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Gesunde Ernährung für alle: Forscher räumen mit verbreitetem Vorurteil zu Bio-Landwirtschaft auf

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Arbeiter auf einem Biobauernhof in Bolinas, Kalifornien | ERIC RISBERG, FILE/ASSOCIATED PRESS
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Wenn es um ökologische Landwirtschaft geht, unterstützen große Teile der Agrarindustrie diese in der Theorie, aber nicht in der Praxis. Und dies ist hauptsächlich auf niedrige Ernteerträge zurückzuführen.

Ökologische Landwirtschaft verzichtet auf den Einsatz von synthetischen Pestiziden, Düngemitteln, Antibiotika oder GVOs und versucht so, natürliche Ressourcen und die Artenvielfalt zu bewahren.

Allerdings könnten auf diese Art nicht die Erträge produziert werden, die von Nöten sind, um die Weltbevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen - so lautete viele Jahre lang die vorherrschende Wahrnehmung.

Biobauern haben noch immer geringere Ernteerträge

Ein neuer Bericht von Forschern des "Friends of the Earth"-Netzwerks gesteht zwar ein, dass Ernteerträge im Durchschnitt bei Biobauernhöfen geringer ausfallen als in der industriellen Landwirtschaft. Er stellt aber auch fest: Das muss nicht so sein.

Der Bericht, der vor einer Woche von der in Washington D.C. ansässigen Umweltschutz-Lobby veröffentlicht wurde, argumentiert, dass Ernteerträge nicht der einzige Maßstab sein dürfen, anhand dessen der Erfolg einer Ernte bemessen wird.

John Reganold, Professor der Bodenkunde und der Agrarökologie an der Washington State University, betont im Gespräch mit der Huffington Post, dass Ernteerträge oft nur einer von vier Faktoren sind, nach denen nachhaltige Produktivität bestimmt wird.

Ob eine Ernte umweltschonend und für den Farmer wirtschaftlich rentabel und sozialverantwortlich ist, sei genauso wichtig. "Um nachhaltig zu sein, muss ein Bauernhof jedes dieser vier Nachhaltigkeitskriterien erfüllen“, betonte Reganold.

Wenn ökologische Anbaumethoden anhand dieser vier Kriterien mit gängigen Praktiken verglichen werden, sind die ökologischen Praktiken im Vorteil. Etwa aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber den zunehmenden landwirtschaftlichen Herausforderungen des Klimawandels.

Es ist notwendig, die Anzahl der Bio-Bauernhöfe zu erhöhen

"Es handelt sich um keine Entscheidung, ob die Anzahl von Bauernhöfen zu erhöhen ist, die nachhaltige, ökologische Anbaumethoden verwenden. Es handelt sich um eine Notwendigkeit“, schreibt Claire Kremen vom Lehrstuhl für Naturschutz an der Universität von Kalifornien in Berkeley.

Der Bericht spricht einen weiteren weitverbreiteten Glauben an, den die Organisation als Mythos darstellt: dass zunehmende Lebensmittelproduktion benötigt wird, um die zunehmende Weltbevölkerung füttern zu können.

Eine 2012 im "Journal of Sustainable Agriculture" publizierte Forschungsarbeit fand heraus, dass Bauern weltweit bereits genug Lebensmittel herstellen, um 10 Billionen Menschen zu versorgen. Die britische Zeitung "The Economist" veröffentlichte ähnliche Erkenntnisse bereits 2011.

Jeder neunte Mensch hat zu wenig zu Essen

Obgleich dieser beachtlichen Produktivität haben, laut des Welternährungsprogramms der UN, geschätzte 795 Millionen Menschen auf der Erde – circa jeder Neunte – nicht genug Essen, um ein gesundes, aktives Leben führen zu können.

Laut der Autorin und Leiterin des Small Planet Instituts, Frances Moore Lappe, liegt der Grund für diese Kluft darin, dass Hunger weniger mit dem Angebot und mehr mit Armut sowie Mangel an gleichberechtigtem Zugang zu Land, Wasser und anderen notwendigen Ressourcen zu tun hat.

Somit müsste sich jeder Lösungsansatz für das Problem auch mit diesen Themen auseinandersetzen. Moore Lappe betont, dass gängige Landwirtschaft diese Probleme nur noch verschärft.

“Die wahre Ursache des Hungers ist ein Mangel an Demokratie“

Um ein Beispiel zu nennen: Der Bericht zitiert die Armutsgehälter für Arbeitsmigranten im Bereich der Landwirtschaft, von welchen geschätzte 67 Prozent auf eine Art von staatlicher Unterstützung angewiesen sind.

“Die wahre Ursache des Hungers ist ein Mangel an Demokratie“, sagte Moore Lappe der Huffington Post.

Obwohl der Verkauf von Bio-Nahrungsmitteln ansteigt, werden nur 0,7 Prozent der amerikanischen Bauernhöfe ökologisch betrieben. Es ist also noch ein langer Weg bis diese Praktiken sich wahrhaftig im Mainstream-Bereich ansiedeln können.

Um dieses Ziel zu erreichen, sollten politische Entscheidungsträger mehr Geld in Forschung, Bildung und technische Hilfe für ökologischer Landwirtschaftsbetriebe ausgeben.

Während das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten seine Ausgaben in diesem Bereich im Jahr 2014 bereits erhöht hat, betonen Forscher, dass dies nicht genug ist, um mit den Verbraucheransprüchen mithalten zu können. Gleichzeitig versuchen Biobauernhöfe, ihren Betrieb und Einfluss zu steigern.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Virginia V. Hartmann ins Deutsche übersetzt.

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(lk)