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Der Papst bringt Erdogan zur Weißglut - mit einem Wort

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  • Die türkische Regierung wirft dem Vatikan eine "Kreuzfahrermentalität" vor
  • Der Grund: Der Papst hatte das Massaker an den Armeniern als "Völkermord" bezeichnet.
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Die türkische Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan will sich nun offenbar auch noch mit dem Papst anlegen.

Ankara hat Papst Franziskus eine "Kreuzfahrermentalität" vorgeworfen. Der Grund: Er hatte während seines Besuchs in Armenien am Wochenende die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich 1915 als Völkermord bezeichnet.

Die Worte des Papstes seien "sehr unglücklich", sagte der türkische Vize-Regierungschef Nurettin Canikli der Agentur Anadolu zufolge. "Die Erklärung ist nicht objektiv." Ankara lehnt den Ausdruck "Völkermord" ab. Die Türkei ist Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches.

Papst fügte das kritische Wort eigenmächtig in die Rede ein

Der Vatikan hatte betont, der Papst wolle und erwarte keinen Konflikt mit der Türkei wegen der Äußerung. Dem Papst gehe es darum, "Brücken zu bauen und keine Mauern". Er habe "nichts gegen das türkische Volk gesagt", sondern zu Versöhnung aufgerufen.

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Die ganze Wahrheit ist das aber nicht. In seiner Ansprache wich der Papst offenbar bewusst von der für ihn vorbereiteten Rede ab und fügte eigenmächtig das Wort "Völkermord" ein. Das meldet die Agentur Reuters.

Es kam schon einmal zum Eklat zwischen Rom und Ankara

Ihm musste dabei völlig klar sein, was er damit auslösen würde. Denn es ist nicht das erste Mal, dass es wegen dieses Wortes zu Verstimmungen zwischen Rom und Ankara kommt. Als Papst Franziskus vergangenes Jahr erstmals das Wort "Völkermord" im Bezug auf die Massaker an Armeniern in den Mund nahm, rief die Türkei für zehn Monate ihren Botschafter beim Heiligen Stuhl zurück.

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Franziskus untermauerte seine Haltung mit einem Besuch am Genozid-Mahnmal in Eriwan. "Hier bete ich mit Schmerz in meinem Herzen, dass es niemals wieder solche Tragödien geben wird wie diese", schrieb der 79-Jährige in das Gästebuch der Gedenkstätte. Bei Sonnenschein legte er zwei Rosen in den Vatikanfarben gelb und weiß sowie einen Kranz nieder.

Laut Ansa verteidigte der Papst auf dem Rückflug seine Äußerungen. Bis er nach Rom gekommen sei, habe er keinen anderen Begriff gekannt. In Argentinien sei das Wort Völkermord in diesem Zusammenhang immer benutzt worden. Er habe es aber nie in beleidigender Absicht verwendet.

Mit Material der dpa und der AP

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(lk)