Huffpost Germany

Der Brexit war erst der Anfang: Diese Vorfälle zeigen, wie dramatisch sich Großbritannien verändern könnte

Veröffentlicht: Aktualisiert:
RACISM ENGLAND
Eine Reihe schockierender Vorfälle zeigt, wie sich Großbritannien jetzt verändern könnte | Phil Noble / Reuters
Drucken
  • Nach dem Brexit-Referendum häufen sich in Großbritannien die fremdenfeindlichen Übergriffe
  • Die HuffPost UK hat rassistische Ausfälle von "Leave"-Befürwortern auf Twitter gesammelt
  • Das Referendum hat den im Land weit verbreiteten Vorurteilen gegen Ausländern neuen Nährboden beschert

Noch wird über die politischen Auswirkungen des britischen EU-Referendums hitzig diskutiert. Bereits jetzt zeigen sich jedoch die ersten bestürzenden Folgen des Brexit.

Denn viele Briten sahen in der Debatte um den EU-Verbleib nicht etwa die Debatte um die wirtschaftliche und politische Zukunft ihres Landes - sondern viel eher eine Debatte um Zuwanderung. Das zeigt sich in der enormen Häufung rassistischer Ausfälle nach der Bekanntgabe des britischen "Leave"-Votes.

Warum es beim britischen EU-Referendum nicht um die Wirtschaft geht

Ein Blick in die sozialen Medien zeigt: Viele EU-Gegner waren von rassistischen Motiven getrieben.

Ausländer sollen das Land verlassen

Die britische Ausgabe der Huffington Post hat Posts von Twitter zusammengetragen, die bereits am ersten Wochenende nach der Volksabstimmung einen extremen Anstieg der Fremdenfeindlichkeit belegen.

Hier sind nur einige der schockierenden Ereignisse der vergangenen Tage:

Der bekannte britische TV-Journalist Adam Boulder schrieb auf Twitter, seine Familie und er können alleine während des Wochenendes drei Vorfälle bestätigen, bei denen EU-Bürger mit der Frage "Wann geht ihr zurück nach Hause?" rassistisch beleidigt wurden.

Ciaran Jenkins, Reporter beim TV-Sender Channel 4, hakte bei Brexit-Befürwortern nach, warum sie für den Ausstieg aus der EU gestimmt haben. Auch hier überwiegen nationale oder "patriotische" Gründe:

"Schickt sie nach Hause"

Lediglich fünf Minuten stand Jenkins in der Fußgängerzone der englischen Stadt Barnsley. Drei verschiedene Personen hätten in dieser Zeit "Schickt sie [die Ausländer] nach Hause" gebrüllt.

Dieser Twitter-User schrieb, ein Mädchen wurde mit einer Kritzelei auf der Schultoilette dazu aufgefordert, zurück nach Rumänien zu gehen.

Und diese Userin berichtete, ein Mann hätte eine polnische Kellnerin gefragt, warum sie so fröhlich sei? Schließlich müsse sie doch jetzt zurück in ihre Heimat.

Sie schrieb, eine ältere Dame hätte eine polnische Frau und ihr Baby im Bus angeschrieen, sie sollten aussteigen und ihre Sachen packen.

"Polnisches Ungeziefer"

"Verlasst die EU! Kein polnisches Ungeziefer mehr". Karten mit dieser Aufschrift wurden polnische Familien in Huntingdon in die Briefkästen gesteckt.

"Wir haben gesiegt"

"Ja! wir haben gesiegt! Jetzt schickt sie nach Hause". Mit dem Shirt-Aufdruck dieses Mannes ist leider alles gesagt.

Eine Demonstration im nordenglischen Newcastle: "Stoppt die Einwanderung. Startet die Rückführung".

Die Tochter dieser Userin musste miterleben, wie eine Gruppe junger Männer einer Muslima "Hau ab. Wir haben "leave" gewählt" hinterherschrieen. "Furchtbare Zeiten", schreibt sie.

Ausländerhass ist schon länger weit verbreitet

Die Fremdenfeindlichkeit ist in Großbritannien in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Globalisierung und Zuwanderung schüren die Angst vor dem Identitätsverlust der Briten.

Zudem hätten Teile der Bevölkerung seit der Öffnung des britischen Arbeitsmarkts für EU-Bürger im Jahr 2004 das Gefühl, ihr Land nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Mehr als drei Millionen Menschen, vor allem aus Osteuropa, sind seitdem ins Land gekommen.

Diesen Unmut wusste die EU-kritische UKIP bei der Europawahl 2014 für sich zu nutzen. Die Partei des Brexit-Frontmans Nigel Farage wurde mit rund 28 Prozent der Stimmen stärkste britische Kraft im EU-Parlament.

Ebenfalls vor zwei Jahren kam eine Studie der britischen Tageszeitung "The Guardian" zum Ergebnis, dass jeder dritte Brite über "gewisse rassistische Vorurteile" verfüge. Der überraschende Erfolg des Brexit-Lagers hat dem britischen Rassismus nun neuen Nährboden bereitet.

Auch auf HuffPost:

Nicola Sturgeon: ”Schottland sieht seine Zukunft als Teil der EU”

2016-06-22-1466588952-5629450-HUFFPOST1.jpg
Mehr zum Thema Brexit findet ihr hier.

(lp)