur, dass die Zahl der Jungwähler sinkt. Sie sind auch weit weniger bereit, von ihren demokratischen Rechten Gebrauch zu machen.

Bei der Bundestagswahl 2013 gaben nur 60,3 Prozent der Wahlberechtigten zwischen 21 und 25 Jahren ihre Stimme ab – unter den 60- bis 70-Jährigen waren es fast 80 Prozent. In Österreich zeigt sich in den vergangenen Jahren ein ähnlicher Trend. Die Wahlbeteiligung bei den Jungen ist signifikant niedriger als bei den älteren Wählern.

Das war nicht immer so. Zwar lag schon 1983 die Wahlbeteiligung der Jungwähler unter der von älteren Wählern. Allerdings gingen damals 84,3 Prozent der unter 21-Jährigen wählen, und immerhin noch 81,5 Prozent der 21- bis 25-Jährigen. Die Lücke zu den Älteren war dementsprechend deutlich kleiner.

Hashtags reichen nicht

Diese Zahlen müssen all jenen weh tun, die für eine zukunftsorientierte Politik in diesem Land kämpfen. Und sie zeigen, was sich in Zukunft ändern muss.

In den sozialen Netzwerken ist das Entsetzen regelmäßig groß, wenn die Generation Gauland ihre kruden Thesen zu Migration, Islam und Flüchtlingspolitik kundtut. Die Millennials sind mit dem Internet als Teil der eigenen politischen Öffentlichkeit sozialisiert worden. Nur mit Hashtags und Wut-Postings verändert man aber nicht die Entscheidungsstrukturen in Deutschland.

Die Generation Y muss aufwachen. Es ist wichtig, auf allen nur erdenklichen Kanälen dem Irrsinn in diesem Land und in Europa entgegenzutreten. Diskussionen verändern das Denken. Der Bundestag jedoch wird alle vier Jahre im „Real Life“ gewählt.

Wir können etwas bewegen - wenn wir wollen

Als Kanzler Willy Brandt (SPD) im Jahr 1972 wiedergewählt wurde, gingen 91,1 Prozent der Menschen wählen.

Sein politischer Erfolg war damals vor allem von jungen Wählern getragen – eine Gruppe, die übrigens auch damals nicht unbedingt groß war. Babyboomer gingen damals noch zur Schule, wahlberechtigt waren damals die geburtenarmen „Kriegsjahrgänge“ und „Nachkriegsjahrgänge“.

Was heißt das für heute? Die Jungen sind zwar wenige – aber sie können etwas bewegen. Wenn sie das wirklich wollen. Wenn die Jüngeren allerdings keinen Bock auf Demokratie haben, werden sie die nächsten 60 Jahre in einem Land leben, das sie so niemals gewollt haben. Ein Land, das ist Angst erstarrt ist – und sich selbst seiner Zukunftschancen beraubt.

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(ben)